Videos der TH-Bunnyguards

Hey ihr!

Hier könnt ihr euch Videos von verschiedenen FTs anschauen.Teilweise sind auch Videos von verschiedenen FTs zusammengeschnitten An der Cam stand ich(Jani), die anderen haben 'ne klasse Leistung VOR der Cam gebracht

Seht selbst



weitere folgen...

LG Jani<3

1 Kommentar 16.10.07 20:35, kommentieren

Wer sind wir?!

Wer wir sind? Das ist gar nicht so schwer zu erklären wie man vielleicht auf den ersten Blick denken mag.

Wir sind eine Truppe verrückter Tokio Hotel-Fans, die sich regelmäßig vor dem AWD-DOme in Bremen treffen um zu quatschen und andere Sachen zu unternehmen. Meistens nehmen wir bei den Fan-Treffen Videos auf. Entweder performen wir TH-Songs oder machen sonstigen Quatsch.

Neue Mitglieder sind bei uns IMMER gerne gesehen, wir beißen alle nur Dienstags und da wir uns IMMER an einem Samstag (wegen der Züge, Busse etc.) treffen dürfte es da kein Problem geben.

Wie gesagt, wir treffen uns generell nur Samstags und dann so gut wie immer um 14h. Treffpunkt ist immer der AWD-Dome unser Heiligtum

Einige mögen uns vielleicht schon von dem Konzert in Bremen oder aus Geschichten die fälschlicherweise vorm Loft erzählt werden kennen. Ich würde euch raten nicht immer alles zu glauben was erzählt wird... macht euch lieber selbst ein Bild von uns

Zu uns gehören bis jetzt:

Georg(Melissa)

Jani(=ich)

Linda

Laula

Jessie

Melli

Sarah

Jenny

Lish

Uschi

 

evtl. werdende Bunnyguards:

Nele

Delia

 

Unsere Markenzeichen sind eigentlich, dass wir immer ziemlich laut und auffällig sind. Die drei lautesten sind wohl Laula,Lish&ich

Oftmals begrüßen wir uns kreischend oder rufen "Wie macht der Bill?"...

 

 

LG Jani<3

 

1 Kommentar 16.10.07 22:02, kommentieren

Die schönsten Bilder von uns :P

Das sind, meiner Meinung nach, die schönsten Bilder die von uns existieren, obwohl meine Bunnys IMMER total fotogen sind Laulaaaa xD




Und jetzt noch die zwei Cousinchen der Truppe:


POPSTARS:


Lish und "GEORG":


Jessie&Laula:



Laula unser Spielkind wieder :P

Gruppen-Bildchen, sind nichtalle drauf =(

Jetzt kommts:

xD

Und unser Georg *-*


weitere folgen...

16.10.07 21:11, kommentieren

Presse

WESER KURIER:

"Tokio Hotel"-Fans warten bereits seit Donnerstag
 

BREMEN. Vier Magdeburger Jungs sorgen für einen Ausnahmezustand im pubertierenden weiblichen Bremen und für ein stetig wachsendes Matratzenlager vor dem AWD Dome. Bereits seit Donnerstag warten dort überwiegend weibliche Fans auf den Auftritt der Band "Tokio Hotel", die heute die Bühne betreten wird. Um die 50 Fans waren es bereits am Freitag. Und beinahe stündlich werden es ein paar mehr."Es ist die Mischung aus guter Musik und Texten, die uns einfach ansprechen", sagt die 15-Jährige Janine aus Bremerhaven, die mit ihrer Freundin Laura (16, aus Steinfurt in Nordrhein-Westfalen) bereits am frühen Donnerstagabend vor dem AWD-Dome ein Zelt aufgebaut hat. Am Freitag stieß Julia (14, aus Oldenburg) hinzu - nach der Schule, wie sie betont. Laura dagegen hat "Urlaub", Janine wird an der Schule von ihrer Mutter entschuldigt. Die drei Mädchen sind eingefleischte Fans, das Konzert in Bremen ist längst nicht der erste Auftritt von Bill und Tom Kaulitz, Gustav Schäfer und Georg Listing, den sie sehen - in der ersten Reihe, wenn möglich.Der Fankult ist inzwischen straff organisiert. "Wir haben uns über den Tokio-Hotel-Fanclub verabredet", sagen die drei, die in Bremen das Heft an sich gerissen haben. Da am Freitagabend Peter Maffay im AWD-Dome gastierte, mussten die Fans den Eingangsbereich frei machen. Laura, Janine und Julia nummerierten ihre Mitstreiterinnen kurzerhand durch, damit es später keinen Streit gibt, wenn die Türen des Foyers wieder belagert werden dürfen.Gut organisiert ist auch das Gepäck der Fans: Waschzeug, das auf den Bahnhofstoiletten oder in den Klos des AWD Domes zum Einsatz kommt, natürlich Schminke, um die Spuren des Kampierens verschwinden zu lassen, und Trockenshampoo, um wieder etwas Seidenglanz in die Haare zu bekommen. Außerdem haben die Drei ein Zelt und Iso-Matten dabei. Knapp sind neben dem Geld jedoch Nagellack und der dazugehörige Entferner. "Wir haben in den Dixi-Klos ein wenig mit Nagellack rumgemalt", sagt Laura. "Das mussten wir wieder weg machen."Die Fan-Manie hat übrigens längst nicht mehr nur pubertierende Mädchen im Griff. "Auch ich finde die Musik gut", sagt die aus Wesel kommende 34-Jährige Dagmar Maier, die mit Tochter Lorraine und Nichte Larissa seit Freitag auf der Bürgerweide wartet. Sie sieht die Band bereits zum 6. Mal - wobei Bremen noch vergleichsweise preiswert ist, "wenn ich da an die Lorelei denke. Das Konzert hat uns alles in allem rund 500 Euro gekostet".Nicht überall sind die Fans gerne gesehen. Bereits in der Nacht zu Freitag kam es zu kleineren Auseinandersetzungen mit anderen Jugendlichen. Daher wird die Polizei verstärkt am AWD-Dome Streife fahren.

 


 

Die BILD dreht mal wieder alle Tatsachen um

2 Kommentare 21.10.07 21:39, kommentieren

"Ich bin nicht ich Teil 1" by Lish

Ich bin nicht ich

 

 

//Tom

 

Piep, piep, piep. Moah, ich hasste dieses Geräusch! Jeden Morgen um sieben musste ich es ertragen! Welcher Idiot hatte eigentlich die Schule und den Wecker erfunden? Der gehört doch in die Klapse! Mit einem gewohnten Schlag löschte ich das dämliche Geräusch und es war wieder still. Geht doch, jetzt könnte man doch eigentlich noch ein bisschen schlafen. Ich drehte mich um und schloss die Augen, doch kaum hatte ich meine Gedanken wieder dem geilen Chick aus meinem Traum zugewandt, klopfte es an der Tür und meine Mum rief mit heller Stimme: „Tom, aufstehen!“ Ich verdrehte die Augen und drückte mir mein Kissen auf den Kopf. Als ob ich das nicht selber wusste! Es war schließlich jeden Morgen dasselbe! „Ja!“ rief ich durch das Kissen gedämpft zurück, blieb noch drei Sekunden liegen und schob dann die Decke weg. Moah, auch das noch! Ich träumte echt zu viel von Girls. Wie sollte ich diesen Ständer denn jetzt noch auf die Schnelle wieder herunterbekommen? Na ja, irgendwie musste es klappen. Ich setzte mich auf, rieb mir die Augen und warf meine Dreads über die Schulter. Was soll’s?! Mit ein wenig Schwung stand ich auf, nahm mein grünes Eckô United – Shirt und zog es mir über den Kopf. Dann wechselte ich schnell meine Unterwäsche und zog dann eine viel zu weite Jeans an. War mir doch egal, was andere über mich dachten, ich lief rum, wie es mir gefiel! Schnell noch ein Paar Socken angezogen und in die weißen Air Force Sneakers von Nike geschlüpft und ab ins Bad. Müde blickte ich in den Spiegel. Dann griff ich nach meiner Zahnbürste, schmückte sie mit Zahnpasta und putzte mir die Zähne. Nachdem meine Zähne dann endlich blitzten, ließ ich dem Wasser durch den Hahn freien Lauf und reinigte dann damit mein Gesicht von den Strapazen der letzten Nacht. Danach griff ich nach meinem dunkelbraunen Zopfband und band meine wilden Dreads zu einem Pferdeschwanz zusammen. Als nächstes zog ich mir das Schweißband über die Ohren und setzte mir schließlich eine meiner vielen Caps auf. Heute war die grüne mal dran, passend zum Shirt. Endlich war ich fertig und blickte auf den Wecker. Viertel nach sieben. Okay, ich war zur Abwechslung mal früh dran. Ich gähnte, nahm verschlafen meinen Rucksack, schnallte ihn mir auf den Rücken und verließ das Haus. Den Schulweg zu Fuß trat ich wie immer allein an, was blieb mir auch anderes übrig? Außer der Transe wohnte niemand aus meiner Klasse in meiner Nähe, und mit dem wollte ich nicht zur Schule gehen! Der Streber war auch mit Sicherheit schon da, war ja immer so. Erst im Klassenraum traf ich auf Pat, der mich auch gleich stürmisch begrüßte. „Hey, Tom Alter! Was geht?” „Nichts.” „Aha.“ Ja, so sahen unsere Gespräche immer aus. Zumindest vor der ersten Stunde. Dann kam auch Freddy dazu und ich stieß ihn an. „Hey Alter! Hast du schon unsere Transe gesehen?“ „Allerdings!“ Freddy nickte genervt und deutete mit dem Finger auf IHN! Auf den Typen der Schule, den ich abgrundtief hasste! Und der ging auch noch in meine Klasse! Aber das Allerschlimmste war, dass er denselben Nachnamen hatte wie ich, weiß der Teufel warum: Bill Kaulitz!

 

 

//Bill

 

„Bill, raus mit dir!“ „Okay, Mum!“ Ich blickte auf meinen Wecker, war schon längst wach. Halb sieben. Gut, dann hatte ich ja noch genug Zeit. Lächelnd und gut gelaunt machte ich mich raus aus meinem Bett. Für heute wählte ich mein enges schwarzes T-Shirt mit dem roten Totenkopf vorne drauf, dazu eine enge dunkelblaue Jeans, die ich allerdings in meine hohen weißen Stiefel steckte. Jetzt noch schnell ins Bad und dann war ich soweit. Schnell brachte ich meine Zähne auf Hochform und wusch mir mein Gesicht und jetzt waren meine Haare an der Reihe. Ich lächelte meinem Spiegelbild zu, nahm die Bürste und durchkämmte meine langen schwarzen Haare. Danach nahm ich die Tube Gel, drückte etwas von dem kalten Zeug auf meine Fingerspitzen und brachte meine fransigen Haare damit in Form. Nach einiger Zeit saßen sie auch ganz gut. Jetzt noch eine Vierteldose Haarspray und ich war bereit für die Schule. Ach, nein! Grinsend griff ich nach meinem Kajal und schminkte meine Augen tief schwarz. Jetzt war ich fertig! Noch einmal lächelte ich meinem Spiegelbild zu und ging in mein Zimmer zurück. Dort griff ich mir meinen Rucksack und machte mich auf dem Weg zur Schule. Ein herrlicher Tag, Sonnenschein und bestimmt 25 Grad! Ich lief den Weg entlang, allein. Außer dem Wischmopptypen wohnte aus meiner Klasse niemand hier, und der wäre der Letzte, mit dem ich zur Schule gehen würde! Der Kerl hielt sich für ganz cool, dabei hatte er nur einen dämlichen Feudel auf dem Kopf. Und warum der zur Schule ging, fragte ich mich schon seit ich mit ihm in eine Klasse gekommen war. Er kam mindestens einmal die Woche zu spät, machte nie seine Hausaufgaben. So ein Idiot! Ich blickte auf meine Uhr. Sieben. Perfekt, ich bin genau rechtzeitig da. Strahlend betrat ich das Klassenzimmer, wurde von Andi und Chris bereits empfangen. „Hey Bill! Alles klar?” Ich nickte. „Klar, und bei euch?“ „Sowieso!“ Ich redete noch eine Weile mit den beiden, bis dieser Idiot den Klassenraum betrat. Wow, er war heute sogar pünktlich! Welch Wunder! Ich musterte ihn gründlich, er tat es mir nach. So ein eingebildeter Blödmann! Ich schüttelte nur den Kopf und setzte mich dann auf meinen Platz. Was die ganze Sache noch dämlicher machte: Der Wichser hatte denselben Nachnamen wie ich! Ich hab keine Ahnung, wie das sein kann, aber es ist so: Tom Kaulitz!

 

 

//Tom

 

Tz, da gaffte diese komische Transe mich doch tatsächlich an, als ich ins Klassenzimmer trat, also tat ich dasselbe. Der sah echt mal aus wie ein Mädchen! Lange schwarze fransige Haare, enge Klamotten und geschminkte Augen. Jetzt noch Titten und das wäre sogar ein recht heißes Teil! Endlich schaute er weg und ich setzte mich auf meinen Platz. Schon betrat der Lehrer den Raum und war bereit für unseren heutigen Matheunterricht. Ich legte den Kopf auf den Tisch und fuhr mit meinem Nickerchen von heute morgen fort, bekam von den ersten beiden Unterrichtsstunden wenig mit. Irgendwann spürte ich einen Schlag in der Seite und blickte verschlafen auf. Pat hatte mich angestoßen. „Aufstehen, Tom! Pause!“ Na endlich! Blitzschnell fuhr ich hoch, sprang von meinem Stuhl auf und lief runter in die Pausenhalle. Und dort standen sie auch schon am Stundenplan: Gustav und Georg, meine Kumpels. Ich gab ihnen zur Begrüßung die Hand. „Hey Boys!“ Gustav grinste. „Hi Tom, na, alles paletti?” Ich nickte. „Jo, man.” Und schon kam das nächste Problem auf mich zugelaufen. Diese dumme Transe war ebenfalls mit Gussi und Georg befreundet, das heißt, ich musste es wohl oder übel in den Pausen mit ihm aushalten. Er kam angesprungen und klopfte den beiden auf die Schulter. „Hallo ihr zwei!“ „Hi Bill!“ antwortete Georg und ich warf ihm böse Blicke zu. Das waren meine Kumpels, und wenn der mir die irgendwie wegnehmen wollte, dann gnade ihm Gott! Wir unterhielten uns für den Rest der Pause, bis es dann klingelte und wir wieder in unsere Klasse gingen, Bill und ich getrennt. Nun sollte wieder langweiliger Unterricht folgen.

 

 

//Bill

 

Nachdem mich dieser Penner eine Ewigkeit angeglotzt hatte, erschien unser Lehrer und der Unterricht begann. Tom setzte sich auf seinen Platz und würde gleich womöglich wieder einschlafen, wie immer. Auch ich setzte mich, schüttelte über diesen Blödmann den Kopf und holte meine Sachen heraus. Aufmerksam schrieb ich alles mit und machte mir eifrig Notizen, so gingen die ersten beiden Stunden relativ schnell vorüber. Dann war Pause. Langsam erhob ich mich und ging aus dem Klassenzimmer. Mr. Wischmopp hatte es sehr eilig, zu den anderen zu kommen. Leider hatten der Arsch und ich zufällig dieselben Freunde, das war etwas doof, aber egal, was tat man nicht alles für Gustav und Georg. Ich eilte schnell ebenfalls zu ihnen, die drei standen am Stundenplan und warteten auf mich. Fröhlich sprang ich auf sie zu und klopfte Gussi und Georg auf die Schulter. „Hallo ihr zwei!“ „Hi Bill!“ antwortete Georg mir und für den Rest der Pause ignorierte ich Tom einfach, während ich mit den beiden rumalberte. Unsere Pausen waren echt die besten, wenn man mal davon absah, dass dieser Idiot immer dabei war. Wäre der weg, wäre die Pause echt mal das geilste an der Schule. Irgendwann klingelte es dann auch wieder und ich machte mich – separat von Tom – auf den Weg zum Unterricht, nachdem ich mich von Gussi und Georg verabschiedet hatte. Ah, die beiden waren echt voll cool, ich mochte sie einfach.

 

 

//Gustav

 

Die Pause mit Bill und Tom wurde mal wieder recht spaßig, aber eins ging mir auf den Keks: Die beiden hassten sich! Wenn sie sich nicht ständig gegenseitig bekriegen würden, gäben wir eine prima Clique ab, aber nein! Einer von beiden machte den anderen immer nieder, und wenn nicht, dann war einer immer still und ignorierte den anderen gekonnt. Ich hielt das nicht mehr aus, hatte keinen Bock mehr auf so ein kindisches Getue, wollte, dass die beiden sich vertrugen. Als sie dann am Ende der Pause wieder zu ihrem Klassenraum gingen, erzählte ich Georg von meinem Plan. Wir hatten zufällig beide gerade eine Freistunde, deshalb setzten wir uns gemeinsam im Forum zusammen und ich erzählte Schorschi von meinem Plan. „Georg, pass auf!“ Ich legte meine Sachen auf den Boden und setzte mich dann an die Wand, machte es mir dort bequem. Georg tat es mir nach. „Dann schieß mal los!“ Ich nickte, räusperte mich noch einmal kurz und legte dann los. „Es geht mir auf die Eier, dass Bill und Tom sich hassen! Weißt du? Ich hätte gerne eine richtige Clique, mit uns vieren! Aber dafür müssen wir irgendwie dafür sorgen, dass sie sich anfreunden. Ich hab auch schon einen Plan, machst du mit?“ Georg nickte. Ich wusste, dass er dasselbe dachte wie ich. „Klar, gute Idee. Dann erzähl mal!“ Und ich erzählte Georg von meinem Plan.

 

 

//Tom

 

Endlich! Nach sechs endlosen Stunden war der heutige Schultag endlich vorüber und ich machte mich auf den Weg nach Hause. Viel hatte ich auch heute nicht mitbekommen, hatte nur das Nötigste, was an der Tafel stand, mitgeschrieben, ansonsten nur mit Pat und Freddy geredet, Zettel geschrieben oder mein Können als Tischdesigner unter Beweis gestellt. Zu Hause angekommen schob ich erstmal meine Spaghetti zum Mittagessen rein, bevor ich mich in meinem Zimmer verdrückte. Ich liebte dieses Essen! Die schmeckten genauso geil wie Pizza Margherita, mein anderes Lieblingsessen. Als nächstes führte mein Weg zum Kühlschrank und ich öffnete mir gierig eine Dose Red Bull. Zeit zum Wachwerden, wenn die Schule schon so einschläfernd war. Dann betrat ich mein Zimmer, pfefferte meine Sachen in die Ecke und zückte mein Handy. „Eine Kurzmitteilung erhalten“ las ich. Ich drückte ein paar Knöpfe und schon konnte ich die Sms lesen. Sie kam von Gustav. „Hey Tom! Hast du heute Zeit? 15:00 Uhr am Marktplatz, Georgs Auto steht da, wir treffen uns dort. Georg kommt auch. Bis nachher, Gussi.“ Ich lächelte. Yeah, eine Beschäftigung für heute! Ich blickte auf die Uhr. Viertel nach zwei. Gut, dann konnte ich mich schon auf den Weg machen, ehe ich mit meiner Hose am Marktplatz angekommen war, war sowieso Weihnachten. Ich machte mich also auf den Weg zu Schorschis Auto. Es stand dort auch, genau in der Mitte des Platzes. Tja, es ist nur von Vorteil einen Kumpel zu haben, der bereits Auto fährt, auch, wenn er dieses mit der Schwester teilen musste. Ich trat näher an den schwarzen Wagen heran, erblickte eine Person, die cool an der Fahrertür lehnte. „Gustav!“ dachte ich, ging hin und stellte mich vor ihn. „Da bin ich, was gibt’s?“ Doch als er mich ansah, bekam ich fast einen Herzinfarkt.

 

 

//Bill

 

Wenn man mal von Toms Anwesenheit absah, war auch der heutige Schultag wieder recht cool. Ich hatte wieder jede Menge Spaß, auch im Unterricht, und irgendwann war der Morgen rum. Ich trat den Heimweg an und war schließlich zu Hause. Meine Mum wartete schon mit dem Mittagessen auf mich. Pizza Margherita, ich liebte diese Art von Nahrungsmittel! Ich nahm Platz und aß gemütlich mit meiner Mum, die mich über die Schule ausquetschte. Als wir fertig waren, blickte ich auf meine Uhr. Halb drei. Ich lächelte und ging in mein Zimmer, wo ich auf meinem Handy las, dass ich eine Sms bekommen hatte. Ich öffnete diese und las folgenden Text: „Hey Bill! Heute 15:00 Uhr an meinem Wagen, der steht am Marktplatz, meine Schwester hat ihn gerade benutzt. Ich hoffe du kommst, Gussi wird auch da sein. Bis nachher, Schorschi.“ Ich musste grinsen. Eine Beschäftigung. Zwischen Hausaufgaben und lernen sollte so ein kleines Treffen wohl drin sein. Aber ich wollte auf keinen Fall zu spät sein und machte mich auf den Weg. Ich kam schon eine Viertelstunde zu früh an dem Auto an und lehnte mich cool an die Fahrertür. Es dauerte, wurde langsam drei, aber keiner der beiden war zu sehen. Langsam machte ich mir Sorgen, blickte immer wieder auf meine Uhr, bis plötzlich jemand vor mir stand und mich anlaberte. „Da bin ich, was gibt’s?“ Ich schaute auf und blickte in SEIN Gesicht. „Was willst du denn hier?“ Da stand doch tatsächlich dieser Wischmoppwichser vor mir! Er verengte die Augen und musterte mich. „Tja, zufällig bin ich hier mit Gussi und Georg verabredet, also verschwinde schnell wieder.“ Ich lachte. „Ganz zufällig bin auch ich mit ihnen hier verabredet.“ Er starrte mich eine Weile an, bis plötzlich sein Handy klingelte.

 

 

//Georg

 

Shit! Den ganzen Monat ist nichts, aber heute! Als zukünftiger Abi-Prüfling musste ich mich heute nach der letzten Stunde im Lehrerzimmer bei meinem Wirtschaftslehrer melden. Da ich aber heute sieben Stunden und somit bis um halb drei Schule hatte, konnte ich nicht rechtzeitig am Treffpunkt sein. Ich traf mich also im Lehrerzimmer mit meinem Pauker, der mir eifrig erzählte, was ich in der Prüfung alles zu wissen hatte. Schnell machte ich mir ein paar Notizen und stopfte meine Sachen nach der Besprechung schnell wieder in den Rucksack. Dann blickte ich auf meine Uhr. Fünf nach drei. Verdammt! Ich zückte mein Handy und rief Tom an, wusste, dass Gustav vor der Schule auf mich wartete. Er meldete sich auch gleich. „Ja?“ Ich räusperte mich. „Tom? Ich bin’s, Georg.“ „Ah, Schorschi. Was gibt’s?“ „Ich komm später, hatte gerade noch eine wichtige Besprechung mit ’nem Lehrer. Gussi ist auch hier, der kommt auch später. Aber ich denke, bis halb vier schaffen wir das wohl. Ihr könnt von mir aus auch schon einsteigen, meine Schwester hat das Auto gerade benutzt, es müsste noch offen sein, zumindest hab ich ihr das gesagt.“ „Alles klar, aber beeilt euch, ich habe hier nämlich beschissene Gesellschaft!“ Ich nickte und legte auf, wusste, dass auch Bill dort war und konnte nur hoffen, dass die beiden sich nicht so sehr hassten, dass einer von ihnen nach Hause ging. Schnell verstaute ich das Handy wieder in meiner Hosentasche und verließ das Schulgebäude. Draußen traf ich auf Gustav und gemeinsam machten wir uns schnell auf den Weg zum Marktplatz.

 

 

//Tom

 

„Was willst du hier?“ Moah, gibt’s das denn? Ständig machte diese dumme Transe mich an! Es war doch wohl meine Sache wo ich war! Aber dass sich Gussi und Georg mit mir treffen wollten und nicht mit dem Penner war ein gutes Zeichen und ich hielt es ihm auch sofort unter die Nase. „Tja, zufällig bin ich hier mit Gussi und Georg verabredet, also verschwinde schnell wieder.“ Ich verschränkte siegessicher die Arme vor der Brust, doch er lachte nur. „Ganz zufällig bin auch ich mit ihnen hier verabredet.“ Das durfte doch jetzt echt nicht wahr sein, oder? Jetzt musste ich dieses Arsch auch noch außerhalb der Schule sehen! Ich schaute ihn an, konnte den Blick nicht von diesem Mädchen abwenden. Doch mein Handy zog mich aus meinen Gedanken und ich ging ran. „Ja?“ „Tom? Ich bin’s, Georg.“, kam es vom anderen Ende. „Ah, Schorschi. Was gibt’s?“ „Ich komm später, hatte gerade noch eine wichtige Besprechung mit ’nem Lehrer. Gussi ist auch hier, der kommt auch später. Aber ich denke bis halb vier schaffen wir das wohl. Ihr könnt von mir aus auch schon einsteigen, meine Schwester hat das Auto gerade benutzt, es müsste noch offen sein, zumindest hab ich ihr das gesagt.“ „Alles klar, aber beeilt euch, ich habe hier nämlich beschissene Gesellschaft!“ Grinsend legte ich auf und blickte in Bills wütendes Gesicht. Dann zuckte ich mit den Schultern. „Ist doch so!“ Er holte aus und schlug mit seiner Faust nach mir, traf mich aber nicht. Typisch Mädchen eben. Ich wollte gerade mit einer Ohrfeige antworten, als ich plötzlich ein tiefes Grollen vernahm. „Shit, ein Unwetter!“, sagte das Girl. Ich lachte. „Bist du aus Zucker? Aber von mir aus können wir uns auch im Auto weiter kloppen, falls du den Mut dazu hast!“ Er wurde wütend und versuchte nach mir zu treten, doch im nächsten Moment brach der komplette Regen aus den Wolken auf uns hernieder und mit einem gekonnten Sprung schmiss ich mich auf den Fahrersitz, knallte Bill die Tür vor der Nase zu. Er lief erst komplett ums Auto umzu und setzte sich dann pitschnass auf den Beifahrersitz. „So“, provozierte er dann, „dann zeig mir mal, wie ein Reinigungsgerät so prügeln kann!“ Das ließ ich nicht auf mir sitzen! Ich stürzte vor und griff ihn an, schlug ihm mit der Faust aufs Gesicht, doch auch er war nicht lahm und traf mich an der Lippe. Dann plötzlich hörte ich einen lauten Knall und mir wurde ganz heiß.

 

 

//Bill

 

„Ja?“ Tz, da hatte der Kerl tatsächlich Freunde, die ihn auf dem Handy anriefen! Angeber! Und ich musste auch noch einige Gesprächsfetzen ertragen! „Ah, Schorschi. Was gibt’s?“ Schorschi? Da telefonierte der tatsächlich mit Georg! Warum hatte dieser mich nicht angerufen? „Alles klar, aber beeilt euch, ich habe hier nämlich beschissene Gesellschaft!“, sagte Tom grinsend und legte auf. Ich war stocksauer und als er mir auch noch ein „Ist doch so!“ an den Kopf knallte, konnte ich mich nicht mehr zurückhalten und schlug nach ihm. Leider traf ich nicht, und als er mich ebenfalls schlagen wollte, hörten wir ein Grummeln. Gewitter, dachte ich, und das wiederum würde wahrscheinlich einen starken Schauer mit sich tragen. „Shit, ein Unwetter!“ brachte ich hervor und der Wischmopppenner lachte. „Bist du aus Zucker? Aber von mir aus können wir uns auch im Auto weiter kloppen, falls du den Mut dazu hast!“ Ich trat nach ihm, doch er war schneller und sprang ins Auto, auf den Fahrersitz. Im selben Moment prasselte der Regen nur so auf mich herab und ich war von einer Sekunde auf die andere pitschnass. Schnell lief ich um das Auto und setzte mich dann auf den Beifahrersitz, während es draußen nur so aus Eimern goss und laut gewitterte. „So“, meinte ich dann, wollte wissen, ob er sich tatsächlich schlagen würde, „dann zeig mir mal, wie ein Reinigungsgerät so prügeln kann!“ Er griff mich an und schlug mich mit der Faust auf die Nase, doch ich schlug zurück, traf ihn am Mund. Doch zu mehr kamen wir nicht, es gab einen lauten Knall und mir wurde plötzlich kochend heiß. Verwirrt hielt ich inne und stieg von Tom runter, meine Lippe schmerzte wie verrückt. Moment mal, meine Lippe? Er hatte mich doch an der Nase erwischt. Langsam wich ich zurück auf den Fahrersitz, musste erstmal verdauen, warum mir gerade so heiß war. Dann schaute ich nach, wie es unserem Feudel ging, dass ihm etwas Schweres zugestoßen war, wollte ich ja auch nicht. Doch als ich ihn sah, verschlug es mir die Sprache. „D... du? Ich? Aber... wie kann das sein?“ Ich sah meinen eigenen Körper auf dem Beifahrersitz liegen!

 

 

//Tom

 

Moah, war mir plötzlich heiß! Bill ließ von mir ab und ich setzte mich erstmal verwirrt auf den Beifahrersitz, schloss die Augen und überlegte, was gerade passiert war. Meine Klamotten waren klitschenass und ich fragte mich, wie das sein konnte, ich war doch noch im Trockenen ins Auto gekommen und so viel Blut hatte ich nun wirklich nicht von dem luschigen Schlag verloren! Ich schaute an mir runter und bekam fast einen Herzinfarkt. Ich trug eine enge Jeans und ein T-Shirt mit einem Totenkopf drauf! Das hatte ich doch heute Morgen nicht angezogen! Das waren Bills Klamotten! Verwirrt strich ich mir meinen Pony aus dem Gesicht. Moment mal, Pony? Meine Dreads wurden hinten von meiner Cap zusammengehalten, ich hatte keinen Pony, schon gar keinen schwarzen! Dann hörte ich Bill. „D... du? Ich? Aber... wie kann das sein?“ Zitternd blickte ich zur Seite und konnte nicht glauben, was ich dort sah: Mein Körper saß dort! Das… das war doch nicht möglich! Wieso steckte ich plötzlich in Bills Körper und er in meinem? Das war schier unmöglich! Ich zeigte vorsichtig auf ihn. „Du… in meinem Körper… du bist… ich? Bill?“ Er war anscheinend genauso verwirrt wie ich und nickte nur. „Dann… dann bist du in meinem Körper?“ Ich nickte, so war es wohl. „Aber… wie kann das sein?“ Er klang ziemlich aufgelöst. Ich wusste nicht warum, aber ich legte meine Hand auf sein Knie – nein, eigentlich auf mein Knie. „Das war der Blitz. Durch sein Einschlagen haben wir unsere Körper getauscht.“ Seine Augen weiteten sich und er stolperte fast schon aus dem Auto heraus, landete auf dem harten Steinboden. Ich stieg meinerseits aus dem Wagen, war voll merkwürdig, meine Hose – beziehungsweise Bills Hose - klemmte voll in meinem oder auch seinem Schritt. Langsam ging ich zu ihm auf die andere Seite und reichte ihm die Hand. Er war vollkommen perplex, zitterte überall. „Komm schon, das wird wieder.“, meinte ich, glaubte meine Worte aber selbst nicht, hoffte nur innerlich, dass es wirklich stimmte.

 

 

//Gustav

 

Endlich kam Georg und wir machten uns auf dem Weg zum Marktplatz zu seinem Auto, als es plötzlich wie aus Eimern anfing zu gießen. „Verdammt!“, rief Georg und wir begannen zu rennen. Als wir dann schließlich völlig durchnässt bei Georgs Auto ankamen, hörte es auch prompt auf zu regnen. Das war so klar. Doch ich traute meinen Augen kaum. Tom lag auf dem Boden vor dem Auto, Bill stand über ihm und reichte ihm die Hand. Was ging hier denn ab? Tom nahm sie zögerlich und ließ sich von Bill auf die Beine ziehen. Schorschi und ich traten näher. „Hey, was ist denn los? Tom? Ist irgendetwas passiert?“ Während Tom sich zitternd seine Klamotten abklopfte, ergriff Bill das Wort. „Nein, nichts Schlimmes, mir geht es gut.“ Ich zog eine Augenbraue hoch. „Ich habe nach Tom gefragt und nicht nach dir, Bill.“ Er starrte mich vollkommen entgeistert an und meinte dann: „Ja. Ich bin doch auch Tom.“ Mir stand der Mund offen. Wieso hielt sich Bill für Tom? Das machte jetzt mal gar keinen Sinn. Georg stellte sich direkt vor ihn. „Bill? Alles in Ordnung?“ Tom schüttelte den Kopf. „Nein, nichts ist in Ordnung! Ich will meinen Körper zurück!“ Georg und ich machten einen Satz rückwärts. „Was?“, brachte Georg schließlich hervor. „Deinen Körper zurück? Was ist denn passiert?“ Bill trat vor. „Der Blitz ist ins Auto eingeschlagen und Bill und ich haben unsere Körper getauscht! Jungs, bitte helft uns! Ich will nicht für den Rest meines Lebens in Weiberklamotten rumlaufen!“ „Hey ja, ich trage keine Weiberklamotten!“, kam es von Tom und er stürzte sich auf Bill. Ich verstand die Welt nicht mehr. Was bitte sollte hier passiert sein?

 

 

//Bill

 

Tom – in meinem Körper – blickte mich an und zeigte auf mich. „Du... in meinem Körper... du bist... ich? Bill?“ Ich nickte, so musste es gewesen sein. Das war alles so verwirrend! „Dann... dann bist du in meinem Körper?“ brachte ich mühsam hervor. Er nickte ebenfalls und ich wurde langsam etwas panisch. „Aber... wie kann das sein?“ Plötzlich legte er seine Hand – nein, eigentlich meine Hand auf mein oder sein Knie. „Das war der Blitz. Durch sein Einschlagen haben wir unsere Körper getauscht.“ Meine Augen weiteten sich, ich stand vollkommen unter Schock. Ich wollte nur raus aus diesem Auto, hoffte, dass es dann vorbei war! Ich war so stark am Zittern dass ich draußen auf den harten Steinboden knallte. Bevor ich irgendetwas wahrnehmen konnte, stand Tom über mir und reichte mir seine Hand. „Komm schon, das wird wieder.“ Ich nickt zitternd, griff seine Hand und ließ mich von ihm auf die Beine ziehen. Dann erblickte ich plötzlich Gustav und Georg vollkommen durchnässt hinter uns stehen. „Hey, was ist denn los? Tom? Ist irgendetwas passiert?“ Immer noch zitternd klopfte ich mir den Schmutz von Toms mega großer Hose und seinem Shirt, während er antwortete. „Nein, nichts Schlimmes, mir geht es gut.“  „Ich habe nach Tom gefragt und nicht nach dir, Bill.“ Gustav klang jetzt echt mal verwirrt. Tom hat ihm doch geantwortet, und auch er war ziemlich verwirrt. „Ja. Ich bin doch auch Tom.“ Gustav stand der Mund offen und Georg trat vor, stellte sich vor Tom. „Bill? Alles in Ordnung?“ Ich schüttelte heftig den Kopf. „Nein, nichts ist in Ordnung! Ich will meinen Körper zurück!“ Georg und Gustav traten verwirrt zurück. „Was?“, brachte Georg schließlich hervor. „Deinen Körper zurück? Was ist denn passiert?“ Tom ging vorsichtig einen Schritt auf sie zu. „Der Blitz ist ins Auto eingeschlagen und Bill und ich haben unsere Körper getauscht! Jungs, bitte helft uns! Ich will nicht für den Rest meines Lebens in Weiberklamotten rumlaufen!“ Was sollte das denn jetzt? „Hey ja, ich trage keine Weiberklamotten!“, sagte ich und stürzte mich auf ihn. Gustav stieß uns auseinander. „Hey, hey, hey, nochmal jetzt. Ihr wart im Auto und der Blitz ist eingeschlagen. Und jetzt seid ihr im Körper des anderen?“ Tom und ich nickten. Georg blickte uns fragend an. „Und was sollen wir jetzt machen?“ Diese Frage brannte mir schon die ganze Zeit auf der Seele.

 

 

//Tom

 

Er ergriff meine Hand und ließ sich von mir auf die Beine ziehen. Plötzlich hörte ich Gustav. „Hey, was ist denn los? Tom? Ist irgendetwas passiert?“ Bill klopfte seine Sachen – meine Sachen – sauber und ich antwortete ihm. „Nein, nichts Schlimmes, mir geht es gut.“  „Ich habe nach Tom gefragt und nicht nach dir, Bill.“ Hä? Gustav klang ziemlich verwirrt.  Ich hatte ihm doch geantwortet und war auch meinerseits verwirrt. „Ja. Ich bin doch auch Tom.“ Gustav stand der Mund offen und Georg trat vor, stellte sich vor mich. „Bill? Alles in Ordnung?“ Dann mischte sich die Transe neben mir ein. „Nein, nichts ist in Ordnung! Ich will meinen Körper zurück!“ Georg und Gustav traten verwirrt zurück. „Was?“, brachte Georg schließlich hervor. „Deinen Körper zurück? Was ist denn passiert?“ Ich ging zu ihnen. „Der Blitz ist ins Auto eingeschlagen und Bill und ich haben unsere Körper getauscht! Jungs, bitte helft uns! Ich will nicht für den Rest meines Lebens in Weiberklamotten rumlaufen!“ Das musste einfach sein. Bill schien sauer zu sein. „Hey ja, ich trage keine Weiberklamotten!“, sagte er und stürzte sich auf mich. Doch Gustav ging dazwischen und zog uns auseinander. „Hey, hey, hey, nochmal jetzt. Ihr wart im Auto und der Blitz ist eingeschlagen. Und jetzt seid ihr im Körper des anderen?“ Wir nickten. Georg blickte uns fragend an. „Und was sollen wir jetzt machen?“ Tja, gute Frage. Bill und ich zuckten die Schultern. „Keine Ahnung.“ Gustav legte mir seine Hand auf die Schulter. „Heute ist Freitag. Ich denke, es ist am Besten, wenn wir jetzt nach Hause gehen und nachdenken. Am Sonntag treffen wir uns wieder, und ich hoffe, bis dahin ist uns eine Lösung eingefallen.“ Ich nickte, doch Bill weigerte sich. „Ich... ich lauf bestimmt nicht ein ganzes Wochenende lang in seinen Sachen rum!“ „Hast du eine bessere Idee?“ meinte Georg, und Bill schwieg. „Gut“, meinte Gussi, „Sonntag um drei wieder hier.“ Ich nickte, Bill auch und während Georg und Gustav in Georgs Auto einstiegen, schlug ich den Heimweg ein – Richtung Bills Haus.

 

 

//Bill

 

Tja, was sollten wir jetzt machen? Ich hatte absolut keine Idee und zuckte die Schultern, Tom tat es mir nach. „Keine Ahnung.“ Gustav legte seine Hand auf Toms beziehungsweise meine Schulter. „Heute ist Freitag. Ich denke, es ist am Besten, wenn wir jetzt nach Hause gehen und nachdenken. Am Sonntag treffen wir uns wieder, und ich hoffe, bis dahin ist uns eine Lösung eingefallen.“ Tom nickte, doch das ließ ich mir nicht gefallen. . „Ich... ich lauf bestimmt nicht ein ganzes Wochenende lang in seinen Sachen rum!“ „Hast du eine bessere Idee?“ meinte Georg. Nein, natürlich nicht, welche auch? „Gut“, meinte Gussi, „Sonntag um drei wieder hier.“ Tom nickte, ich auch, was sollte ich auch anderes tun? Georg und Gustav stiegen in Georgs Auto und fuhren davon, ich ging nach Hause, zu Tom. Bevor sich unsere Wege vor seiner Haustür trennten, blickte ich ihn noch einmal an. „Dann... viel Glück.“ „Ja... dir auch.“ Antwortete er und ging weiter, während ich das Haus betrat. Es war schön hier, hätte ich echt nicht gedacht. Suchend blickte ich mich um. Wo konnte denn Toms Zimmer sein? Oben? Hinter der Treppe? Doch bevor ich irgendwo hingehen konnte, stand plötzlich eine große Frau vor mir. Sie hatte einen Autoschlüssel in der Hand, ihre langen blonden Haare waren zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden. „Da bist du ja! Wo bleibst du denn solange? Wir müssen los!“ Los? Wohin? Verwirrt nickte ich nur und folgte meiner „Mum“ nach draußen ins Auto. Ich nahm, grübelnd, wohin es gehen könnte, auf dem Beifahrersitz Platz. Das Auto fuhr los und schon bald, etwa nach einer halben Stunde, standen wir vor einem großen weißen Haus, das einsam am Straßenrand stand. „Viel Spaß, grüß Dad von mir.“ Dad? Wenn ich das jetzt richtig gedeutet hatte, wohnte hier mein – nein, Toms Vater. Dann waren seine Eltern also geschieden. Damit hatte ich gar nicht gerechnet und plötzlich tat er mir sogar Leid. Ich nickte nur und stieg aus dem Auto. „Mum“ fuhr davon und ich klingelte gespannt an der Haustür. Sie wurde geöffnet und ein großer, dunkler Mann öffnete mir. Er hatte fettige, dunkelblonde Haare, die er zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden hatte, trug eine schwarze Sonnenbrille im Gesicht und hatte starke muskelbepackte Arme. Wenn das Toms Vater war – er wirkte nicht sehr vertrauenserweckend. „Da bist du ja, du kleiner Hurensohn!“ meinte er und zog mich brutal an den Dreadlocks ins Haus. Was war denn hier los?

 

 

//Tom

 

Bill und ich gingen schweigend nebeneinander her, bis er bei mir zu Hause ankam und sich noch einmal umdrehte. „Dann... viel Glück.“, meinte er und ich nickte. „Ja... dir auch.“ Er betrat mein Haus und ich ging weiter zu ihm. Ein hübsches Haus, dachte ich und ging hinein. Dort wurde ich von einer strahlenden Frau begrüßt. Sie hatte kurze braune Haare, trug eine Schürze und hatte eine Schüssel mit Pudding in der Hand, in der sie rührte. „Hey mein Schatz. Da bist du ja wieder. Ich mache Pudding, können wir gleich essen.“ „Okay.“, antwortete ich nur und ging die Treppe hoch. Mein Zimmer war oben, also nahm ich an, dass seins es auch war. Ich hatte zur Abwechslung mal Glück und fand oben ein Badezimmer, ein Schlafzimmer und ein Zimmer mit einem Tourplakat von Nena an der Wand. Von Georg wusste ich, dass Bill Nena hörte und ging in dieses Zimmer. Es war gemütlich eingerichtet, ein Bett, ein Schreibtisch mit PC, ein Fernseher und ein DVD - Player. Auch ein Sofa stand an der Wand. Erschöpft ließ ich mich aufs Bett fallen und schloss die Augen. Wie konnten wir den Tausch nur wieder rückgängig machen? Wir konnten doch nicht unser Leben lang so rumlaufen! Ich erblickte einen Radiowecker. 16:03. Na toll, vier Uhr und ich hatte noch ein komplettes Wochenende vor mir. Ich seufzte, zog mir die nassen und engen Klamotten aus und suchte mir was Weites aus seinem Schrank. Das Weiteste, was er besaß, war ein schwarz weiß karierter Schlafanzug. Ich nahm dieses Kleidungsstück und marschierte ins Bad, was ich eben gefunden hatte. Ich schloss die Tür ab und mein Blick stockte vor dem Spiegel. Ein Strich schwarzen Kajals lief meine rechte Wange hinunter und meine schwarzen Haare waren durcheinander und standen noch mehr ab als sonst. Gequält lächelte ich einmal kurz und sprang unter die Dusche. Das kühle Nass tat mir gut, ich war schon viel erleichterter. Als ich dann mit meinem linken Arm nach Shampoo griff, fiel mein Blick auf das Duschwasser. Es war rot. Was war das denn? Das sah aus wie Blut. Panisch blickte ich an meinem – Bills Körper – herunter und suchte eine Wunde oder ähnliches. Und dann entdeckte ich es. Meine beiden Unterarme zierten mindestens 50 strichähnliche Narben. Einige davon waren recht kurz, vielleicht um die zwei Zentimeter, die größte führte auf dem linken Unterarm entlang einer Ader und brachte es auf bestimmt 11 Zentimeter. Manche waren schon mehr oder weniger verheilt, sie waren dunkel, einige waren älter, vielleicht zwei Wochen alt, ein paar ganz frisch, eventuell zwei bis drei Tage. Fünf Striche auf meinem rechten Arm bluteten stark und färbten das Wasser rot. Ich wurde immer panischer, drehte das Wasser ab und beobachtete das aus meinem Arm strömende Blut. Bill schien sich zu ritzen, nur – warum?

 

 

//Bill

 

Drinnen stieß der Kerl mich zu Boden und lachte teuflisch. „Na, kleiner Pisser, wieder da?“ Ich hatte tierische Angst vor dem Kerl und nickte. Er lachte erneut. „Gut, dann freust du dich bestimmt auch schon so auf unser Wochenende wie ich!“ Er zog mich an meinem Shirt hoch und boxte mich in den Magen. Ich sackte unter Schmerzen zusammen, schon hatte ich seine Faust im Gesicht. Ich schrie, doch das hätte ich lieber nicht tun sollen. Erneut warf er mich zu Boden und versetzte mir einen Tritt in meine männlichen Weichteile. Ich krümmte mich am Boden, stöhnte auf, schloss die Augen. Bis ich plötzlich etwas Kaltes an der Nase spürte. Ich öffnete die Augen und erblickte ein Messer. Ich wagte es nicht, mich zu rühren. Der Kerl kam mit seinem Gesicht ganz nah vor meins. „Falls du es in den letzten zwei Wochen wieder vergessen hast – du sollst die Klappe halten, verstanden, du Dreckskind?“ Ich nickte panisch, wollte nur, das der Typ endlich ging. Er lachte nur wieder. „Gut, und jetzt verpiss dich in dein Zimmer und lass dich nicht blicken, bis ich dich für die nächsten Schläge hole!“ Er packte mein Handgelenk, bohrte seine Fingernägel in mein Fleisch und zog mich zu einem kleinen Raum neben der Kellertür. Er öffnete sie und ich erblickte einen stockdunklen Raum mit einer kleinen kaputten Matratze auf dem Fußboden. Er schubste mich hinein, schloss die Tür und ich hörte, wie draußen ein Schlüssel im Schloss gedreht wurde. Alles tat mir weh, und sehen konnte ich nicht einmal die Hand vor Augen. Zitternd tastete ich mich auf dem kalten schmutzigen Boden vorwärts und spürte schließlich die Matratze. Ich legte mich darauf und schloss die Augen, hoffte, dass meine Schmerzen bald nachließen. Dann spürte ich plötzlich ein leichtes Vibrieren in meiner Hosentasche. Verwirrt griff ich hinein und hielt ein Handy in der Hand. Das Licht des Displays erhellte den Raum und ich konnte eine Nummer lesen. Erst nach ein paar Augenblicken wurde mir klar, dass das meine Nummer war, die da auf dem Bildschirm stand. Warum rief mich jemand auf Toms Handy von meinem aus an? Immer noch zitternd drückte ich auf die Taste mit dem Hörer. „Ha... hallo?“

 

 

//Tom

 

Geschockt stellte ich das Duschwasser ab, griff ein Handtuch und sprang mit einem Satz auf den Badezimmerteppich, so geschockt war ich. Ich rubbelte meine – Bills Haare – trocken, dann langsam die Arme. Die Wunden hatten inzwischen aufgehört zu bluten, trotzdem zitterte ich wie wild und hörte meinen eigenen Herzschlag so laut, als wäre er neben mir, während ich meine Arme anschaute. Ja, eindeutig Ritznarben von einem Messer. Ich schüttelte schockiert den Kopf, dann zog ich mir den Schlafanzug an und versuchte, das Bild von Bills zerschnittenen Armen vor meinen Augen zu ignorieren. Ich schüttelte erneut heftig den Kopf, dann erblickte ich Bills Handy auf dem Schreibtisch. Ich wollte wissen, warum er das tat. Sich so verletzte. Schnell griff ich nach dem Telefon und wählte meine eigene Handynummer, denn ich wusste, dass Bill mein Handy noch bei sich tragen musste, es war in meiner Hosentasche. Nach einer ewigen Zeit hörte ich seine Stimme, schwach, bebend, ängstlich. „Ha... hallo?“ „Warum tust du das, hä?“, polterte ich gleich los, „Warum ritzt du dir die Arme auf? Bist du bescheuert? Nur Psychopathen ritzen sich so heftig!“ Stille, er antwortete mir nicht. Ich wollte ihn gerade wieder richtig anmachen, als er doch begann zu sprechen. „Tom?“ Ich verdrehte die Augen, war der denn völlig bekloppt? „Nee, Frau Holle! Also, was ist los? Was ist in dich gefahren?“ Doch dann hörte ich plötzlich ein Schluchzen von der anderen Seite. „Tom? Tom, bitte hilf mir! Ich will hier weg! Bitte!“ Ich stockte. Was faselte der da? Weg? Von wo? Ich sollte ihm helfen? Ich wusste doch nicht mal, wo er war! Moment. Mein Blick fiel auf einen Wandkalender. Heute war Freitag. Ich blickte auf den Wecker. 16:22 Uhr. Verdammt! Mit einem Mal wurde mir klar, wo Bill war!

16.10.07 22:38, kommentieren

//Bill

„Warum tust du das, hä?“ Es war tatsächlich Tom, und er fiel gleich mit der Tür ins Haus. „Warum ritzt du dir die Arme auf? Bist du bescheuert? Nur Psychopathen ritzen sich so heftig!“ Ich biss mir auf die Unterlippe. Er hatte also mein Geheimnis herausgefunden. Niemand wusste, dass ich das tat, nicht einmal Gustav und Georg. Und jetzt wusste es mein schlimmster Feind. Aber ich hatte im Moment echt größere Probleme, schließlich war ich hier mit einem Irren in einem Haus. Ich brauchte Hilfe, und Tom musste wissen, wie mir zu helfen war, schließlich war dies sein Vater. „Tom?“, begann ich. Doch er ließ mich nicht ausreden und meckerte gleich weiter. „Nee, Frau Holle! Also, was ist los? Was ist in dich gefahren?“ Erst die Prügel von seinem Vater, jetzt seine Vorwürfe. Das war zu viel für mich. Ich begann zu weinen, schluchzte laut ins Handy, bis ich meine Stimme wiederfand. „Tom? Tom, bitte hilf mir! Ich will hier weg! Bitte!“ Plötzlich hörte ich einen Schlüssel im Türschloss und Toms Vater trat ein. „Was geht denn hier ab? Du Wichser telefonierst? Ich glaub, es hackt!“ Er riss mir das Handy aus der Hand und warf es gegen die Wand. Es zersprang in mehrere Teile. Der Kerl packte mich am T-Shirt und zog mich hoch, bevor ich eine Ohrfeige bekam. „Du Dreckskind! Das hatte ich doch schon aus dir rausgetrieben, oder?“ Er zog mich aus der kleinen Kammer, direkt nach oben in ein Schlafzimmer. Dort schleuderte er mich aufs Bett und prügelte auf mich ein. Er schlug mich grün und blau, überall am ganzen Körper. Blut floss, nach kurzer Zeit war die Bettdecke rot gefärbt. Doch viel bekam ich nicht mehr mit, denn ich wurde ohnmächtig und wanderte im Dunkeln umher.

//Tom

Shit, daran hatte ich überhaupt nicht gedacht! Jeden Freitag musste ich zu meinem Vater. Meine Eltern waren geschieden, Dad lebte außerhalb der Stadt und Mum fuhr mich jeden Freitag hin, um mich dann am Sonntag wieder abzuholen. Er schlug mich, das war wohl sein größtes und einziges Hobby. Er hat mich schon immer gehasst, hat das Mum gegenüber nur nie gezeigt. Und ich musste darüber schweigen, durfte niemandem erzählen, dass er mich schlug, da er drohte, mich dann umzubringen. Bill hatte also mein Geheimnis herausgefunden. Niemand wusste, dass ich geschlagen wurde, nicht einmal Gustav und Georg. Und jetzt wusste es mein schlimmster Feind. Doch bevor ich weiter überlegen konnte, hörte ich eine Männerstimme im Hintergrund des Telefons. „Was geht denn hier ab? Du Wichser telefonierst? Ich glaub, es hackt!“ Dann war die Verbindung weg. Dad. Dad hatte Bill erwischt, wie er telefonierte. Ich ahnte schlimmes, hatte inzwischen Angst um Bill. Und ich konnte mir nur zu gut vorstellen, was jetzt passierte. Doch das konnte ich nicht zulassen. Ich musste zu ihm. Ich wusste sehr wohl, dass die Fahrt dahin mit dem Auto eine halbe Stunde dauerte, aber das war mir egal. Ich rannte nach draußen, fand in einer Garage ein Fahrrad, schwang mich darauf und düste los, wie von der Tarantel gestochen. Ich war nie der Sportfreak gewesen, im Gegenteil, war total unsportlich, aber so schnell bin ich noch nie Fahrrad gefahren. Nach einer Stunde erreichte ich endlich das Haus meines Vaters, ließ das Rad auf die Auffahrt fallen und wollte gerade das Haus betreten, als ich stockte. Wenn Dad mich jetzt sah, hätte ich mit Sicherheit keine Chance gegen ihn und Bill würde ich dann damit auch nicht retten können. Also schlich ich vorsichtig zum Wohnzimmerfenster und blickte hinein. Dad saß dort und schaute fern, die Hände blutig. Mein Herz setzte einen Schlag lang aus und ich hoffte, dass Bill nicht zu viel passiert war. Wo konnte er nur sein? Wenn nicht im Wohnzimmer, dann im Schlafzimmer. Dort wurde ich immer verprügelt. Ich schlich ums Haus. Leider war Dads Schlafzimmer im ersten Stock, doch ich ließ mich nicht aufhalten. Ich griff nach der Regenrinne und zog mich daran herauf, bis ich ins Zimmer blicken konnte. Bill lag auf dem Bett, rührte sich nicht. Ich klopfte ans Fenster, hoffend, dass er mich hörte.

//Bill

Ich wusste nicht, wie lange ich bewusstlos war, aber als ich wieder wach wurde, klopfte es an die Scheibe. Zuerst nahm ich das Geräusch gar nicht war, doch als ich mich zur Seite drehte, entdeckte ich mich am Fenster. Wie konnte das sein? Aber dann fiel es mir wieder ein. Tom und ich hatten ja unsere Körper getauscht. Unter Schmerzen stand ich auf und wankte zum Fenster, öffnete es und Tom sprang herein. Ich brach zusammen und Tom fing mich auf, legte mich sanft zurück aufs Bett. „Bist du schwer verletzt?“ fragte er mich, doch ich schüttelte den Kopf. „Nein, geht schon wieder. Wieso hast du nicht erzählt, was du für einen Vater hast?“ Tom schaute betroffen zu Boden und ich merkte, wie unangenehm ihm das alles war. Schon bereute ich meine Frage wieder, doch er antwortete mir tatsächlich. „Weil... weil er mich sonst töten wird. Zumindest sagt er das.“ Ich schaute ihn mit offenem Mund an. Meinte er das ernst? Doch bevor ich noch irgendwie reagieren konnte, schaute er mich an, direkt in die Augen. „Bill, ich befürchte, du bist in ernsten Schwierigkeiten. Wenn Dad herausbekommt, dass du Bescheid weißt, dann sind wir geliefert!“ Ich nickte, das war mir inzwischen auch schon bewusst. „Wir müssen hier weg.“ schlussfolgerte ich und Tom stimmte mir zu. „Ja, aber wie? Du bist zu schwach, um an Regenrinnen entlangzuklettern.“ Da hatte er wohl Recht. Aber ich wollte noch nicht aufgeben. „Wie wäre es, wenn wir uns einfach in einem günstigen Moment an ihm vorbeischleichen?“ Er nickte. „Ja, das ist wohl die beste Idee. Warte, ich sehe nach.“ Tom ging durch die Tür und schlich leise die Stufen hinunter. Ich schloss erschöpft die Augen, bis ich plötzlich einen Schrei hörte. Und der kam eindeutig von Tom!

//Tom

Bill drehte sich leicht zu mir, Richtung Fenster. Mir purzelte eine Lawine Wackersteine vom Herzen, als mir klar wurde, dass er noch lebte. Er zögerte, schien gerade erstmal richtig wach zu werden, dann ging er vorsichtig zum Fenster und ließ mich herein. Gerade noch rechtzeitig sah ich, dass er zusammenbrach, und so konnte ich ihn noch auffangen und zurück aufs Bett legen. Ihm ging es wirklich extrem schlecht und wir mussten so schnell wie möglich hier raus! „Bist du schwer verletzt?“ fragte ich ihn besorgt, denn ich wusste ja, wie unberechenbar mein Vater war. Er schüttelte den Kopf. „Nein, geht schon wieder. Wieso hast du nicht erzählt, was du für einen Vater hast?“ Ich blickte zu Boden und biss mir auf die Unterlippe. „Weil... weil er mich sonst töten wird. Zumindest sagt er das.“ Er blickte mich geschockt an, und nach einiger Zeit erwiderte ich seinen Blick, schaute in seine braunen Augen. „Bill, ich befürchte, du bist in ernsten Schwierigkeiten. Wenn Dad herausbekommt, dass du Bescheid weißt, dann sind wir geliefert!“ Er nickte und antwortete mir dann. „Wir müssen hier weg.“ „Ja, aber wie? Du bist zu schwach, um an Regenrinnen entlangzuklettern.“ Er überlegte kurz, meinte dann: „Wie wäre es, wenn wir uns einfach in einem günstigen Moment an ihm vorbeischleichen?“ Nun zögerte ich, aber es schien wohl die beste Lösung zu sein, was anderes blieb uns wohl kaum übrig. Also nickte ich. „Ja, das ist wohl die beste Idee. Warte, ich sehe nach.“ Ich ging durch die Tür und stieg die Stufen hinunter. Kaum war ich unten auf dem Teppich angelangt, stand Dad hinter mir, er kam gerade aus der Küche. „Was willst du denn hier, du kleiner Pisser? Willst wohl einbrechen, was? Na warte!“ Ich schrie auf, begann zu rennen, doch er folgte mir. Wohin? Komm schon Tom, denk nach! Ich rannte ins Wohnzimmer, hinter den großen Glastisch. Er lachte. „So Kleiner, nun sitzt du wie ein Hase in der Falle!“ Denkste, dachte ich, stieß den Tisch nach vorne und er zersprang in tausende Teile. Vorher fiel er jedoch meinem Dad auf den Fuß, sodass er laut aufschrie und durch das Zimmer hüpfte. Diese Gelegenheit nutzte ich und rannte erneut die Treppe hoch, wollte mich mit Bill im Schlafzimmer einschließen, doch als ich dort ankam, war Bill weg. Wo war er hin?

//Bill

Tom war in Gefahr, er wurde von diesem Irren gejagt! Ich wollte ihm helfen, aber wie hätte ich das schon anfangen können, ich war schließlich viel zu schwach. Dann bekam ich einen Einfall. Ich raffte mich schwerfällig auf und zog mich auf den Flur hinaus, als ich plötzlich etwas klirren hörte. Es klang, als würde Glas auf den Boden fallen und zerspringen. Nun war ich noch mehr in Eile. Ich kroch ins Badezimmer, was direkt neben dem Schlafzimmer lag und suchte in einem Kosmetikschränkchen nach Rasierwasser. Ich wusste – wenn ich ihm das in die Augen schütten würde, wäre er erstmal außer Gefecht gesetzt. Ich steckte die Flasche in meine Hosentasche, als ich wieder einen Schrei hörte, aber diesmal aus dem Schlafzimmer. Dann hörte ich Toms Vater. „Tom, du Wichser! Komm sofort raus, egal, wo du bist! Wenn nicht ist deine kleine Freundin tot!“ Freundin? Ach ja, er hielt mich wahrscheinlich auch für ein Mädchen. Ich hörte das Klicken eines Pistolenhahns, dann Tom. „Bleib wo du bist, versteck dich!“ Ein stumpfer Schlag, dann eine Männerstimme. „Halt’s Maul, sonst erschieß ich dich!“ Der Kerl meinte das wirklich ernst. Ich hatte Angst, aber ich wusste, dass das egal war, hier ging es um Toms Leben! Aber eigentlich ging es auch um mein Leben, schließlich war er in meinem Körper. Also konnte ich nun zwei Leben retten. Ich holte tief Luft, dann krabbelte ich aus dem Badezimmer und entdeckte die beiden schon auf dem Flur, der Kerl hielt Tom eine Waffe an den Kopf. Er lachte. „Ah, da bist du ja, du kleines Pennerkind!“

//Tom

Verdammt, er war doch nicht etwa… Ich lief zum Fenster. Nein, Bill war nicht aus dem Fenster gesprungen. Ich hatte schon öfters mit diesem Gedanken gespielt, ihn aber nie wahr gemacht. Als ich mich umdrehte, erblickte ich Dad. Er hatte eine Waffe in der Hand und steckte gerade drei Patronen herein. Ich schrie wieder auf, als er auf mich zustürzte und mich packte, um mir danach die Pistole an den Hals zu halten. Er lachte, dann rief er: „Tom, du Wichser! Komm sofort raus, egal, wo du bist! Wenn nicht ist deine kleine Freundin tot!“ Ich blickte ihn entrüstet an. Ich, der Weiberheld schlechthin, war bestimmt kein Mädchen! Bill sah zwar ziemlich weiblich aus, aber ein Mädchen war er nun auch wieder nicht. Dad ließ den Hahn der Waffe klicken, ich wusste, er meinte das ernst. Aber er durfte ihn nicht haben. „Bleib wo du bist, versteck dich!“, rief ich, darauf bedacht, nicht seinen Namen zu rufen, das hätte uns nur noch mehr Ärger bereitet. Er schlug mich mit der Pistole gegen den Kopf, sofort tropfte Blut daran herab. „Halt’s Maul, sonst erschieß ich dich!“, meinte Dad nur und ich blieb benommen in seinen Armen hängen. Ein paar Augenblicke später sah ich meinen Körper aus dem Badezimmer kriechen. Dad lachte wieder einmal. „Ah, da bist du ja, du kleines Pennerkind!“ Bill blickte uns geschockt an, hievte sich dann auf seine Beine. „Lass… ihn… los…“, brachte er mühsam hervor. „Ihn???“ Dad verstand die Welt nicht mehr. „Du willst mir weismachen, dass das hier ein Kerl ist?“ Er stieß mich nach vorne und ich landete neben Bill auf dem Teppich. „Ihr habt sie doch nicht mehr alle! Ein Kerl, der sich schminkt und eine Mädchenfrisur hat! Los Tom, komm her!“ Bill lief ängstlich, aber sicher auf ihn zu. Dad griff in eine Schublade und holte eine Schere heraus, die er ihm dann in die Hand drückte. „Los, schneid dem Mädchen da die Haare, aber ein bisschen plötzlich!“

//Bill

Als ich Tom erblickte, setzte mein Herz erstmal einen Schlag lang aus. Hilflos hing er in den Armen seines Dads, tat mir Leid. Ich wollte ihn da rausholen, stand langsam auf. „Lass… ihn… los…“ „Ihn???“ Der Kerl glotzte mich an wie ein Auto. „Du willst mir weismachen, dass das hier ein Kerl ist?“ Er stieß Tom nach vorne und er landete neben mir auf dem Boden, blutete stark an der Stirn. „Ihr habt sie doch nicht mehr alle! Ein Kerl, der sich schminkt und eine Mädchenfrisur hat! Los Tom, komm her!“ Mit zittrigen Beinen ging ich zu ihm, wollte dabei aber auf keinen Fall schwach wirken. Der Kerl öffnete eine Schublade, holte eine Schere raus und gab sie mir. „Los, schneid dem Mädchen da die Haare, aber ein bisschen plötzlich!“ Mir fiel die Kinnlade runter. Ich sollte mir meine eigenen Haare abschneiden? Soweit kommt das noch! Aber halt, nichts anmerken lassen. Ich gab Tom mit den Händen ein Zeichen, dass er herkommen solle. Er verstand, krabbelte dann vorsichtig auf mich zu. Ich bückte mich und setzte die Schere an, zeigte Toms Vater die Stelle. „Hier so?“ Er trat näher, um sich die Haare genauer anzuschauen, doch bevor er antworten konnte, spritzte ich ihm das bereits geöffnete Rasierwasser ins Gesicht. „Fuck!“ Er ließ die Pistole fallen und hielt sich das Gesicht. Blitzschnell packte ich Tom am Arm und zerrte ihn hinter mir her, nach unten zur Haustür. Zur Abwechslung hatten wir Glück und diese stand offen.

//Tom

Bill winkte mit seiner/meiner Hand in meine Richtung, bedeutete mir, zu ihm zu kommen. Ich nickte und ich schlich vorsichtig auf Bill zu, vertraute ihm inzwischen. Er beugte sich zu mir runter, setzte die Schere an. „Hier so?“ Ich schloss die Augen, hörte irgendwann meinen Vater schreien. „Fuck!“ Dann hörte ich etwas auf den Boden fallen, im nächsten Moment wurde ich auf die Beine gezerrt. Bill zog mich die Treppe runter, nach draußen. Dort setzte Bill sich auf das Fahrrad, mit dem ich hergekommen war, stieß mich auf den Gepäckträger. Ich begriff nur langsam, saß dann aber irgendwann richtig und Bill trat heftig in die Pedale. Er war sogar ziemlich schnell, dafür, dass er so stark verprügelt wurde. Vielleicht gab ihm aber auch einfach nur die Panik, dass Dad uns erwischen könnte, den nötigen Antrieb. Er fuhr direkt in den angrenzenden Wald. Hier war die Einfahrt für Autos verboten, da der Weg zu eng war. Selbst, wenn Dad uns bisher gefolgt war, waren wir hier vorerst in Sicherheit. Wäre er zu Fuß, hätten wir ihn längst abgehängt, mit dem Auto kam er ab hier nicht mehr vorwärts. Doch Bill raste weiter, machte erst an einem Fluss halt und wir ließen uns ins Gras fallen. Langsam taute ich wieder auf, beobachtete, wie Bill aus einer Tasche am Fahrrad ein Tuch hervorholte, es in dem Fluss nass machte und begann, es auf meine blutende Nase und meine blutende Stirn zu drücken. „Geht’s?“ Ich nickte, hielt das Tuch nun selber fest. „Danke!“ Er lächelte mich an, ich sah mein Piercing blitzen. Doch dann fiel mir wieder ein, warum ich Bill überhaupt angerufen hatte und weshalb ich eigentlich hier war. Ich tat den Lappen beiseite, streckte meine Arme beziehungsweise Bills Arme nach vorne und hielt ihm seine Narben direkt unter die Nase. „Kannst du mir das hier vielleicht erklären?“

//Bill

Ich traute meinen Augen nicht, als ich mein Fahrrad vor der Tür liegen sah. Noch mehr Glück, langsam wurde es unheimlich. Ich schwang mich auf den Sattel, Tom nahm auf dem Gepäckträger platz und ich düste los, so schnell es meine Verletzungen zuließen. Wir kamen heile, zumindest mehr oder weniger, in einem Wald an, was an ein Wunder grenzte, da ich mich mit meiner Baggy ständig in der Kette verfing. An einem Fluss stoppte ich, nahm ein Tuch aus meiner Fahrradtasche und hielt es an seine Nase und seinen Kopf, nachdem ich es in den Fluss getaucht hatte. „Geht’s?“ Ich lächelte als er sich bedankte, doch das verging mir schnell wieder, als er mir meine Arme entgegenstreckte und ich zu deutlich meine Narben erblickte. „Kannst du mir das hier vielleicht erklären?“ Ich blickte bestürzt zu Boden. „Was ist in dich gefahren? Hä? Du bist doch bescheuert, das ist doch nicht normal!“ Jetzt war ich wütend, sprang auf und stellte mich direkt vor ihn. „Ach ja? Das ist nicht normal? Aber deiner Meinung nach ist es normal, einen Vater zu haben, der einen regelmäßig einsperrt und verprügelt?“ Das hatte gesessen. Tom zog sich zurück, drehte sich um und stand auf, ich bekam ein schlechtes Gewissen. „Hey, bleib hier! Ich hab’s doch nicht so gemeint! Ich will dir doch helfen!“ Ich lief ihm hinterher, als er sich plötzlich umdrehte. Ich sah eine Träne auf seiner Wange. „Du kannst mir nicht helfen!“

//Tom

„Ach ja? Das ist nicht normal? Aber deiner Meinung nach ist es normal, einen Vater zu haben, der einen regelmäßig einsperrt und verprügelt?“ Damit hatte er mich getroffen, einen wunden Punkt erwischt. Ich wendete mich sofort ab, wollte nicht, dass Bill meine Tränen sah. Er rief mir etwas von wegen Hilfe hinterher, doch die brauchte ich nicht, schrie ihm das auch ins Gesicht. „Du kannst mir nicht helfen!“ Er nahm mich plötzlich in den Arm, wollte mich trösten und ich ließ meinen Tränen schließlich freien Lauf. Nach einiger Zeit merkte ich, dass Bill es mir nachtat. Wir hielten uns gegenseitig, heulten uns richtig aus. Irgendwann brach die Dämmerung herein, Zeit zu gehen. Wir beschlossen, zu Bill zu gehen, da meine Mum ja noch dachte, ich wäre bei Dad. Wir nahmen natürlich das Fahrrad, wechselten uns ab mit Fahren. Nach zwei Stunden kamen wir bei Bill an und gingen in sein Zimmer. Ich setzte mich aufs Bett, während der Schwarzhaarige etwas zu trinken holte. Ich legte mich hin, schloss die Augen und dachte nach. Wie konnten wir unsere Körper zurückbekommen? Weit kam ich nicht, Bill war wieder da. „Wir sind allein, meine Mum schläft bei einer Freundin.“ Ich setzte mich auf. „Und dein Dad?“ Sein Blick verdüsterte sich, war finster. Sofort bereute ich, dass ich ihn gefragt hatte. „Ich habe keinen Dad!“

//Bill

Ich nahm Tom in den Arm, begann auch zu weinen. Warum? Ich weiß es nicht, wahrscheinlich, weil ich so fertig war. Wir standen lange dort, doch irgendwann beschlossen wir, zu mir zu fahren. Dort hatte ich gerade etwas zu trinken geholt, als Tom nach meinem Vater fragte. Ich sah wohl ziemlich wütend aus, jedenfalls biss er sich beschämt auf die Unterlippe. „Ich habe keinen Dad!“, antwortete ich und legte mich neben ihn. Woher sollte er auch wissen, dass mein Dad meine Mum und mich direkt nach meiner Geburt verlassen hatte? Ich nahm ihm dies schon mein Leben lang übel, hatte ihn allerdings noch nie gesehen. Ich drehte mich auf die Seite, Tom hatte in der Zeit wohl denselben Gedanken, deshalb lagen wir jetzt hier nebeneinander im Bett und schauten uns schweigend tief in die Augen. In unsere eigenen Augen, schließlich waren wir immer noch im Körper des anderen. Tom lächelte mich an, ich sah mein Lächeln von vorne. In mir kribbelte alles, und ich wusste nicht, warum. Plötzlich kam Tom mir immer näher, unsere Lippen waren kaum noch auseinander. Ich lächelte zurück, doch gerade als Tom und ich die Augen schlossen, um uns zu küssen, wurden wir von einem Geräusch urplötzlich aus unseren Gedanken gerissen.

// Gustav

„Schorschi, ich hab was, komm mal her!“ Schon den ganzen Tag hatten Georg und ich nach einer Lösung für das Körpertauschproblem gesucht, hatten fast alle Internetseiten abgeklappert. Georg war sogar bei einem Wahrsager hier in Magdeburg gewesen, doch auch dieser konnte uns nicht helfen, hatte so ein Phänomen noch nie erlebt. Ich war bei google bereits auf Seite 110 mit dem Suchbegriff „Körpertausch“, hatte jede einzelne Homepage auf jeder einzelnen Seite abgesucht, aber nichts gefunden. Doch jetzt, auf Seite 110 beim vorletzten Artikel, glaubte ich, auf etwas Hilfreiches gestoßen zu sein. Georg trat an mich heran und gemeinsam lasen wir uns den Artikel durch, der die Überschrift „Harte, aber einzige Maßnahme bei Körpertausch“ hatte. Gebannt starrten wir auf den Monitor, waren gleichzeitig fertig mit Lesen. Ich schüttelte schockiert den Kopf. „Na toll! Wenn das wirklich die einzige Lösung ist, haben wir ein Problem… Das ist nämlich echt hart! Dazu kriegen wir die beiden niemals!“ Georg nickte zustimmend. „Ja, aber das ist die einzige Chance für die beiden, notfalls müssen wir sie zwingen.“ Ich nickte ebenfalls, dann griff ich zu meinem Telefon. „Ich sage ihnen Beschied!“ Eifrig wählte ich Bills Handynummer, wartete geduldig, bis er nach fünf Mal klingeln endlich abnahm. „Juschtel, was gibt’s? Habt ihr was herausgefunden?“ Ich schluckte, dann überbrachte ich ihm die schockierende Nachricht.

//Tom

Bill und ich lagen nebeneinander im Bett und ich lächelte ihn beständig an, fand es geil, mich selbst neben mir liegen zu sehen. Ich rutschte näher an Bill heran, wollte schon immer wissen, wie die Girls sich fühlten, wenn sie mich küssten. Bill schien nicht abgeneigt, lächelte schüchtern und schloss genießerisch die Augen. Oh Gott, der war doch jetzt wohl nicht etwa schwul? Das hätte mir gerade noch gefehlt! Gerade, als auch ich meine Augen schloss und ihn küssen wollte, störte uns ein komisches Piepen. Ich brauchte etwas, um zu verstehen, dass das ein Handy war. Bill schien es zu kennen, es war auch seins. Er griff nach dem Mobiltelefon, sah die Nummer auf dem Display und ging sofort neugierig ran. „Juschtel, was gibt’s? Habt ihr was herausgefunden?“ Gustav also, und ich hoffte, dass er eine Lösung hatte. Bills Gesichtsausdruck beziehungsweise meiner änderte sich von hoffnungsvoll zu schockiert, während er lauschte. „Verarsch mich nicht, Gusti! Ich find’ das absolut unlustig!“ Na toll, das klang absolut gar nicht gut… Bill nickte schließlich. „Okay, bis morgen dann!“ Er legte auf, dann legte er sich zurück neben mich. Ich schluckte. „Tom? Es gibt nur eine Lösung! Und die wird dir nicht gefallen!“ Er stand auf, verschob plötzlich das Bett, auf dem ich noch immer lag, und brachte es neben die Tür, bevor er eine Gabel aus der Küche holte und diese auf den Nachttisch legte, den er zurück neben das Bett und damit ebenfalls neben die Tür schob. Ich verstand die Welt nicht mehr. „Was denn, Bill? Was? Sag’s doch endlich!“

16.10.07 22:39, kommentieren

"Ich bin nicht ich Teil 3" by Lish

//Bill

 

Mein Handy hatte geklingelt, Gustav war dran. Er erzählte mir, wie man unseren Körpertausch rückgängig machen konnte und mein Herz blieb fast stehen. Ich wollte es ihm nicht glauben, doch er schien es ernst zu meinen. Ich legte nickend auf, legte mich dann zurück neben Tom. Doch sofort danach stand ich wieder auf, musste handeln. Also schob ich das Bett neben die Tür, direkt unter die Steckdose. Tom war inzwischen ziemlich neugierig. „Bihill, was ist denn jetzt?“ „Wir kriegen unsere Körper nur zurück, wenn wir einen Stromschlag bekommen!“, sagte ich, während ich eine Gabel für diesen Stromschlag auf dem Nachttisch unter der Steckdose platzierte. „Ja und?“, meinte Tom, „wo ist das Problem? Verpass mir einen und das Thema ist erledigt.“ „Eben nicht! Es muss eine bestimmte Voraussetzung erfüllt sein. Die beiden Tauschenden müssen sich berühren, und es muss Vollmond sein!“ Tom lachte. „Ja, Vollmond ist heute, ich fasse dich jetzt an und los geht’s!“ „Tom!“, unterbrach ich ihn. „Das mit dem Berühren muss besonders sein! Der Rücktausch passiert bei Vollmond, während…“ Ich brach ab. Auch Tom schluckte jetzt. „Während was, Bill?“ Ich starrte ihn ernst an. „Der Rücktausch passiert bei Vollmond, während die beiden Tauschenden miteinander Sex haben!“

 

 

//Tom

 

Ich glaubte, mich verhört zu haben. „WAS???“ Dann ließ ich mich aufs Bett zurückfallen. Das durfte nicht wahr sein! Ich sollte mit Bill schlafen? Ich wollte es nicht wahrhaben. Doch prompt lag Bill neben mir. „Wir haben keine andere Wahl! Jetzt oder in vier Wochen beim nächsten Vollmond!“ Er hatte Recht. Mir blieb also keine andere Wahl, wie Bill schon sagte. Dieser verdunkelte das Zimmer, wollte es uns so angenehm wie möglich machen. Doch ich hatte ein ganz anderes Problem… Trotz meiner großen Macho-Macke war ich nicht so, wie man denken könnte, im Gegenteil! Auch, wenn ich schon viele Mädels geküsst hatte – ich war eine zuckersüße Jungfrau… Wenn Bill das herausbekam, hatte ich die Arschkarte… Dann kam er wieder neben mich. „Wollen wir es einfach stumpf über die Bühne bringen oder schön wie ein Pärchen miteinander schlafen?“  „Mir egal…“, raunte ich nur, dabei war es mir überhaupt nicht egal… Stumpf über die Bühne bringen, sehe ich aus wie ein Sexgott? Anscheinend schon… Ich konnte Bill ja schlecht sagen, dass ich gerne mit ihm schlafen würde, oder doch? Als könne er Gedanken lesen, drückte er mir zärtlich ein Küsschen auf die Stirn. „Keine Sorge, ich mach’ das schon. Wenn dir etwas nicht gefällt, dann sag es mir, ich werde ganz vorsichtig sein.“ Man, war mir das peinlich, er wusste es also…

 

 

//Bill

 

Nachdem ich das Zimmer verdunkelt hatte, bot ich Tom eine romantische Nacht oder einen schnellen One Night Stand an. Er meinte, es sei ihm egal, doch er wirkte dabei sehr unsicher. Mein Profiblick sagte mir, dass er noch Jungfrau war, also beschloss ich, es ihm so schön wie möglich zu machen. Ich küsste ihn erst, dann schob ich meine Hand unter sein oder mein T-Shirt. Und erst jetzt fiel mir ein, dass ich ja im Jungfrauenkörper steckte, nicht er. Aber er fühlte, und zwar zum ersten Mal. Also übernahm ich das Kommando. Vorsichtig zog ich ihm das T-Shirt aus, streichelte ihn weiter an der Brust und merkte, dass er anfing, diese Berührungen zu genießen. Ich musste grinsen, dann begann ich, langsam seine Brustwarzen zu küssen und meine Zunge darum kreisen zu lassen. Tom lächelte selig, ihm gefiel es wohl. Ich küsste ihn weiter, zog ihm dabei die Hose aus. Jetzt zuckte er zusammen, bekam wohl etwas Angst. Um ihm diese zu nehmen, forderte ich einen Zungenkuss und bekam ihn schließlich auch. Danach zog ich Tom auch die Boxershorts aus und sah, dass sich bei ihm schon etwas in Sachen Erregung getan hatte. Ich grinste, nahm diese Erregung in die Hand und rieb sie etwas. Dabei küsste ich wieder seine Brust, von den Brustwarzen abwärts bis zum Bauchnabel, den ich kurz etwas umkreiste. Dann küsste ich mich immer tiefer, gelangte irgendwann mit meiner Zunge zu meiner Hand. Tom, der inzwischen die Augen geschlossen hatte, spannte sich vor Lust an, sog die Luft schnell in seinen Mund ein, atmete ungleichmäßig. Ich rieb schneller mit meiner Hand, merkte, dass Tom seinem Höhepunkt sehr nah war. Kurz bevor er diesen erleben durfte, hörte ich aber auf, entledigte mich schnell auch meiner Hip Hop-Klamotten, stahl Tom noch einen Kuss und streifte mir ein Kondom über. Tom blickte mich vorwurfsvoll an, als er bemerkte, dass ich kurz vor seinem Ziel aufgehört hatte. Doch so leicht wollte ich es ihm nicht machen. Na warte Süßer, du bist gleich wieder dran, gedulde dich noch ein wenig!

 

 

//Tom

 

Bill merkte, dass ich recht ängstlich war und zog mich langsam aus, küsste und streichelte mich dabei. Dann begann seine Hand, mein bestes Stück zu bearbeiten, ich spürte, wie ich einem Orgasmus immer näher kam, auch, als er mit seiner Zunge dort ankam. Kurz bevor es dann endlich soweit war, brach Bill aber ab und begann, sich meiner Klamotten zu entledigen, bevor er sich ein Kondom überstreifte. Das gefiel mir aber mal gar nicht, wollte er mich foltern oder was? Doch er grinste nur, dann machte er meine Beine ganz breit, begann dann, langsam in mich einzudringen. Währenddessen rieb er meine Erregung weiter, es war einfach nur wunderschön. Ein paar Augenblicke später erlebte ich den schönsten Moment in meinem ganzen Leben, ließ dieses Gefühl auch laut heraus. Einen kurzen Moment später hörte ich auch von Bill ein lustvolles Stöhnen, dann schloss ich die Augen, um sie im nächsten Moment wegen eines starken Hitzeschlags wieder zu öffnen. Ich schüttelte mich kurz, dann bemerkte ich, dass ich auf jemandem drauf lag und eine Gabel in der Hand hielt. Ich erkannte, dass die Person unter mir Bill war, der sich erschöpft den Kopf hielt. Bill! Ich sah seinen Körper, nicht meinen! Der Körpertausch hatte also funktioniert. Auch Bill hatte es bemerkt und lächelte mich an, als ich mich neben ihn legte und ihm voller Freude und Erleichterung einen Kuss auf den Mund gab.

 

 

//Bill

 

Ich machte Toms Beine breit, drang dann ganz vorsichtig in ihn ein, wollte ihn nicht verletzen. Um ihn etwas von dieser Situation abzulenken, streichelte ich sein bestes Stück weiter, und es schien ihm zu gefallen. Nicht nur ihm, auch ich fand es richtig schön. Es dauerte nicht mehr lange, da begann Tom, laut seine Lust herauszustöhnen, kam zu seinem Höhepunkt. Sein Stöhnen erregte auch mich endgültig und ich tat es ihm nach. Doch dann fiel mir wieder ein, warum ich eigentlich mit Tom geschlafen hatte, nahm die Gabel und steckte sie in die Steckdose. Ein plötzlicher Stoß mit sehr viel Hitze durchstieß meinen Körper, direkt danach erblickte ich Tom auf mir. Ich hielt mir den schmerzenden Kopf, lächelte Tom dann an, war froh, dass der Rücktausch funktioniert hatte. Dieser legte sich dann neben mich und küsste mich auf den Mund, ich stieg auf einen Zungenkuss ein. So lagen wir dort noch eine Zeit lang, schliefen irgendwann aneinandergekuschelt ein. Wach wurden wir erst am nächsten Tag wieder, als es an der Tür klingelte. Tom schlug müde die Augen auf. Ich gab ihm ein Küsschen, bedeutete ihm so, weiterzuschlafen, bevor ich mir schnell meinen Bademantel anzog und nach unten ging, um die Tür zu öffnen.

 

 

//Tom

 

Ich war schließlich neben Bill eingeschlafen, erwachte am nächsten Morgen, als ich es klingeln hörte. Bill küsste mich noch schnell, zog sich einen Bademantel an und ging. Ich stand auf und tat es ihm nach, erblickte in der Tür Gustav und Georg. Gussi lächelte. „Na Tom? Alles wieder paletti?“ Ich nickte. „Nicht nur das!“ Mir war inzwischen klar geworden, dass ich Bill liebte, egal was andere dazu sagten und was vorher zwischen uns passiert ist. Aber beruhte das auch auf Gegenseitigkeit? Liebte Bill mich auch? Vorsichtig schielte ich zu ihm rüber, er hatte wohl denselben Gedanken. Ich beschloss, es zu riskieren, zog Bill an mich heran und gab ihm einen zarten Zungenkuss. Bill ließ sich nicht zweimal bitten, stieg sofort darauf ein, was quasi eine Bestätigung für mich war. So standen wir dort, küssten uns eine halbe Ewigkeit, bevor wir uns wieder trennten. Dann schauten wir die G-Boys erwartungsvoll an. Sie standen dort und bekamen den Mund nicht mehr zu. Irgendwann fand Georg seine Sprache wieder. „Was? Ihr beide? Ihr… Ihr seid… Schwul?“ Ich lachte. „Sieh es, wie du willst, Schorschi. Du nennst es schwul – ich nenne es glücklich!“ Dann zog ich Bill demonstrativ wieder an mich heran und wir küssten uns wieder, immer wieder, und immer länger und intensiver.

 

 

//Bill

 

An der Tür standen die beiden G-Boys. Gustav begrüßte mich zögerlich. „Hi Tom… Oder… Bill… Ich weiß ja nicht, wie weit…“ Ich lächelte triumphierend. „Keine Panik, alles okay. Ich bin wieder ich selbst, bin wieder Bill.“ Die beiden atmeten erleichtert auf, als Tom hinter mir erschien. Er meinte, alles sei paletti, dann küsste er mich zögerlich, doch ich nahm ihm die Zweifel und bestätigte seinen Kuss. Gussi und Schorschi waren ziemlich verwirrt, bis Tom sie aufklärte und keinen Zweifel daran ausließ, dass wir jetzt zusammen waren. Wir küssten uns noch mal, bis Tom auf die Uhr blickte. „Moah, Bill! Schon halb eins! Ich hab Hunger, lass mal frühstücken!“ „Ja, wir sind auch wieder weg!“, meinte Gustav, „jetzt, wo alles wieder in Ordnung ist! Bis Montag!“ „Okay, Jungs! Bye!“ Ich schloss die Tür, setzte mich mit Tom in die Küche und wir frühstückten, dabei alberten wir tüchtig rum. Irgendwann später – es war bereits drei Uhr – klingelte es wieder an der Tür. Was war denn heute los? Gab es bei uns was geschenkt oder war irgendwie Tag der offenen Tür oder so was? Ich küsste meinen Schatz noch mal schnell, bevor ich die Tür öffnete. Vor mir stand eine Frau, die ich doch schon mal gesehen hatte in letzter Zeit, aber mir fiel partout nicht ein wo… „Hallo!“, meinte sie freundlich, „Bist du Bill?“ Ich nickte nur stumm, überlegte fieberhaft weiterhin, woher ich sie kannte. „Ich wollte Tom abholen. Ich bin seine Mutter!“

 

 

//Tom

 

Irgendwann zogen die G-Boys ab, und Bill und ich gingen frühstücken. Wir hatten unseren Spaß, bis es plötzlich wieder klingelte. Ich bekam einen Kuss, bevor Bill wieder einmal die Tür öffnete. Ich folgte ihm etwas später und blickte in das etwas wütende Gesicht meiner Mum. „Da bist du ja, jetzt komm endlich!“ Sie nahm mein Handgelenk mit den Worten „Dad wartet doch, warum haust du einfach ab?“. Was? Mum wollte mich tatsächlich zu Dad zurückbringen! Hilfesuchend blickte ich zu Bill zurück, bevor Mum mich ins Auto schob und losfuhr. „Was hast du dir denn dabei gedacht, einfach abzuhauen?“, giftete sie mich an, „Dad hat mir erzählt, dass du einfach geflüchtet bist. Ich hatte auch keine Ahnung, wo du bist und hab dann bei Schäfers angerufen, bis Gustav mir gesagt hast, dass du bei diesem Bill bist und dann hat er mir seine Adresse gegeben. Was ist nur in dich gefahren?“ Ich zuckte betroffen mit der Schulter, konnte ihr nicht sagen, was Dad tat. Irgendwann waren wir wieder da und sie ließ mich raus. „Bis morgen Abend! Und diesmal bleibst du da!“ Ohne eine Antwort abzuwarten, fuhr sie gleich wieder davon. An Flucht konnte ich nicht denken. Denn kaum war Mum weg, zog Dad mich sofort ins Haus. „Tja, Pech gehabt, Kleiner! Dieses Mal werde ich richtig ernst machen und keine Rücksicht mehr auf deine Gefühle nehmen!“

 

 

//Bill

 

Toms Mutter zog diesen einfach weg, ins Auto. Er blickte sich hilfesuchend um, bevor seine Mum losfuhr. Sie wollte ihn zu seinem Vater zurückbringen, doch das konnte ich nicht zulassen! In Windeseile schwang ich mich wieder einmal auf mein Fahrrad und fuhr zu Toms Vater. Unterwegs rief ich mit meinem Handy die Polizei, lotste sie zum Haus von Toms Dad. Obwohl ich mit dem Fahrrad bestimmt eine Stunde brauchte, war ich vor der Polente da, war ja klar. Es war verdächtig ruhig, erst als ich mein Ohr an die Haustür legte, hörte ich ein Schreien von einer mir nur zu gut bekannten Stimme. Man ey, wo blieb nur diese Scheiß Bullerie? Immer da, wenn man gerade etwas Verbotenes macht, aber wenn man sie einmal braucht, benötigt sie Stunden… Während ich dort lauschte, fiel mein Blick auf einen Zettel auf einer Kommode, die ich durch die Glastür sehen konnte. Zuerst erblickte ich das Datum. 19.10.1989, da war ich anderthalb Monate alt, es war also schon etwas älter, schließlich bin ich jetzt schon 17. Dann sah ich die Überschrift: Scheidungsformular. Toms Vater hatte sich also von jemandem scheiden lassen, und als ich sah, von wem, fielen mir die Augen aus dem Kopf. Dave Kaulitz, geschieden von Siemone Kaulitz, also von meiner Mum. Darunter stand der Satz: „Das alleinige Sorgerecht für Sohn Bill Kaulitz fällt der Mutter Siemone Kaulitz zu.“

 

 

//Tom

 

Dad zog mich hoch, ins Schlafzimmer, dort stieß er mich aufs Bett und schloss die Tür ab. Ich hatte einen bösen Verdacht, was er jetzt vorhatte. Panisch stand ich auf und wich bis in die Ecke hinter dem Schlafzimmerschrank zurück, drückte mich dort an die Wand. Zuerst wähnte ich mich hier in Sicherheit, doch erst zu spät merkte ich, dass es eigentlich eine Falle war. Dad lachte lüstern, dann trat er auf mich zu und packte mich mit einem sicheren Griff am Handgelenk. So zog er mich aus meiner schützenden Ecke heraus, vergrub seine Hände dann in meinen Dreadlocks und zog mein Gesicht so hoch, dass ich ihm in die funkelnden braunen Augen sehen musste. „Was soll das, du kleiner Pisser? Du weißt genau, dass du keine Chance gegen mich hast, und hättest du dich mir nicht widersetzt, würde es dir gleich auch noch gut gehen. Es ist alles deine eigene Schuld! Also heul hier nicht rum, du wirst es überleben!“ Er stieß mich mit einem kräftigen Ruck aufs Bett, und bevor ich mich noch irgendwie wehren konnte, hatte er mir auch schon mein T-Shirt vom Oberkörper gerissen. Schützend verschränkte ich meine Arme vor meiner Brust, wollte meinen zierlichen Körper vor seinen gierigen Augen bedecken. Doch schon im nächsten Moment hatte er mich mit einem Seil an den Händen an die Bettpfosten gefesselt. Ängstlich atmete ich schneller und ungleichmäßig, hatte riesige Angst davor, was er gleich mit mir vorhatte. Als er mir die Hose auszog, begann ich langsam zu schluchzen, konnte es nicht mehr unterdrücken, und als er mir die Boxer auszog und mich damit endgültig meines letzten Kleidungsstückes entledigte, konnte ich mich gar nicht mehr zurückhalten, begann zu weinen, voller Angst und Verzweiflung, weil ich mir so hilflos vorkam und mich nicht wehren konnte. Für einen kurzen Moment ließ Dad mich in Ruhe, aber nur um sich selbst auch auszuziehen, dabei ließ er meinen entblößten Teenagerkörper nicht aus den Augen, er geilte sich richtig daran auf. Ich schloss die Augen, als er sich schließlich mit seinem nackten Körper auf mich draufsetzte und begann, mich am Oberkörper zu küssen und zu lecken, ich fand es einfach nur abartig und wendete mich unter seinem Gewicht hin und her, natürlich vollkommen erfolglos. Er küsste sich an meinem Körper abwärts, gelangte irgendwann in meine intimste Zone, doch dort hielt er sich nicht lange mit dem Mund auf, er lachte mich noch einmal fies an, dann drang er hart in mich ein. Ich kniff die Augen noch fester zusammen, krümmte mich mehr oder weniger vor Schmerzen. Immer wieder stieß Dad seine pralle Erregung in mich hinein, der Schmerz raubte mir den Atem, ich schrie lauthals, doch auch das interessierte meinen Dad einen Scheißdreck. Ich spürte, wie mir immer schwärzer (?????) vor Augen wurde, doch die Ohnmacht wollte mich absolut nicht von meinen Qualen erlösen. Es dauerte schier eine Ewigkeit, bis Dad sich schließlich in mir ergoss und sich dann auf mir sinken ließ. Mir war kotzübel, ich hatte einige Mühe, mein Frühstück bei Bill in mir zu behalten. Bill. Als ich mit ihm geschlafen hatte, war es ganz anders. Es war schön und Bill hatte so viel Verständnis für mich, sorgte sich, kümmerte sich um mich. Dieses Mal war alles anders. Ich war total verkrampft, spürte außer den Schmerzen gar nichts mehr und fand es absolut ekelhaft, schämte mich außerdem, dass mein eigener Vater mich so bloßgestellt hatte. Ich war so in meine Gedanken versunken, dass ich gar nicht mitbekommen hatte, dass Dad inzwischen von mir heruntergegangen war und sich wieder anzog. Im nächsten Moment entfernte er meine Handgelenkfesseln, packte mich erneut an den Dreads und zog mich dann gewaltsam aus dem Schlafzimmer. Wieder schrie ich, als er mich brutal die Treppe herunterstieß. Unten schlug ich heftig mit dem Kopf auf den Fliesen auf, blieb benommen liegen. Doch nicht allzu lange… Dad folgte mir lachend, suchte dann etwas in einer Schublade. Ich schloss meine Augen, hoffte, dass meine Schmerzen bald nachließen, als plötzlich etwas geschah, mit dem ich wirklich nicht mehr gerechnet hatte.

 

 

/Bill

 

Wenn ich dieses Scheißformular jetzt richtig gedeutet habe, ist ein gewisser Dave Kaulitz mein Vater. Ich hatte einen bösen Verdacht und blickte zitternd auf das Klingelschild von Toms Dad. Dieser Verdacht bestätigte sich. Kaulitz, Dave. Ich schluckte. Mein Vater war also auch Toms Vater, wir waren Brüder. Deshalb auch derselbe Nachname! Weiter kam ich nicht mit Nachdenken, denn plötzlich hörte ich wieder einen Schrei, bevor ich sah, dass Dave einen splitternackten Tom die Treppe herunterstieß. Dieser sah sehr mitgenommen aus, war stark verletzt. Ich konnte, nein, wollte nicht noch länger zusehen! Stocksauer marschierte ich einfach ins Haus, legte mich schützend auf meinen Freund – oder meinen Bruder. „Nein, Dad! Lass ihn in Ruhe!“ Ich weiß auch nicht, was mich plötzlich dazu verleitet hat, ihn Dad zu nennen, es war vielleicht noch der Schock von eben, jedenfalls ist es mir nur so herausgerutscht. Tom und Dave staunten nicht schlecht, doch Dave begann kurz darauf, zu lachen. „Soso, DU bist es, Kleiner? Hast du es doch mal herausgefunden – Bill?“ Er zückte einen Revolver. Tom stöhnte unter mir vor Schmerzen auf. „Dad? Herausgefunden? Was denn?“ Dave lachte wieder. „Gut, dann werde ich es euch eben erzählen, bevor ich euch erschieße, auch gut!“ Tom und ich blickten ihn erwartungsvoll an, und er begann zu erzählen. „Ja… Deine Scheißmutter, Bill, war sehr gut im Bett, bis sie mir irgendwann weismachte, sie nehme die Pille nicht mehr, da sie sich schon immer ein Kind gewünscht hatte. Das war im Dezember 1988.“

 

 

//Tom

 

Urplötzlich spürte ich eine vertraute Person über mir, sie rief „Nein Dad, lass ihn in Ruhe!“. Dad? Diese Person war Bill, das war mir klar, aber wieso nannte er meinen Vater Dad? Ich verstand die Welt nicht mehr, erst recht nicht, als Dad plötzlich anfing zu lachen. „Soso, DU bist es, Kleiner? Hast du es doch mal herausgefunden – Bill?“ Ähm, hallo? Könnte mich mal bitte jemand aufklären? Wenn Bill behauptete, dass mein Vater auch sein Vater sei, würde das bedeuten, dass Bill mein Bruder ist. Na ja, das würde jedenfalls schon mal erklären, warum wir denselben Nachnamen hatten. „Dad? Herausgefunden? Was denn?“ Ich starrte in den Lauf einer Revolvermündung, doch Angst hatte ich kaum, ich wollte nur noch wissen, was es hiermit jetzt auf sich hatte. Mein Verstand arbeitete auf Hochtouren. Dad meinte nur, dass er uns erschießen wird, aber vorher wollte er uns noch aufklären, was passiert war, dass er unser Dad war. Na da war ich ja mal gespannt. Schließlich begann er, die Geschichte zu erzählen, Bill und ich hörten ihm dabei gebannt zu, waren inzwischen neugierig geworden.

 

 

//Bill

 

„Ich habe sofort die Scheidung eingereicht, als sie mir sagte, dass sie schwanger sei. Das letzte, was ich wollte, war ein Kind. Ich wollte nur meinen Spaß haben. Hatte bis Dezember aber schon eine Affäre mit deiner Mutter, Tom. Mit ihr habe ich einen Tag nach der Scheidung geheiratet, im Januar 1989. Dass auch sie schon seit Dezember von mir schwanger war, verheimlichte sie mir allerdings, bis es nicht mehr ging. Wir haben uns getrennt, sind inzwischen auch geschieden, doch das Gericht gab mir halbes Sorgerecht für meinen Sohn Tom, der am 1. September 1989 auf die Welt kam, genau wie mein Sohn Bill. Zu Bill hatte ich keinen Kontakt, Tom musste ich allerdings jedes zweite Wochenende aufnehmen. Das ist die einfache Geschichte.“ Ich blickte geschockt zu meinem Bruder herunter, der nur verwundert den Kopf schüttelte. „So, jetzt wisst ihr es!“, meinte Dad, dann richtete er den Revolver auf uns. „Noch ein letztes Wort?“ Er meinte das ernst. Was sollte ich tun? Diesmal gab es wohl kein Zurück mehr, keinen Ausweg. Sobald ich mich auch nur einen Millimeter rührte, würde er mich erschießen. Im Unterbewusstsein wusste ich, dass es vorbei war, aber bevor es zu diesem Ende kam, musste ich noch etwas Wichtiges loswerden. Zitternd nahm ich Tom in den Arm. „Ich liebe dich – Bruder!“ „Ich dich auch!“, schluchzte er zurück und ich sah, dass er weinte. Schützend gab ich ihm einen Kuss, dann schlossen wir beide die Augen, machten uns auf den Schmerz gefasst, mit dem wir sterben sollten. Zuerst hörte ich noch ein Klicken, dann Dave. „Say goodbye!“ Als nächstes hörte ich den

Schuss.

 

1 Kommentar 16.10.07 22:41, kommentieren

//Tom

Dad erzählte uns die ganze Geschichte. Erzählte uns, dass er uns mit unseren Mums gezeugt hat und sich dann wie ein Weltmeister innerhalb von zwei Monaten zweimal scheiden ließ. Erzählte uns, dass er eigentlich keine Kinder wollte und trotzdem zwei Stück am Hals hatte. Erzählte uns, dass er uns verachtete, und zwar so sehr, dass er mich sogar schlug und nun sogar vergewaltigte. Ich wollte das alles nicht glauben, es ging einfach nicht in meinen Kopf rein. Wie konnte man nur so pervers sein? Wie konnte man so etwas seinen eigenen Söhnen antun? Überhaupt jemandem antun? Es war einfach nur krank! Unbeschreiblich! Eigentlich unmöglich! Ekelhaft! Abartig! Ja, ich glaube, dieses Wort trifft es am Besten. Abartig. Ich musste daran denken, wie er mich vergewaltigt hatte, an die Szenen oben im Schlafzimmer. Das Fesseln, was mich so wehr- und hilflos machte. Seine Berührungen, die er sichtlich genoss und die ihn aufgeilten. Das Eindringen in meinen noch beinahe unberührten Körper, was mich zum Weinen brachte. Und schließlich sein Höhepunkt in mir, der mich quasi in den Wahnsinn trieb. Ich glaube, das Weinen war das Schlimmste. Ich habe mich bisher immer zusammengerissen und versucht, meine Gefühle vor ihm zu verstecken, wollte vor ihm nicht klein beigeben. Doch jetzt hatte er es geschafft. Hatte mich endgültig zerstört. Mich und mein Leben. Und nicht nur mein Leben. „Ich liebe dich – Bruder!“

Bills Stimme riss mich aus meinen Gedanken. Ja, auch sein Leben hatte ich zerstört. Das fiel mir jetzt auf. Jetzt, wo ich hier, vergewaltigt und splitternackt, auf einem Teppich im Wohnzimmer saß, neben mir mein Freund, mit dem ich seit etwa einem halben Tag zusammen bin und vor mir mein Vater, der kurz davor ist, mich zu erschießen, aus dem einzigen Grund, dass er Kinder hasst. Aber vielleicht war es ja auch das richtige Ende. Schließlich konnte, nein, wollte ich nicht mehr, war seelisch fertig. Die Tränen, die über meine Wangen liefen und sich ihren Weg Richtung Kinn bahnten, um von dort aus auf meine nackten, von Schlägen geschundenen Beine zu tropfen, spürte ich schon gar nicht mehr. Alles, was ich jetzt tat, war mehr oder weniger unbewusst. Ich bekam es kaum mit, war schon auf meinen Tod eingestellt. Bekam nicht mit, wie ich auf Bills Liebeserklärung mit einem „Ich dich auch!“ antwortete. Bekam nicht mit, wie er mir einen Kuss auf die Stirn gab. Bekam nicht mit, wie er mich dicht an sich drückte. Das nächste, was ich wieder mitbekam, war dieser laute Knall. Dieser laute Knall, der meinen Kopf fast zum Explodieren brachte. Doch ich fühlte keinen Schmerz. Bis ich ein Klicken hörte, danach noch einen Schuss. Ich öffnete meine Augen nicht, hatte viel zu viel Angst. Wovor eigentlich? Vor dem Tod? Vor dem Tod, den ich mir gerade noch herbeigewünscht hatte? Ich wusste es nicht genau… Schließlich war es still. Kein Schuss mehr, kein Klicken. Das einzige, was ich merkte, war etwas Feuchtes auf meiner nackten Haut, und dass obwohl ich keine Schmerzen spürte. Vorsichtig öffnete ich schließlich doch die Augen. Ich erblickte Dave. Er lag auf dem Boden, Blut strömte aus einer Wunde in der Schulter, er regte sich nicht. Irgendwie war ich erleichtert, musste kurz lächeln, warum weiß ich nicht. Fast schon etwas glücklich drückte ich den reglosen Körper meines Bruders stärker an mich. Moment. Regloser Körper? Reglos? Ich blickte zu Bill, drückte ihn etwas von mir weg. Seine Augen waren geschlossen, als würde er schlafen. Er sah ganz friedlich aus, wie ein Engel. Und erst jetzt sah ich es. Blut. Blut, das sich an meinen Händen befand und schon etwas angetrocknet war. Blut, das von meinem Freund kam. Blut, aus einer Wunde in Bills Rücken. „Nein!“, flüsterte ich kaum hörbar. „Nein, das darf nicht sein! Bill, sag doch was! Bitte, sag was!“ Doch er sagte nichts, hing schlaff in meine zitternden und blutverschmierten Armen. Vorsichtig legte ich ihn auf den Boden, hoffte auf ein Lebenszeichen. Tastete nach seinem Puls am Handgelenk. Ich zitterte zu stark, fühlte nichts. Ich griff nach seinem Hals, suchte hier nach dem Pumpen seiner Hauptschlagader. Ich fühlte nichts. Lag es am Zittern? Ich schob es darauf, wollte nicht das wahrhaben, was eigentlich schon Gewissheit war. Mein Kopf wusste es bereits, aber mein Gefühl wusste es anscheinend noch nicht. Oder es wusste es schon und wollte es nur nicht realisieren. Dann wanderte meine Hand zu seinem Brustkorb, hier würde ich die Sicherheit bekommen. Kein Heben. Kein Senken. Kein Herzschlag. Und spätestens jetzt war auch meinem Gefühl klar, was meinem Kopf schon vor ein paar Minuten klar war. Ich strich meinem Freund eine Haarsträhne aus dem bleichen, friedlichen Gesicht. Meinem Freund. Meinem Bruder. Bill… Ich begann laut zu schluchzen bei dem Gedanken. Bill war tot.

//Polizist

Wir, das heißt meine Kollegen und ich, standen nun endlich vor der Wohnung von diesem Herrn Kaulitz, den der Junge am Telefon genannt hatte. Ich blickte durchs Fenster, sah dort einen Mann mit einem Revolver in der Hand. Diesen richtete er auf zwei Jungs, die vor ihm auf dem Boden lagen, einer von ihnen nackt. Ich wusste nicht, was hier passiert war, aber ich wusste, dass wir jetzt nicht eingreifen durften, dann würde der Mann schießen und einer der beiden Jungs würde es mit dem Leben bezahlen müssen. Also beschlossen wir, die Situation noch eine Weile zu beobachten. Ich sah, dass der eine Junge den nackten plötzlich küsste, und dann fiel ein Schuss. Der Typ mit dem Revolver hatte tatsächlich abgedrückt. Nun zögerte auch ich nicht mehr, zielte noch einmal und drückte dann mit meiner Waffe ebenfalls ab. Ich traf den Mann wie geplant in der Schulter und er fiel zu Boden, die Waffe neben ihn. Schnell traten wir die Tür ein, meine Kollegen stürmten sofort zu Herrn Kaulitz und sicherten erst die Waffe, bevor sie ihn auf die Beine zogen und ins Auto verfrachteten, natürlich mit Handschellen. So stark war er nicht verletzt, und wenn doch, hatte er das einfach auszuhalten, bis der Krankenwagen kam, er hatte es nicht anders verdient. Ich hingegen eilte sofort zu den beiden Jungs. Der Angezogene lag leblos in den Armen des Nackten, dieser weinte hemmungslos, schluchzte immer wieder „Nein Bill, bitte nicht!“. Er tat mir so schrecklich Leid, ich hockte mich zu ihm runter und wollte ihn in den Arm nehmen. „Hey, beruhige dich. Es wird alles gut!“ Doch der Junge schlug meine Hand weg, wich tränenüberflutet zurück, wirkte total verstört. „Nein, nichts wird gut! Bill ist tot, verdammt! Dieses Schwein hat ihn umgebracht!“ Er wurde dabei immer lauter. Ich versuchte jedoch, ruhig zu bleiben. „Bill ist bestimmt nicht tot, der kommt ins Krankenhaus und wird dort wieder gesund!“ Doch als ich auf die riesige Blutlache auf dem Boden blickte, glaubte ich selbst nicht mehr daran.

//Tom

Ich weinte. Weinte hemmungslos, ließ all meinen Tränen freien Lauf. „Bill! Nein, wieso… Wieso bist du fort gegangen? Ohne mich? Ich liebe dich doch! Und ich brauche dich! Bitte nicht!“ Ich registrierte überhaupt nichts, erschrak nur total, als ich plötzlich einen Polizisten vor mir sah. „Hey, beruhige dich. Es wird alles gut!“ Er wollte mich trösten, aber ich war fertig mit der Welt, schrie ihn an. „Nein, nichts wird gut! Bill ist tot, verdammt! Dieses Schwein hat ihn umgebracht!“ „Bill ist bestimmt nicht tot, der kommt ins Krankenhaus und wird dort wieder gesund!“ Das glaubte er doch selbst nicht, oder? Ich brach schließlich zusammen, auf dem Bauch meines Bruders. Weinte weiter, schrie und schlug um mich, als der Polizist mich wieder anfassen wollte. Ich wusste nicht, wie lange das so ging, aber irgendwann stürmten wieder Menschen ins Haus. Sie trugen weiße Kittel und orange Jacken, eine Frau aus dem Team kam auf mich zu und zog mich von Bill weg. „Lass ihn, Junge. Du kannst nichts mehr für ihn tun, er ist bei uns besser aufgehoben!“ Doch auch das wollte ich nicht wahrhaben, schrie und schlug auf die Frau ein, riss mich schließlich los, lief aus dem Haus und sprang draußen in den Krankenwagen, in den Bill bereits gebracht wurde. Er war schon an einigen Schläuchen angeschlossen, hatte Kabel im Körper und jede Menge Ärzte standen um ihn herum. Ich stieß sie alle beiseite, wollte zu meinem Freund, doch die Frau von eben war schneller und riss mich wieder aus dem Wagen. „Bleib vernünftig, Mensch!“ Sie hielt mich stark fest, und obwohl ich sie weiterhin trat, schlug und sogar biss, ließ sie mich nicht los, bis der Krankenwagen in der Ferne verschwunden war. Dann brach ich in den Armen der Frau zusammen, war zu schwach für mehr. Ich ließ mich nur sinken, konnte nicht mehr stehen und sie trug mich schließlich ins Haus, ging mit mir in die Küche und setzte mich dort auf einen Stuhl. „Geht’s wieder?“ Sie reichte mir ein Glas Wasser und ich nahm einen Schluck, irgendwie schmeckte es bitter, aber das war mir egal. Ich nickte, sie strich mir liebevoll die Dreads aus dem Gesicht. „Ich heiße Silvia. Ich werde mich um dich kümmern, okay?“ Ich nickte wieder, dann merkte ich, wie ich müde und schwächer wurde. Silvia schien es auch zu merken, denn sie nahm mich wieder auf den Arm und trug mich aus dem Haus. Wohin wusste ich nicht, denn ich war bereits eingeschlafen.

//Silvia

Als wir endlich mit dem Krankenwagen ankamen, war das Schlimmste wohl schon überstanden. Wir liefen mit einer Bahre ins Haus, entdeckten dort einen nackten Jungen, der sich über einen anderen beugte. Selbst ein Polizist konnte ihn nicht beruhigen, er schrie hysterisch und weinte. Schließlich versuchte auch ich mein Glück und zerrte den Nackten mit sanfter Gewalt zur Seite, bevor ich erkannte, dass der andere stark blutete. „Lass ihn, Junge. Du kannst nichts mehr für ihn tun, er ist bei uns besser aufgehoben!“ Doch anstatt sich zu beruhigen, prügelte der Kleine auf mich ein, schaffte es sogar, sich loszureißen, und ehe ich mich versah, war er im Krankenwagen. Ich folgte ihm schnell, packte ihn wieder und zog ihn aus dem Wagen. „Bleib vernünftig, Mensch!“ Auch jetzt trat und schlug er mich wieder, aber ich blieb standhaft, umklammerte ihn mit festem Griff, bis der Krankenwagen schließlich abfuhr. Sofort wurde der Junge schwach, ließ sich in meine Arme sinken. Ich trug ihn ins Haus, brachte ihn erstmal in die Küche, jedenfalls weg vom Wohnzimmer und dem Blut. In der Küche setzte ich ihn auf einen Stuhl. „Geht’s wieder?“ Ich füllte etwas Leitungswasser in ein Glas, zog dann vorsichtig ein kleines Fläschchen aus meiner Jacke, ohne dass er es sah, dann träufelte ich etwas davon ins Wasser. Nur ein leichtes Beruhigungsmittel, es würde dem Jungen schon besser gehen, wenn er erstmal etwas schlief. Ich reichte ihm das Glas und er nahm einige Schlucke, nickte dann. Ich strich ihm übers Haar. „Ich heiße Silvia. Ich werde mich um dich kümmern, okay?“ Erneut nickte er, dann sah ich, wie ihm bereits die Augen zufielen. Ich lächelte, dann nahm ich ihn auf den Arm und brachte ihn zu meinem Auto. Der Junge tat mir so schrecklich Leid! Ich legte ihn sanft auf meinen Rücksitz und wickelte eine Decke um ihn, dann stieg auch ich wieder vorne ein und fuhr los, brachte ihn ins Krankenhaus. Schließlich war auch für mich eben nicht zu übersehen, dass er ebenfalls verletzt war, übersät mit blauen Flecken und teilweise auch offenen Wunden. Ihm musste geholfen werden! Als wir ankamen, wurde er in die Hände der Ärzte übergeben, die sich erstmal um seine Wunden kümmerten, bevor sie ihn schließlich in einen Schlafanzug kleideten und auf ein Zimmer brachten.

//Tom

Ich wusste nicht, wie lange ich weg war, aber als ich wieder wach wurde, lag ich in einem Krankenzimmer. Ich erschrak, erblickte dann neben mir auf einem Stuhl die Frau von vorhin. Wie hieß sie noch? Ach ja, Silvia. Sie lächelte mir sympathisch zu. Eine hübsche Frau, lange, blonde Haare wie ein Engel und blaue Augen. „Na, geht es dir wieder besser?“ Ich nickte leicht, dann setzte ich mich vorsichtig auf. Mein Hals war staubtrocken, genau wie meine Lippen, und als ob Silvia Gedanken lesen konnte, reichte sie mir eine Wasserflasche. „Trink, damit du wieder zu Kräften kommst!“ Ich nahm einen tiefen Schluck, dann stellte ich die Flasche beiseite. „Wo ist Bill?“ Sie blickte betroffen zu Boden, mir schwante übles. Ich wollte nicht länger hier im Ungewissen bleiben, hatte aber bereits eine böse Vorahnung. Mit einem Satz sprang ich aus dem Bett, war allerdings noch schwächer als ich dachte, wackelte bedrohlich hin und her. Doch Silvia hielt mich auf. „Hey, bleib hier! Du bist zu schwach!“ Sie zog mich zurück aufs Bett. „Du kannst schon noch früh genug zu Bill – sobald er aus der Notaufnahme raus ist. Wenn er heile aus der Notaufnahme rauskommt…“ Was sollte das denn heißen? Ich schaute sie ängstlich an. „W… Was ist mit ihm?“ Sie drückte mich nun wieder in die liegende Position. „Das wissen wir noch nicht. Fakt ist bisher nur, dass er schwer verletzt ist. Sehr schwer. Die Ärzte kämpfen schon seit 2 Stunden um sein Leben, aber die Chance, dass er überlebt, liegt etwa bei 10%.“

//Silvia

Als Tom endlich wach wurde, lächelte ich ihn zuerst einmal beruhigend an. „Na, geht es dir wieder besser?“ Er nickte, setzte sich dann auf. Ich reichte ihm eine Flasche Wasser und er trank davon. „Wo ist Bill?“ Diese Frage hatte ich kommen sehen, wusste nicht, wie ich darauf antworten sollte. Tom stand auf, und ich konnte mir denken, wo er hin wollte, aber das ließ ich nicht zu. „Hey, bleib hier! Du bist zu schwach! Du kannst schon noch früh genug zu Bill – sobald er aus der Notaufnahme raus ist. Wenn er heile aus der Notaufnahme rauskommt…“ Ich stieß ihn zurück aufs Bett und er warf mir ängstliche Blicke zu. „W… Was ist mit ihm?“ Dann begann ich zu erzählen, was ich über Bill wusste. „Das wissen wir noch nicht. Fakt ist bisher nur, dass er schwer verletzt ist. Sehr schwer. Die Ärzte kämpfen schon seit 2 Stunden um sein Leben, aber die Chance, dass er überlebt, liegt etwa bei 10%.“ Toms Blick zeigte eindeutig seinen aktuellen Schockzustand und seine Verzweiflung. Just in diesem Moment ging die Tür auf und ein Arzt trat ein. „Hallo Tom. Wie geht es dir?“ Doch Tom dachte nicht daran, zu antworten. „Wie geht es Bill? Was ist mit ihm?“ Doch der Arzt ignorierte seine Frage, setzte sich stattdessen auf sein Bett. „Im Moment bist du dran. Wenn du meine Fragen beantwortest, kann ich dir auch sagen, was mit Bill ist!“ Er nickte zögerlich, antwortete dann. „Mir geht es soweit ganz gut… Glaube ich…“ „Du hast viel mitgemacht in letzter Zeit, wie lange wirst du schon von ihm verprügelt?“ Tom blickte betroffen aufs Bett, dann zu mir. „Seit… Seit etwa einem halben Jahr oder so… Vorher hat er mich immer ignoriert.“ „Du hast ziemlich viel abbekommen, das haben wir festgestellt. Auch vergewaltigt hat er dich. Warum hast du nie etwas gesagt?“ Tom blickte auf die Decke, antwortete nicht, sein Gesicht wurde rot, man sah ihm an, dass er sich für seine Vergangenheit schämte. Schließlich stand der Arzt wieder auf. „Du wirst noch ein paar Tage zur Beobachtung hier bleiben müssen, deine Mutter weiß aber auch schon Bescheid. Und nun löse ich mein Versprechen ein. Ich möchte ehrlich zu dir sein, Tom. Wir glauben nicht, dass Bill es schafft.“

//Tom

Als Silvia mir diese Nachricht brachte, war ich verzweifelt und geschockt, wusste nicht mehr weiter. Doch zum Nachdenken kam ich nicht, ein Arzt betrat den Raum, war wohl Zeit für die Visite oder so. „Hallo Tom. Wie geht es dir?“ War das ein Witz? „Wie geht es Bill? Was ist mit ihm?“ Der Doc setzte sich auf mein Bett, machte mir ein Angebot, dass ich ihm seine Fragen beantworten solle, um zu erfahren, was mit Bill ist. Ich nickte leicht, vielleicht war das ja nur eine Falle. Aber ich musste es ausprobieren, es ging schließlich um Bill! Der Arzt quetschte mich über meinen Dad aus und darüber, was er mit mir veranstaltet hatte. Irgendwann war er Gott sei Dank fertig und überbrachte mir eine Nachricht, die mich psychisch in ein Loch warf. „Ich möchte ehrlich zu dir sein, Tom. Wir glauben nicht, dass Bill es schafft.“ Mir klappte die Kinnlade runter. Noch ein Witz? Sah ich aus, als sollte man mit mir Scherze machen? „Nein!“, schrie ich, dann sprang ich aus dem Bett, doch Silvia hielt mich erneut auf. Der Doc hockte sich vor mich, schaute mir direkt ins Gesicht. „Wir haben ihn eben in ein künstliches Koma versetzt. Wie lange er dort noch bleiben wird, ist ungewiss. Wir geben ihm eigentlich keine Hoffnung, aber eine Woche wollen wir wenigstens warten. Hat sich bis dahin nichts an seinem Zustand geändert, werden die Maschinen abgestellt und wir hören auf, ihn zu quälen.“ Kaum hatte er diese Worte ausgesprochen, brach ich augenblicklich in Silvias Armen zusammen, das war mal wieder viel zu viel für mich.

//Silvia

Tom wollte die Neuigkeit des Doktors nicht wahrhaben, er brach wieder einmal in meinen Armen zusammen. Ich legte ihn zurück aufs Bett, er lag jetzt nur dort und weinte hemmungslos. Verständlich. Mir tat dieser Junge so schrecklich Leid… Vom Vater verprügelt und vergewaltigt und dann verliert er auch noch seinen Freund… Ich strich ihm durch die Haare, er weinte weiter, schmiss sich dabei ins Kissen und schluchzte laut. Der Arzt nickte mir zu, dann verschwand er. Ich wartete, bis Tom sich etwas beruhigt hatte, dann blickte ich ihm in die verheulten Augen. „Geht’s wieder? Wenn du willst, kannst du zu ihm, ich bringe dich hin.“ Tom zögerte, doch dann nickte er schließlich. Ich stand auf, er tat es mir nach und folgte mir aus dem Raum. Ich führte ihn den Flur entlang, dann fuhren wir mit dem Fahrstuhl ins Erdgeschoss. Dort angekommen folgte er mir auf die Intensivstation. Wir betraten den Raum und Tom trat zögerlich auf das Bett zu. Bill lag dort, friedlich die Augen geschlossen. Er war an viele Schläuche angeschlossen, man hörte ein ständiges Piepen, das Bills Herzschlag darstellte. Vorsichtig setzte Tom sich auf Bills Bett, strich ihm eine Haarsträhne aus dem Gesicht. Dann legte er seinen Kopf auf die Bettdecke und weinte an Bills Brust. Ich beschloss, ihn in Ruhe zu lassen und verließ den Raum.

//Tom

Ich weinte wieder einmal. Mann, ich hatte in den letzten 10 Jahren kaum geweint, hatte mich immer zusammengerissen. Aber jetzt. Ich glaube, ich hatte meinen Tränenvorrat für die nächsten 3 Jahre bereits in den letzten zwei Tagen aufgebraucht. Irgendwann hatte ich mich wieder beruhigt, und Silvia bot mir an, mich zu meinem Bruder zu bringen. Ich zögerte. Wollte ich ihn in seinem jetzigen Zustand wirklich sehen? Fast tot? Irgendwie zwischen den Welten? Zwischen Leben und Tod? Schließlich entschied ich mich aber dafür, ich wollte meinem Freund beistehen, wenn es ihm so schlecht ging. Silvia führte mich ins Erdgeschoss auf die Intensivstation, und dort lag er! Friedlich, als würde er schlafen, nur die ganzen Schläuche in seinem Körper und dieses nervige Piepen störten mich. Ich setzte mich neben ihn aufs Bett, strich ihm sein schwarzes Haar aus dem Gesicht. Und dann weinte ich wieder einmal. Weinte und weinte und weinte, ließ meine Tränen auf Bills Oberkörper tropfen. Dabei sprach ich mit ihm. Ich wusste, dass das eigentlich nicht viel nützte, aber versuchen wollte ich es zumindest. „Bill… Ich liebe dich doch! Bitte lass mich nicht alleine! Wach auf, ich brauch dich doch, will nie wieder ohne dich sein! Mein Bruder…“ All dies sagte ich unter Tränen, meine Stimme war brüchig und bebte. Lange blieb ich hier bei Bill, war irgendwann wieder eingeschlafen, im Sitzen an Bills Bett.

//Silvia

Ich weiß nicht, wie lange Tom da an Bills Bett saß, aber bestimmt für den Rest des Tages. Abends schaute ich wieder nach ihm, doch er schlief und so ließ ich ihn in Ruhe. Auch am nächsten Tag setzte sich dieser Vorgang fort, Tom wich nicht von Bills Seite, redete ununterbrochen mit ihm, und wenn er nicht redete, dann schlief oder weinte er. Er aß kaum etwas, nahm nur widerwillig die Medizin, die die Ärzte ihm auferlegt hatten. Doch trotz Toms Wache, schien sich Bills Zustand nicht wirklich zu verbessern. Er bewegte sich nicht, zeigte auch sonst keinerlei Regung oder ähnliches. Und nun war er da. Der siebte Tag. Es war ein Uhr mittags und Tom wusste – um Mitternacht sollten die Maschinen abgestellt werden. Er hatte also noch 11 Stunden, um Bill ins Leben zurückzuholen. Ich ließ ihn alleine in dieser Zeit, wusste nicht, was er wirklich in dem Raum trieb…

//Tom

Die Zeit, sie rannte mir davon… Sechs Tage und Nächte lang wich ich nicht von Bills Seite, hoffte, dass er wieder aufwachte, doch es geschah nichts. Ich war verzweifelt, es war doch zum Verrücktwerden! Und dann bekam ich sie! DIE Idee! Meine letzte Chance, Bill ganz nahe zu stehen, und ich würde sie nutzen! Hektisch blickte ich mich in Bills Zimmer um, entdeckte dann, was ich gesucht hatte. Ein Skalpell. Es lag in einer Schublade des Schrankes neben Bills Bett. Zielstrebig ging ich darauf zu und ergriff es, hielt es fest in meinen Händen. Dann setzte ich mich zurück neben Bill und krempelte den Ärmel meines Schlafanzuges hoch. Wenn Bill es tat, dann wollte ich es auch tun! Ich drückte Bill einen Kuss auf die Stirn, dann drückte ich das Skalpell fest auf meinen linken Unterarm. Es war wirklich sehr scharf, so viel Druck brauchte ich gar nicht ausüben. Es dauerte nicht lang, dann liefen rote Striemen meinen Arm herunter, tropften in meine Handfläche und sammelten sich dort. Und ich verspürte dabei keinen Schmerz, im Gegenteil, es gefiel mir sogar! Lächelnd setzte ich mein Werk fort, ritzte mir immer wieder mit dem Skalpell über den Unterarm, mehr und mehr Striche bildeten sich dort. Und plötzlich hatte ich das Gefühl, Bill ganz nahe zu sein. Es tat mir gut und ich genoss es förmlich. Ich war wohl wieder eingeschlafen, jedenfalls war es schon dunkel im Zimmer, als ich wieder aufwachte. Ein Blick auf die Wanduhr verriet mir die Uhrzeit. 23 Uhr. Ich hatte noch eine Stunde, aber jetzt hatte ich die Hoffnung aufgegeben. Aber ich hatte eine neue Erkenntnis gewonnen: Die Erkenntnis, dass ich nicht ohne Bill leben will, und dass ich ihm überall hin folgen werde! Ich nahm meinen Bruder, meinen Freund noch einmal fest in den Arm, drückte ihm dann einen letzten Kuss auf den Mund. Die Tränen in meinen Augen ignorierte ich, sie waren eh schon ein Dauerzustand bei mir. „Gleich werde ich bei dir sein! Ich liebe dich über alles, mein Schatz!“, sagte ich noch, dann verließ ich den Raum, drehte mich nicht mehr um.

Der Wind umspielte meine Dreadlocks, der Regen peitschte mir ins Gesicht, doch es war mir egal. Noch ein paar Meter und ich war endlich da. Warum musste das Krankenhaus auch mitten in der Innenstadt liegen? Wie spät war es eigentlich? Am Horizont sah ich die Sonne schon aufgehen, das heißt, es war bereits morgens. Trotzdem war es hier noch leer, was mich aber irgendwie nicht erstaunte. Ehrlich gesagt war ich sogar froh darüber. Ich lächelte, als sie endlich in Sicht kam. Noch ein paar Minuten, dann war ich bei Bill, war da, wo er auch schon war. Und dort würden wir endlich glücklich werden! Frei von Dave und von den Schmerzen, frei von den Erinnerungen. Doch dann brach ich plötzlich zusammen, merkte, dass ich sehr schwach war. Ich blickte auf meine Arme. Sie bluteten in Strömen, kein Wunder, dass ich so schwach war. Und dann war ich endlich angekommen! Ich lächelte einmal gequält, dann kletterte ich über das Geländer. Dort lag sie unter mir, befahren von einigen Autos und LKW, aber von nicht sehr vielen. Aber sie würden für das reichen, was ich vorhatte. Noch ein Schritt nach vorne, dann war es vorbei, dann war ich endlich wieder mit Bill vereint. Noch klammerte ich mich am Brückengeländer fest, doch nicht mehr lange, ich könnte mich einfach fallen lassen, dann war es vorbei. Der Gedanke machte mir Mut. Ich schloss die Augen, dann lehnte ich mich nach vorne und ließ das Geländer los.

//Bill

„Gleich werde ich bei dir sein! Ich liebe dich über alles, mein Schatz!“
Woher kamen diese Worte? Und... Was war das für ein Geräusch? Es piepte, ununterbrochen...
Ich bemerkte meinen Körper, aber ich spürte ihn nicht, er war wie taub. Dann hörte ich, wie eine Tür ins Schloss fiel, dann nur noch dieses penetrante Piepen. Vorsichtig versuchte ich, die Augen zu öffnen, hatte aber Angst vor dem, was ich dann vielleicht sehen würde. Es war dunkel im Zimmer, ein bisschen Licht schien vom Flur durch ein Fenster hinein, und dort sah ich nur noch schemenhaft eine Person auf dem Gang entlang laufen. Diese Person hatte Dreadlocks, trug irgendetwas Weißes.
Tom!
Ich schlug meine Augen nun ganz auf, und das erste was ich sah, machte mir richtig Angst.
Meine Bettdecke war rot, blutüberströmt! War ich verletzt? Klar war ich das, ich lag im Krankenhaus, aber da wurden einem doch die Wunden versorgt, oder nicht?
Auf dem Boden entdeckte ich ein Skalpell. Was war hier los?
Ich sammelte alle meine Kraftreserven, und das waren nicht viele, um einen Knopf neben meinem rechten Arm zu betätigen. Der Knopf, der die Schwestern und den Arzt kommen ließen. Es dauerte keine drei Sekunden, da standen sämtliche Doktoren um mein Bett versammelt. Alle redeten durcheinander.
„Er ist wieder wach!“
„Er lebt!“
„Kümmert euch um ihn!“
„Sagt seinem Bruder Bescheid!“
Mein Bruder! Tom! Wo war er? Er war doch gerade weggegangen, aber wohin? Und plötzlich entdeckte ein Arzt etwas.
„Hey, schaut mal da, auf dem Boden!“
„Scheiße, los, folgt ihm!“
Ungefähr die Hälfte der Mannschaft verschwand, die andere Hälfte kümmerte sich nun um mich, bewachte meine Werte, pflegte mich. Wo war der Rest hin und wem waren sie gefolgt? Tom? Und dann fiel es mir ein.
„Gleich werde ich bei dir sein!“
Matt und sehr leise brachte ich diese Worte über meine staubtrockenen Lippen, doch dem Arzt genügten sie.
„Hat Tom das gesagt?“
Ich nickte, dann verschwand er. Ich verstand gar nichts mehr, war mit meinen Gedanken abwesend. Was hatte Tom damit gemeint? Ich lag dort regungslos, die anderen Ärzte wuselten immer noch um mich herum. Ich wusste nicht, was sie taten, aber ich war ruhig, zu ruhig vielleicht, versuchte alle meine Kräfte zu sammeln. Mein Gefühl sagte mir, dass ich sie heute brauchen würde, und das schon sehr bald!
Nach einiger Zeit (ich weiß nicht, wie lange es gedauert hatte, aber bestimmt ein paar Stunden) kam der Arzt von vorhin wieder.
„Los, bringt ihn in den Krankenwagen!“
Was? Die Ärzte schnappten sich mein Bett und schoben es aus dem Raum, und endlich erkannte auch ich, was den Menschen vor einiger Zeit solche Angst gemacht hatte.
Auf dem Boden war eindeutig eine Blutspur zu erkennen. Sie führte aus dem Krankenhaus heraus, doch ich wurde mitsamt den wichtigsten Geräten in einen Krankenwagen geschoben. Dieser fuhr los und endlich erklärte mir jemand, was hier eigentlich abging.
„Tut uns sehr Leid, dass das alles so schnell geschieht, aber wir glauben, dass Tom denkt, dass du tot bist und nicht ohne dich leben will. Er hat sich irgendetwas angetan und hat vielleicht noch Schlimmeres vor, nur du kannst ihn davor bewahren!“
Nein!
Tom hatte nicht wirklich vor, sich wegen mir umzubringen! Das konnte nicht wahr sein!
Mit Hilfe einer hübschen Frau gelang es mir, mich aufzusetzen. Langsam kehrte Gefühl zurück in meinen Körper, ich spürte wieder etwas. Auch ein paar Schmerzen, aber die waren mir egal. Mir war im Moment alles egal, ich wollte nur zu Tom und betete, dass ich rechtzeitig ankam, bevor er sich wirklich umbrachte.
Wir fuhren nicht lange, vielleicht eine halbe Stunde oder so, aber schließlich hielten wir. Ich rollte mich zur Seite, landete unsanft auf dem Krankenwagenboden und schaffte es mit der Hilfe der Frau, auf die Beine zu gelangen. Ich zwang mich dazu, stark zu sein, nicht aufzugeben, bündelte meine eben gesammelten Kräfte.
Blitzschnell riss ich sämtliche Kabel und Nadeln von und aus meinem Körper, stolperte aus dem Wagen, landete draußen wieder einmal auf dem Boden, doch es war mir auch egal.
Wieso hatte ich so viel Kraft? Woher nahm ich sie? War es die Angst um Tom? Weil ich ihn so sehr liebte und er das alles nur wegen mir getan hatte?
Und dann sah ich ihn!
Leichenblass, Blut am ganzen Körper, auch auf der Straße.
Er stand mit dem Rücken zu mir, hinter einem Geländer einer Autobahnbrücke. Er hielt sich nicht mehr fest, war drauf und dran, zu fallen.
Mit allerletzter Kraft versuchte ich, meine Stimme etwas zu erheben, was mir schließlich auch gelang.
„Spring nicht!“
Dann brach ich auf der Straße zusammen.

//Tom

„Spring nicht!“

Was war das? Oh man, jetzt hatte ich sogar schon Halluzinationen, bildete mir ein, Bills Stimme gehört zu haben, die mit mir sprach. Oder war ich vielleicht sogar schon tot und Bill sprach im Himmel mit mir? Nein, tot war ich noch nicht, unter mir fuhren immer noch Autos. War die Stimme vielleicht doch real gewesen? Was hatte ich schon zu verlieren? Vorsichtig drehte ich mich.

Nein! Das konnte nicht wahr sein! Ich erblickte Bill mitten auf der Straße liege, hinter ihm ein Krankenwagen, aus dem nun sämtliche Ärzte herausliefen, um ihm zu helfen, auch Silvia erkannte ich unter ihnen. Sie ging sehr langsam auf mich zu. „Tom! Komm da runter! Bill lebt!“ Meinte sie das ernst? Langsam hielt ich mich wieder am Geländer fest, war eben doch noch nicht gefallen. Ich stierte sie unentwegt an, da bewegte sich das Bündel am Boden wieder und raffte sich langsam auf. Ich blickte in Bills braune Augen, die gerade mal nicht geschminkt waren. Er trug, genau wie ich, einen weißen Schlafanzug und stand nun wieder auf den Beinen, wankte mit Hilfe einiger Ärzte langsam in meine Richtung. „Tom! Bitte, komm da weg! Komm zu mir!“ Er kam langsam immer näher, war extrem schwach. Ich starrte ihn weiterhin an, war unfähig, mich zu bewegen. Nun stand Bill unmittelbar vor mir, streckte mir seine Hand entgegen. „Komm schon, Schatz! Ich liebe dich und ich brauche dich! Bitte lass mich nicht allein! Ich habe für dich gekämpft, jetzt musst du für mich kämpfen!“ Ich sah, wie er begann zu zittern, aber er stand nun alleine, die Ärzte waren zurückgetreten, aber jederzeit einsatzbereit. Nach wie vor streckte er mir seine Hand entgegen, lächelte nun ein wenig. „Bitte Bruder! Ich liebe dich auch über alles!“ Moment! Das war doch das, was ich im Krankenhaus zu ihm gesagt habe! Hatte er mich tatsächlich gehört? Das war für mich Beweis genug! Vorsichtig drehte ich mich um, mit meinem Gesicht zu ihm gedreht, hatte ich ihm vorher ja den Rücken zugewandt. Dann trat ich einen Schritt zur Seite, in seine Richtung, klammerte mich fest ans Geländer. Ich lächelte ihn ebenfalls an, jetzt wo er lebte, war mein Leben doch wieder etwas wert! Wir konnten zusammen leben und glücklich werden, unsere Vergangenheit vergessen! Langsam ließ ich mich mit einer Hand vom Geländer los und streckte ihm diese ebenso entgegen wie er mir seine. Wir waren kurz davor, uns zu berühren, nur ein paar Zentimeter voneinander entfernt. Ich freute mich schon darauf, ihn endlich wieder in meine Arme schließen und küssen zu können – da passierte es! Meine Beine waren wohl durch meinen Blutverlust zu schwach geworden, ich konnte mich nicht länger auf ihnen halten. Auch schwindelig wurde mir nun. Panisch wirbelte ich mit meiner Hand in der Luft herum, hoffte, meinen Bruder noch irgendwie zu erwischen, vergeblich. Auch meine andere Hand schlug ins Leere, mir war die Stange des Geländers einfach aus der Hand geflutscht. Ich verlor das Gleichgewicht und rutschte nach hinten weg, dann spürte ich unter mir gar nichts mehr, fiel in die Tiefe.

//Bill

Die hübsche Frau aus dem Krankenwagen begann nun auch, Tom etwas zuzurufen, aber ich wusste, dass er sich davon nicht umstimmen ließ, ich war der einzige, auf den er jetzt hörte. Langsam rappelte ich mich wieder auf, eierte vorsichtig in seine Richtung. „Tom! Bitte, komm da weg! Komm zu mir!“ Ich trat weiter ein paar Schritte näher, durfte jetzt nicht das falsche tun. Doch Tom bewegte sich nicht, machte nicht mehr die Absicht, zu springen. Ich war bei ihm angekommen, hielt ihm meine Hand hin. „Komm schon, Schatz! Ich liebe dich und ich brauche dich! Bitte lass mich nicht allein! Ich habe für dich gekämpft, jetzt musst du für mich kämpfen!“ Ich begann zu zittern, meine Beine wackelten bedrohlich, doch ich stand weiterhin, zwang meine Beine, mich zu tragen. Ich wollte meinem Bruder Mut machen, lächelte ein wenig. „Bitte Bruder! Ich liebe dich auch über alles!“ Dieser Satz war wohl ausschlaggebend. Tom drehte sich nun mit seiner Vorderseite zu mir, tat dann einen Schritt zur Seite, klammerte sich dabei ängstlich ans Brückengeländer. Er erwiderte mein Lächeln, dann streckte er mir ebenfalls seine Hand entgegen. Mir fiel ein Felsen vom Herzen, ein paar Zentimeter noch und ich hatte ihn wieder! Doch dann geschah das Unerwartete! Tom brach zusammen, rutschte dabei nach hinten weg. Seine Arme wirbelten in der Luft herum, suchten an irgendetwas Halt, aber er traf nichts. Er war drauf und dran, zu fallen, bestimmt 20 Meter tief auf steinigen Asphaltboden, und wenn er diesen Fall überleben würde, würden ihn die Autos sicher endgültig ins Jenseits befördern. Oh nein! Ohne mich! Ich hatte bis hierher durchgehalten, und das sollte nicht umsonst sein! Oh bitte lass mich lang genug sein! Bitte lass 1,86 Meter ausreichen! Schwungvoll drückte ich mich vom Boden ab, sprang mit einem Satz nach vorne und landete auch schon wieder hart auf dem Straßenboden. Meine Hand schob sich schlitternd unter das Geländer, genau wie ein weiterer Teil meines Oberkörpers. Ich war schon immer recht dünn gewesen und das Geländer hing jetzt hoch, so passte ich locker unter der untersten Stange hindurch. Ich rutschte vorwärts, und das ziemlich schnell und ziemlich weit. Erst mit meinen Füßen blieb ich an der Stange hängen, ansonsten wäre ich wohl hinter Tom hergefallen, denn auch ich hing nun über dem Abgrund, nur meine Füße hielten mich davon ab, in die Tiefe zu fallen. Doch dieser Gedanke schockte mich im Moment gar nicht, ich wollte nur Tom noch erwischen! Und wenn ich das nicht tat, werde ich mit ihm sterben! Panisch ruderte ich mit den Armen in der Luft unter mir, versuchte verzweifelt, meinen Freund irgendwie zu erwischen. Aber ich traf nichts, schloss traurig die Augen. Doch dann! Ich hatte mich fast aufgegeben, da streifte etwas von oben leicht meinen Arm. Ohne groß weiter nachzudenken packte ich es, griff so fest zu, wie ich nur konnte. Ich spürte einen Arm, doch dieser entglitt mir noch ein Stückchen, bevor ein Handgelenk in meiner rechten Hand hängen blieb. Ich rutschte noch ein bedrohliches Stück tiefer, bevor sich mein linker Fuß krampfhaft im Gitter verhakte. Ängstlich öffnete ich die Augen, sah, dass ich Toms Handgelenk tatsächlich erwischt hatte. So hingen wir beide kopfüber an einer Autobahnbrücke, nur mein Fuß hielt uns noch… Tom blickte mich weinend an. „Bill… Lass mich los, bitte! Ich will nicht, dass du wegen mir stirbst!“ Ich musste verzweifelt lachen. „Vergiss es, Kleiner! Ich werde nicht ohne dich leben! Das alles hier wird nicht umsonst gewesen sein, verstehst du? NICHT umsonst! Du bleibst schön bei mir, Freundchen!“ Ich krallte meine Fingernägel in sein Fleisch, klammerte mich an meinen Bruder, wollte ihn nicht gehen lassen!

//Tom

Ich schloss die Augen, hatte mit meinem Leben schon abgeschlossen und mich innerlich von Bill verabschiedet. Doch unverhofft kommt oft. Noch nie haben Sprichwörter in meinem Leben eine Rolle gespielt, aber jetzt war es zum ersten Mal soweit. Ich streifte irgendwas in der Luft und musste hinterher feststellen, dass es Bill war. Wo kam der denn hier? Er packte mich mit aller Kraft und mein Fall wurde ruckartig abgefedert. So hing ich nun in der Luft, wurde nur von meinem Bruder gehalten. Und auch dieser zitterte schon, drohte jeden Moment ebenfalls gemeinsam mit mir in die Tiefe zu stürzen. Doch das wollte ich verhindern, egal, ob ich dabei sterben würde oder nicht! Bill war mir wichtiger als mein eigenes Leben! „Bill… Lass mich los, bitte! Ich will nicht, dass du wegen mir stirbst!“ Zu meiner eigenen Überraschung begann Bill nur zu lachen. „Vergiss es, Kleiner! Ich werde nicht ohne dich leben! Das alles hier wird nicht umsonst gewesen sein, verstehst du? NICHT umsonst! Du bleibst schön bei mir, Freundchen!“ Okay, ich muss zugeben: Ich war erleichtert über diese Aussage. Sterben wollte ich nicht mehr, hatte Angst vor dem Tod bekommen. Und plötzlich merkte ich, wie ich ein ganzes Stück nach oben gezogen wurde. Auch Bill schien verwundert, doch es waren nur drei Ärzte, die Bills Fuß gepackt hatten und uns so zurück auf die Brücke zogen. Es dauerte nur noch ein paar Sekunden, da hatten wir wieder festen Boden unter den Füßen und wurden sofort in den Krankenwagen gebracht und dort in Decken gewickelt. Dann kam schließlich ein Arzt und wollte meine Arme verarzten. Widerwillig hielt ich sie ihm hin, wollte nicht, dass mein Freund sah, was ich mir selbst angetan hatte. Doch ihm entging das natürlich nicht. „Verdammt, Tom! Was hast du getan?“ Matt lächelte ich ihn an. „Nun… Ich… Ich wollte dir einfach so nahe wie möglich sein… Hab mich irgendwie mit dir verbunden gefühlt und habe es deswegen getan!“ Bill nickte nur, blickte dann zu Boden. Dachte ich. Erst etwas später merkte ich, dass sein eigentlicher Blick auf seine Arme fiel, an die Stellen, die die Narben zierten. Und dann entdeckte ich sie! Die Tränen in seinen Augen! Auch ich begann zu weinen, nahm meinen Bruder dann liebevoll in den Arm. „Sch… Ist doch gut! Du hast es doch überstanden! Wir werden das gemeinsam schaffen!“

//Bill

Lange hingen wir nicht mehr von der Brücke. Die Ärzte kamen und halfen uns, zogen uns wieder hoch. Wurde auch höchste Zeit! Nach einem kurzen Augenblick saßen wir auch schon im Krankenwagen. En Arzt wollte Toms Wunde versorgen, dessen Blutspur wir gefolgt sind, und als ich erkannte, dass Tom sich geritzt hatte, kamen meine Erinnerungen wieder. Die Erinnerungen an die Zeit, in der ich das auch regelmäßig getan hatte. Ich starrte auf meine Arme, bis ich irgendwann spürte, dass Tom mich umarmte. „Sch… Ist doch gut! Du hast es doch überstanden! Wir werden das gemeinsam schaffen!“ Ich wischte mir die Tränen aus dem Gesicht, drückte ihm dann ein Küsschen auf die Wange. Doch er war irgendwie immer noch etwas schockiert. „Warum nur, Bill, warum hast du deine Arme so zerstört?“ Ich begann zu zittern, aber nicht vor Angst oder vor Kälte, sondern vor Wut! Wut auf das Drecksschwein, was daran schuld war! „Nun… Ich… Wie ich dir ja schon erzählt habe, wusste ich nichts über meinen Vater, wusste nur, dass er meine Mum verarscht und sich dann nie wieder gemeldet hat. Ich hatte so einen Hass auf ihn, hab mir geschworen, ihm alles heimzuzahlen, wenn ich ihn irgendwann einmal treffen sollte! Und das war mein Schwur! Ich hab ihn auf meinen Armen verewigt, wollte immer daran erinnert werden, was für ein Dreckskerl er doch ist! Dass er auch dein Vater ist, wusste ich ja noch nicht… Doch jetzt, wo er im Gefängnis sitzt, ist mein Auftrag erfüllt. Er hat seine Strafe bekommen! Und deshalb werde auch ich damit aufhören, auch wenn ich weiß, dass das nicht so einfach ist! Ich hoffe, du hilfst mir!“ Tom nickte stolz. „Ja, wenn du mir auch hilfst!“ Ich nickte zurück. Dann strahlten wir beide uns an, versanken in dem schönen haselnussbraun des jeweils anderen. Aber nicht sehr lange, denn unsere Gesichter kamen näher. Immer näher. Und dann war es soweit! Unsere Lippen versanken in einem wunderschönen Kuss, der am besten nie wieder aufhören sollte, während im Hintergrund die Sonne aufging und den neuen Tag ankündigte. Den ersten Tag unseres neuen Lebens!

ENDE

16.10.07 22:41, kommentieren

"Alles wie immer" by Lish

Alles wie immer

 

 

Inhalt:

Tanura hat es schwer. Sie ist ein Tokio Hotel – Fan, wie viele Mädchen in ihrem Alter. Sie bekennt sich öffentlich zu ihrer Lieblingsband, was ihr immer wieder Probleme mit anderen Teenagern einbringt. Denn nicht jeder mag die Band – und lässt Tanura das auch brutal spüren...

 

Jetzt ging es wieder los. Der Bus hielt, um mich und die anderen Schüler, die an der Bushaltestelle standen, in die Schule zu fahren. Alles wie immer.

Ich stand abseits, hatte mich bereits damit abgefunden. Seit ich die neue Bill-Frisur trug, wurde ich noch mehr gehasst als je zuvor. Die anderen standen dort und lästerten über mich, was ich denn an dieser „Sängerin“ so toll fand und wie blöd ich doch wäre, mich so zu stylen. Alles wie immer.

Ich stieg in den Bus, als letzte. Eine Sitzbank war noch frei und ich setzte mich hin. Neben jemand anderem wollte ich nicht sitzen, er oder sie würde mir sowieso nur mit Ablehnung entgegenkommen. Wie immer.

Ich blickte aus dem Fenster und ließ meine Gedanken schweifen, bis ich plötzlich von etwas am Kopf getroffen wurde. Es landete auf meinem Schoß und ich sah, was es war. Eine Bananenschale. Irgendjemand hatte mich mit einer Bananenschale beworfen und ein Lachen erfüllte den kompletten Bus. Es war wie immer.

Ich war froh, als wir endlich an der Schule hielten und stieg aus. Langsam ging ich zu meinem Klassenraum, setzte mich dort, von den Blicken meiner Klassenkameraden quasi durchbohrt, auf meinen Platz – ein Einzeltisch an der Wand, abseits vom Rest der Klasse. Dort saß ich immer.

Während ich meine Tasche öffnete, hörte ich einen Typen hinter mir. „Ich hab gehört, dass Bill schwul ist.“ Diesen Spruch hörte ich jeden Tag bestimmt 20 Mal, ich hatte mich daran gewöhnt und ignorierte ihn. Auch die anderen Sprüche, die noch folgten, beachtete ich nicht. Es war halt alles wie immer.

Der Unterricht verlief ohne Probleme, da die Lehrer die einzigen waren, die sich nicht über mich lustig machten. Nur die Pause war schlimm. Kaum war ich aus dem Gebäude gegangen, stieß ich mit einer Gruppe von Jungs zusammen. Sie lachten. „Hey, Billybunny! Bereit für ’ne Abreibung?“ Bevor ich mich irgendwie wehren oder fliehen konnte, schlugen sie mir mit der Faust ins Gesicht. Ich ging zu Boden, es war alles wie immer.

Ich wurde noch bis zum Ende der Pause verprügelt, lag blutend am Boden, niemand half mir. Im Gegenteil, sie feuerten die Kerle sogar an. Als die Typen endlich abgezogen waren, kam eine Lehrerin und brachte mich ins Krankenzimmer. Sie gab mir einen Waschlappen gegen meine blutende Nase und Kühlakkus für meine blauen Flecke. Ich solle mich hier erstmal ausruhen und dann nach Hause gehen, meinte sie. Als sie gegangen war, stand ich auf und schlug direkt den Heimweg ein. Quasi wie immer.

Meine Eltern waren arbeiten, kamen erst abends wieder. Ich ging in mein Zimmer. Von der Wand lächelte Bill mir von einem meiner Poster nett entgegen. Ich lächelte zurück, Schmerzen durchfuhren mein Gesicht. Ich hatte wohl doch ziemlich viel abbekommen. Wie immer.

Meine Hand fuhr wie automatisch zu meiner Stereoanlage und drückte den Powerknopf. Sofort dröhnte „Schrei“ aus den beiden Boxen in meinem Zimmer und ich sang lauthals mit. Das half mir immer, wenn ich wütend war, so wie heute. Wütend, enttäuscht und traurig. Wenn man eine Band nicht mag, ist das doch okay, aber deren Fans deshalb zu verprügeln, mit Essen zu bewerfen und zu dissen ist doch absolut das Letzte! „Schrei“ verstummte und ich schaltete das Radio auf „Rette mich“. Als dieser Song ertönte, warf ich mich auf mein Bett und weinte. Ich weinte alles heraus, was mich heute fertig gemacht hatte. Und ich weinte aus noch einem Grund: Wegen der Angst vor dem morgigen Schultag. Er würde genau wie heute verlaufen. Alles wie immer.

 


ENDE

16.10.07 22:36, kommentieren

"Wir sterben niemals aus" by Lish

Wir sterben niemals aus


„Gute Nacht, schlafe gut, mein Bruder!“

„Danke dir, du ebenfalls!“

Ich ging gemächlich durch den langen Gang unserer Burg bis in mein Gemach, dort zog ich die goldenen Vorhänge zu und legte mich in mein Himmelbett. Mein Tag war anstrengend gewesen, denn auch als Prinz, also als Sohn eines Königs, muss man arbeiten.

Ich schloss die Augen und war sofort eingeschlafen.

 

„Aufstehen, Bruderherz!“

Hä? Was war das? Langsam schlug ich die Augen auf und erwartete das freundliche Gesicht meines Zwillingsbruders in seinem roten Gewand, doch was ich erblickte, versetzte mir einen Schock!

Vor mir stand zwar mein Zwillingsbruder, aber nicht in einem roten Gewand – nein, er trug blaue Hosen aus einem seltsamen Stoff. An den Füßen trug er eigenartiges Schuhwerk, so hoch und geschlossen. An seinem Oberkörper lag ein schwarzes Stück Stoff ganz eng an, die Ärmel waren abgeschnitten. Einige silberne Ketten hingen am Hals meines Bruders, mit merkwürdigen Anhängern daran.

„Komm schon, Tom! Aufstehen!“

Er bewegte sich auf mich zu und riss meine Decke weg. Und erst jetzt sah ich, dass ich nicht in meiner Kammer war.

„Bill, wo… Wo bin ich?“

Mein Bruder lachte.

„Wie, wo bin ich? Zu Hause, in deinem Zimmer, wo denn sonst?“

Ich setzte mich auf. Vor mir stand ein großer Tisch aus Holz, darauf stand ein großer viereckiger Kasten. Auf einem weiteren Tisch daneben stand ebenfalls ein Kasten, allerdings etwas größer als der erste. Der erste war weiß umrandet und hatte irgendwelche Einkerbungen an dieser Umrandung. Langsam schritt ich darauf zu und strich über das kühle Glas, aus dem der Kasten bestand.

„Was ist das für ein seltsames… Ding?“

Bill lachte schon wieder.

„Was soll das wohl schon groß sein? Dein Monitor natürlich!“

Mein was? Ich warf meinem Zwilling einen fragenden Blick zu.

„Moniwas?“

„Na dein Monitor, der Bildschirm, auf dem man seine Computerinhalte anschauen kann, was denn sonst?“

Computerinhalte? Was war denn das schon wieder?

„Was… Was ist ein… Ein Computer?“

Bill verdrehte die Augen.

„Das da! Tom, was ist mit dir los?“

Er deutete auf einen rechteckigen Kasten unter dem Tisch, er hatte zwei Rillen und einen runden Knopf.

„Und… Wofür ist der gut?“

Bill lachte wieder einmal.

„Oh man, Tom, du machst mir Spaß! Bist du so besoffen, dass du nichts mehr weißt? Komm frühstücken!“

Bevor ich ihn nach der Bedeutung des Wortes „besoffen“ fragen konnte, schnappte er meine Hand und zog mich hinter sich her.

Dies war eindeutig nicht meine Burg! An den Wänden hingen seltsame Vierecke aus Glas, dahinter sah man mehrere Menschen, die mir entgegen lächelten. Waren die etwa alle in der Wand eingemauert worden? Und was war so weich unter meinen nackten Füßen? Es fühlte sich an wie Gras, jedoch war es nicht grün und lang, nein, es war blau und ganz flach.

Bill zog mich eine Treppe herunter, diese war allerdings nicht aus Stein, sondern auch mit diesem blauen Untergrund überzogen.

Unten angekommen zerrte er mich in einen großen Raum, der wohl die Küche darstellen sollte, denn ich entdeckte Brot und Becher auf dem Tisch.

„Frühstück!“

Er setzte sich auf einen Hocker ähnlichen Gegenstand, ich setzte mich vorsichtig auf ein ähnliches Ding neben ihn und bestaunte die Gegenstände auf dem Tisch. Ein kleines silbernes Teil, es sah aus wie ein kleines Schwert, fiel mir ins Auge und ich nahm es vorsichtig in die Hand.

„Was ist das jetzt schon wieder?“

„Tom, ich weiß nicht, was du hast, aber das ist ein Messer und damit schmiert man seine Brote!“

Schmieren? Irgendwas lief hier verkehrt und ich musste es Bill erzählen.

„Bruder, ich… Wo sind wir hier? Ich meine, als ich gestern Abend eingeschlafen bin, war ich noch ganz normal in meiner Kammer in der Burg, und als ich heute Morgen aufgewacht bin, war ich plötzlich hier, in diesem… Diesem…“

„Haus?“

„So nennt ihr also eure Burgen? Einverstanden… Aber… Na ja, ich weiß nicht, wie das sein kann…“

„Ich auch nicht!“, lachte Bill und nahm sich ein Stück Brot, das allerdings anders aussah als bei uns. Irgendwie so rund… Mit seltsamen Körnern darauf…

„Also gut, Tom! Ich habe keine Ahnung, was das soll und warum du so ein Spiel spielst, aber wenn es dir eine Freude macht, spiele ich mit und erkläre dir alles hier!“

„Ich bitte dich darum!“

„Okay, pass auf! Dass hier nennt man Brötchen! Man nimmt das Messer und schneidet diese Brötchen damit auf, genau so. Dann nimmt man etwas Butter auf das Messer und schmiert sie über die beiden Hälften und zum Schluss kann man sich etwas von dem Belag aussuchen und auf die Butter legen, kapiert?

Ich nickte, dann nahm ich mir ebenfalls eines dieser eigenartigen Brote, die Bill „Brötchen“ nannte und schnitt es mit meinem „Messer“ auf. Dann tauchte ich mein Messer in dieses gelbe, etwas feste Zeug und verteilte es langsam auf der einen Hälfte meiner Nahrung, bevor ich die anderen Dinge auf dem Tisch betrachtete. Die packt man also auf dieses Brot? Ich erblicke etwas Rundes und Rosanes, etwas Viereckiges und gelbes, drei Gläser mit etwas Goldenem, Braunen und Rotem und einen viereckigen Karton. Ja, der sah gut aus, den würde ich nehmen!

Ich griff danach, dann drehte ich den Deckel auf und legte den Karton schief, um dessen Inhalt auf mein Brötchen laufen zu lassen. Doch es blieb nicht wie erwartet liegen, sondern es lief herunter, quer über den Tisch und schließlich auf meinen Schoß und auf den Boden mit dem blauen Untergrund. Ich schrie auf, dann stellte ich diesen verflixten Karton wieder auf den Tisch.

Bill lachte derweil so laut und stark, dass er bereits auf dem Boden lag.

„Ah, Tom! Du bist so geil, ey! Ich kann nicht mehr!“

Ich begann langsam zu fluchen.

„Was ist das für ein verdammtes weißes Zauberzeug?“

„Tom, das nennt man Milch und man kann es nicht auf sein Brötchen tun, das kann man nur trinken!“

„Äh… Aha.“

Ich setzte mich auf einen weiteren Hocker und starrte auf die ganzen Dinge auf dem Tisch, wagte aber nicht, etwas davon anzurühren.

Bill hatte sich langsam beruhigt, er stand auf und holte einen Lappen.

„Alles auf den Teppich!“

Er begann, den blauen Untergrund zu putzen. Das nannte man also „Teppich“, aha.

Als er damit fertig war, setzte er sich auf seinen Platz zurück.

„Ich glaube, ich mach dir lieber ein Brötchen.“

Ich nickte nur, und während Bill mit diesem Messer ein Brötchen bearbeitete, begann er, mich etwas zu fragen.

„Was ist heute eigentlich mit dir los? Du bist total anders und abweisend!“

„Was mit mir los ist? Ich bin gestern Abend normal ins Bett gegangen und eingeschlafen und dann bin ich auf einmal hier aufgewacht! In einer völlig neuen Welt!“

„Wieso völlig neue Welt? Du lebst schon immer hier!“

„Nein, tu ich nicht! Ich lebe ganz normal im Mittelalter, mit dir als Bruder und nichts weiter!“

„Im Mittelalter? Tom, wir schreiben das Jahr 2007! Hast du gestern Abend zu viel gesoffen und dir die Kante gegeben?“

„Die was bitte?“

„Vergiss es, ich werde dieses Spielchen mitspielen, aber nur dir zuliebe!“

Er reichte mir sein Brötchen und ich aß es auf, wenigstens das funktionierte wie immer. Er hatte eine komische dunkelbraune Paste heraufgeschmiert, die sehr süßlich schmeckte, aber lecker.

Als ich das Brötchen aufgegessen hatte, räumte Bill den Tisch leer.

„Komm, wir gehen shoppen!“

„Wir gehen was?“

„Shoppen. Ach so, ja… Das ist so was wie einkaufen. Man kauft ganz viele Sachen, die einem gefallen. Mit Geld, weißt du.“

„Ja, natürlich. Aber ich hab doch hier gar kein Geld bei mir! Nicht einmal eine Goldmünze!“

„Goldmünze? Wir bezahlen mit dem Euro, auch hier in Magdeburg! Ich hab genug Geld, komm, lass uns gehen!“

Bill nahm mich an die Hand und zog mich nach draußen vor die Tür. Dort traf mich ein halber Donnerschlag.

„Was… Was ist das alles?“

Seltsame Wagen fuhren auf einem großen grauen Weg vor dem Haus, aber ich sah kein einziges Pferd! Wie konnte das sein? Vorsichtig trat ich einen Schritt nach vorne, berührte eine große lange Stange, die auf dem Rasen stand.

Bill verdrehte nur die Augen.

„Das ist eine Straßenlaterne, die geht abends an, wenn es dunkel wird.“

„Klettert da jeden Abend einer hoch, um die anzuzünden?“

Ich weiß nicht, was an diesem Satz so komisch war, aber mein Zwilling brach in schallendes Gelächter aus.

„Heutzutage gibt es so was wie Elektrizität, Tom! Stromkabel sind überall unter der Erde verlegt und machen die Laterne ganz automatisch an.“

Ah ja… Ich ging weiter, bis ich plötzlich ein ohrenbetäubendes Quietschen hörte, danach Bills Stimme.

„Tom! Nicht einfach so auf die Straße!“

Die was? Knapp vor mir hatte eins von diesen Dingern ohne Pferd gehalten und ein Mann schimpfte aus dem Fenster.

„Hast du keine Augen im Kopf? Du hättest tot sein können!“

Hätte ich? Vollkommen verwirrt stand ich weiterhin auf diesem grauen Boden herum, bis Bill mich zu Seite zog. Ich blickte ihn fragend an.

„Was zur Hölle war das denn jetzt?“

„Das war ein Auto, Tom! Die fahren auf der Straße, also auf dem grauen da! Und sie gehen davon aus, dass Leute wie du und ich nach ihnen Ausschau halten.“

Okay… Verwirrt machte ich gar nichts Unüberlegtes mehr sondern folgte meinem Bruder bis in ein ganz großes Gebäude. Hier waren tausende Dinge, die ich alle noch nie in meinem Leben gesehen hatte. Treppen, die sich von selbst bewegten, große Räume mit Kleidungsstücken und ganz vielen bunten Lichtern und Schriftzügen, überall liefen Leute, die auch diese komischen Gewänder anhatten wie Bill und ich. Ja, auch ich trug jetzt so was. Bill hatte mir etwas gegeben und ich hatte es angezogen. Schon eigenartig, so viele einzelne Teile…

Bill zog mich in einen dieser Räume hinein.

„Komm, wir müssen Klamotten kaufen!“

Klawas? Ich ließ mich nur hinterziehen und sah, wie Bill immer wieder einige dieser Gewänder anprobierte, bis er irgendwann zu einer jungen Frau ging und ihr ein Stück Papier gab. Sie war anscheinend froh darüber und gab ihm einige Münzen zurück. Komisch das ganze hier…

So verging die Zeit, Bill schleppte mich immer weiter in mehrere dieser Räume, die er „Läden“ nannte, dann stiegen wir auf diese Treppe, die sich von selbst bewegte. Ich musste mich ganz schön an Bill festklammern, um nicht den Halt zu verlieren, ganz geheuer war mir dieses Teil nicht…

Oben angekommen (ja, oben! Ich konnte von hier aus alles überblicken) zog Bill mich in einen Laden mit dem Namen „Media Markt“. Noch mehr Kleidung?

Doch hier war keine Kleidung zu finden, nur lauter komische Geräte… Bill lachte, dann führte er mich zu einem Regal mit viereckigen Kästen.

„Das sind DVDs. Die packt man in den DVD-Player und schon kann man den Film im Fernsehen anschauen!“

Ah ja… Viel zu viele Fremdwörter, aber ich ließ Bill weiter erklären.

Er zog mich in immer mehr Abteilungen, zeigte mir Dinge, die er „Telefon“, „Fernseher“, „DVD-Player“ und „Computer“ nannte. Ich hatte inzwischen Kopfschmerzen, so viele komische Sachen…

Vor einem anderen Regal blieb er stehen.

„Ah, gut, dass wir hier sind. Ich brauch noch einen Toaster, unser ist gestern Abend durchgebrannt.“

Okay… Bill begutachtete einen von diesen komischen Dingern, die oben zwei Schlitze hatten und an der Seite einen Hebel. Wofür das schon wieder gut war…

Doch Bill schüttelte den Kopf.

„Viel zu teuer! Da guck ich zu Hause lieber bei eBay!“

Einfach nicken, Tom, einfach nicken…

Irgendwann verließ ich mit meinem Bruder den Laden wieder, nachdem ich noch Begriffe wie „Playstation“ und „Kopfhörer“ gelernt hatte.

Als nächstes führte Bill mich in einen kleinen Laden, der komische bunte Kugeln verkaufte und dort setzten wir uns an einen Tisch.

„Also Tom, was willst du?“

Äh… Gegenfrage… Was kann man denn hier kaufen?

Plötzlich trat eine Frau mit einer weißen Schürze an unseren Tisch und Bill sagte ihr, er wolle „Zwei Kugeln Vanille!“. Als die Frau mich anschaute, nickte ich nur. „Dasselbe, danke.“. Ich hatte keine Ahnung, was das war, aber gut…

Irgendwann kam die Frau wieder und drückte Bill etwas in die Hand, was unten spitz zulief und oben drauf zwei hellgelbe Kugeln hatte. Ich bekam dasselbe.

„Guten Appetit, Bruderherz!“

Appetit? Also konnte man das essen. Okay… Herzhaft biss ich in dieses helle Etwas, doch sofort spuckte ich es wieder aus, und zwar quer über den Tisch. Verdammt, war das kalt! Mein ganzer Mund war wie gelähmt…

Bill saß mir gegenüber und lachte sich schon wieder scheckig… Ich dachte, das kann man essen…

„Oh man, Tom! Das ist ein Eis, das leckt man! Siehst du, so!“

Er demonstrierte mir, wie man so ein Eis zu essen hatte und ich tat es ihm nach. Ja, so war das schon viel besser…

Irgendwann machten Bill und ich uns wieder auf den Heimweg. Draußen war es bereits dunkel geworden und vereinzelte Lichter standen an den Seiten. Das waren wohl diese Straßenlaternen, von denen Bill geredet hatte…

Nach einiger Zeit waren wir wieder zu Hause, falls man das hier zu Hause nannte… So bunt und nicht wirklich aus normalen, mir bekannten Steinen gebaut…

Angekommen, ging Bill in die Küche und öffnete einen großen Schrank, bevor er zwei runde flache Teile hervorholte.

„Ich schieb uns zwei Pizzen in den Ofen.“

Schon klar… Bill entfernte von diesen runden Dingern ein bisschen knisterndes Papier, dann steckte er die zwei in einen viereckigen Kasten, betätigte einen Knopf und das Teil fing an zu leuchten.

Doch weiter staunen konnte ich nicht, Bill zog mich nach oben in mein Zimmer. Dann ging er zu dem… Moment, wie hieß es noch? Monitor? Ja, so war es. Dort schaltete er unten den „Computer“ an und einen Moment später erschien ein Bild auf dem Monitor.

Ich legte mich nur vollkommen verwirrt aufs Bett, bis Bill den anderen großen Kasten vor mir anschaltete.

„Hier, kannst ja solange fernsehen, ich will diesen Toaster!“

Genau… Sehe ich auch so…

Aus dem Kasten kamen plötzlich Töne und auch hier war ein Bild zu sehen. Mehrere Leute saßen auf Stühlen und diskutierten lauthals, eine Frau stand vor ihnen und stellte ihnen Fragen. Was auch immer das war: Irgendwie war es unterhaltsam.
Irgendwann ließ mich ein Aufschrei seitens Bill aus meinen Gedanken reißen.

„Yeah, ich hab den Toaster bei eBay ersteigert!“

„Herzlichen Glückwunsch!“, meinte ich nur, hatte keine Ahnung, wozu dieser Toaster gut war, geschweige denn was eBay war… Aber ich ließ meinen Bruder machen.

Irgendwann verschwand er und kam dann mit den beiden runden Dingern auf einem Teller zurück und reichte mir eins.

„Pass auf, ist heiß.“

Ich nickte, und nach einigen Versuchen gelang es mir sogar, dieses Teil, was Bill „Pizza“ nannte, zu essen.
Danach war ich einfach nur hundemüde und ließ mich zurück aufs Bett sinken, wo ich die Augen schloss. Was für ein anstrengender Tag, wo war ich hier nur gelandet?

 

Ich muss wohl irgendwann eingeschlafen sein, jedenfalls wurde ich wach, als mich plötzlich etwas an der Nase kitzelte. Ein Sonnenstrahl. Langsam öffnete ich die Augen und sah, dass ich mich in meiner Kammer befand.

Vorsichtig setzte ich mich auf. Ja, es war eindeutig meine Kammer, alles war wie immer. Kein Computer, kein Fernseher, gar nichts! Es war wohl alles nur ein Traum.

Glücklich und erleichtert ließ ich mich zurückfallen, bis ich plötzlich die laute Stimme meines Bruders Bill vernahm, der auch schon prompt mit seinem roten Gewand in meinem Zimmer stand.

„Tom, Tom! Ich hab den Toaster bei eBay ersteigert!“


ENDE

16.10.07 22:29, kommentieren