"Ich bin nicht ich Teil 1" by Lish

Ich bin nicht ich

 

 

//Tom

 

Piep, piep, piep. Moah, ich hasste dieses Geräusch! Jeden Morgen um sieben musste ich es ertragen! Welcher Idiot hatte eigentlich die Schule und den Wecker erfunden? Der gehört doch in die Klapse! Mit einem gewohnten Schlag löschte ich das dämliche Geräusch und es war wieder still. Geht doch, jetzt könnte man doch eigentlich noch ein bisschen schlafen. Ich drehte mich um und schloss die Augen, doch kaum hatte ich meine Gedanken wieder dem geilen Chick aus meinem Traum zugewandt, klopfte es an der Tür und meine Mum rief mit heller Stimme: „Tom, aufstehen!“ Ich verdrehte die Augen und drückte mir mein Kissen auf den Kopf. Als ob ich das nicht selber wusste! Es war schließlich jeden Morgen dasselbe! „Ja!“ rief ich durch das Kissen gedämpft zurück, blieb noch drei Sekunden liegen und schob dann die Decke weg. Moah, auch das noch! Ich träumte echt zu viel von Girls. Wie sollte ich diesen Ständer denn jetzt noch auf die Schnelle wieder herunterbekommen? Na ja, irgendwie musste es klappen. Ich setzte mich auf, rieb mir die Augen und warf meine Dreads über die Schulter. Was soll’s?! Mit ein wenig Schwung stand ich auf, nahm mein grünes Eckô United – Shirt und zog es mir über den Kopf. Dann wechselte ich schnell meine Unterwäsche und zog dann eine viel zu weite Jeans an. War mir doch egal, was andere über mich dachten, ich lief rum, wie es mir gefiel! Schnell noch ein Paar Socken angezogen und in die weißen Air Force Sneakers von Nike geschlüpft und ab ins Bad. Müde blickte ich in den Spiegel. Dann griff ich nach meiner Zahnbürste, schmückte sie mit Zahnpasta und putzte mir die Zähne. Nachdem meine Zähne dann endlich blitzten, ließ ich dem Wasser durch den Hahn freien Lauf und reinigte dann damit mein Gesicht von den Strapazen der letzten Nacht. Danach griff ich nach meinem dunkelbraunen Zopfband und band meine wilden Dreads zu einem Pferdeschwanz zusammen. Als nächstes zog ich mir das Schweißband über die Ohren und setzte mir schließlich eine meiner vielen Caps auf. Heute war die grüne mal dran, passend zum Shirt. Endlich war ich fertig und blickte auf den Wecker. Viertel nach sieben. Okay, ich war zur Abwechslung mal früh dran. Ich gähnte, nahm verschlafen meinen Rucksack, schnallte ihn mir auf den Rücken und verließ das Haus. Den Schulweg zu Fuß trat ich wie immer allein an, was blieb mir auch anderes übrig? Außer der Transe wohnte niemand aus meiner Klasse in meiner Nähe, und mit dem wollte ich nicht zur Schule gehen! Der Streber war auch mit Sicherheit schon da, war ja immer so. Erst im Klassenraum traf ich auf Pat, der mich auch gleich stürmisch begrüßte. „Hey, Tom Alter! Was geht?” „Nichts.” „Aha.“ Ja, so sahen unsere Gespräche immer aus. Zumindest vor der ersten Stunde. Dann kam auch Freddy dazu und ich stieß ihn an. „Hey Alter! Hast du schon unsere Transe gesehen?“ „Allerdings!“ Freddy nickte genervt und deutete mit dem Finger auf IHN! Auf den Typen der Schule, den ich abgrundtief hasste! Und der ging auch noch in meine Klasse! Aber das Allerschlimmste war, dass er denselben Nachnamen hatte wie ich, weiß der Teufel warum: Bill Kaulitz!

 

 

//Bill

 

„Bill, raus mit dir!“ „Okay, Mum!“ Ich blickte auf meinen Wecker, war schon längst wach. Halb sieben. Gut, dann hatte ich ja noch genug Zeit. Lächelnd und gut gelaunt machte ich mich raus aus meinem Bett. Für heute wählte ich mein enges schwarzes T-Shirt mit dem roten Totenkopf vorne drauf, dazu eine enge dunkelblaue Jeans, die ich allerdings in meine hohen weißen Stiefel steckte. Jetzt noch schnell ins Bad und dann war ich soweit. Schnell brachte ich meine Zähne auf Hochform und wusch mir mein Gesicht und jetzt waren meine Haare an der Reihe. Ich lächelte meinem Spiegelbild zu, nahm die Bürste und durchkämmte meine langen schwarzen Haare. Danach nahm ich die Tube Gel, drückte etwas von dem kalten Zeug auf meine Fingerspitzen und brachte meine fransigen Haare damit in Form. Nach einiger Zeit saßen sie auch ganz gut. Jetzt noch eine Vierteldose Haarspray und ich war bereit für die Schule. Ach, nein! Grinsend griff ich nach meinem Kajal und schminkte meine Augen tief schwarz. Jetzt war ich fertig! Noch einmal lächelte ich meinem Spiegelbild zu und ging in mein Zimmer zurück. Dort griff ich mir meinen Rucksack und machte mich auf dem Weg zur Schule. Ein herrlicher Tag, Sonnenschein und bestimmt 25 Grad! Ich lief den Weg entlang, allein. Außer dem Wischmopptypen wohnte aus meiner Klasse niemand hier, und der wäre der Letzte, mit dem ich zur Schule gehen würde! Der Kerl hielt sich für ganz cool, dabei hatte er nur einen dämlichen Feudel auf dem Kopf. Und warum der zur Schule ging, fragte ich mich schon seit ich mit ihm in eine Klasse gekommen war. Er kam mindestens einmal die Woche zu spät, machte nie seine Hausaufgaben. So ein Idiot! Ich blickte auf meine Uhr. Sieben. Perfekt, ich bin genau rechtzeitig da. Strahlend betrat ich das Klassenzimmer, wurde von Andi und Chris bereits empfangen. „Hey Bill! Alles klar?” Ich nickte. „Klar, und bei euch?“ „Sowieso!“ Ich redete noch eine Weile mit den beiden, bis dieser Idiot den Klassenraum betrat. Wow, er war heute sogar pünktlich! Welch Wunder! Ich musterte ihn gründlich, er tat es mir nach. So ein eingebildeter Blödmann! Ich schüttelte nur den Kopf und setzte mich dann auf meinen Platz. Was die ganze Sache noch dämlicher machte: Der Wichser hatte denselben Nachnamen wie ich! Ich hab keine Ahnung, wie das sein kann, aber es ist so: Tom Kaulitz!

 

 

//Tom

 

Tz, da gaffte diese komische Transe mich doch tatsächlich an, als ich ins Klassenzimmer trat, also tat ich dasselbe. Der sah echt mal aus wie ein Mädchen! Lange schwarze fransige Haare, enge Klamotten und geschminkte Augen. Jetzt noch Titten und das wäre sogar ein recht heißes Teil! Endlich schaute er weg und ich setzte mich auf meinen Platz. Schon betrat der Lehrer den Raum und war bereit für unseren heutigen Matheunterricht. Ich legte den Kopf auf den Tisch und fuhr mit meinem Nickerchen von heute morgen fort, bekam von den ersten beiden Unterrichtsstunden wenig mit. Irgendwann spürte ich einen Schlag in der Seite und blickte verschlafen auf. Pat hatte mich angestoßen. „Aufstehen, Tom! Pause!“ Na endlich! Blitzschnell fuhr ich hoch, sprang von meinem Stuhl auf und lief runter in die Pausenhalle. Und dort standen sie auch schon am Stundenplan: Gustav und Georg, meine Kumpels. Ich gab ihnen zur Begrüßung die Hand. „Hey Boys!“ Gustav grinste. „Hi Tom, na, alles paletti?” Ich nickte. „Jo, man.” Und schon kam das nächste Problem auf mich zugelaufen. Diese dumme Transe war ebenfalls mit Gussi und Georg befreundet, das heißt, ich musste es wohl oder übel in den Pausen mit ihm aushalten. Er kam angesprungen und klopfte den beiden auf die Schulter. „Hallo ihr zwei!“ „Hi Bill!“ antwortete Georg und ich warf ihm böse Blicke zu. Das waren meine Kumpels, und wenn der mir die irgendwie wegnehmen wollte, dann gnade ihm Gott! Wir unterhielten uns für den Rest der Pause, bis es dann klingelte und wir wieder in unsere Klasse gingen, Bill und ich getrennt. Nun sollte wieder langweiliger Unterricht folgen.

 

 

//Bill

 

Nachdem mich dieser Penner eine Ewigkeit angeglotzt hatte, erschien unser Lehrer und der Unterricht begann. Tom setzte sich auf seinen Platz und würde gleich womöglich wieder einschlafen, wie immer. Auch ich setzte mich, schüttelte über diesen Blödmann den Kopf und holte meine Sachen heraus. Aufmerksam schrieb ich alles mit und machte mir eifrig Notizen, so gingen die ersten beiden Stunden relativ schnell vorüber. Dann war Pause. Langsam erhob ich mich und ging aus dem Klassenzimmer. Mr. Wischmopp hatte es sehr eilig, zu den anderen zu kommen. Leider hatten der Arsch und ich zufällig dieselben Freunde, das war etwas doof, aber egal, was tat man nicht alles für Gustav und Georg. Ich eilte schnell ebenfalls zu ihnen, die drei standen am Stundenplan und warteten auf mich. Fröhlich sprang ich auf sie zu und klopfte Gussi und Georg auf die Schulter. „Hallo ihr zwei!“ „Hi Bill!“ antwortete Georg mir und für den Rest der Pause ignorierte ich Tom einfach, während ich mit den beiden rumalberte. Unsere Pausen waren echt die besten, wenn man mal davon absah, dass dieser Idiot immer dabei war. Wäre der weg, wäre die Pause echt mal das geilste an der Schule. Irgendwann klingelte es dann auch wieder und ich machte mich – separat von Tom – auf den Weg zum Unterricht, nachdem ich mich von Gussi und Georg verabschiedet hatte. Ah, die beiden waren echt voll cool, ich mochte sie einfach.

 

 

//Gustav

 

Die Pause mit Bill und Tom wurde mal wieder recht spaßig, aber eins ging mir auf den Keks: Die beiden hassten sich! Wenn sie sich nicht ständig gegenseitig bekriegen würden, gäben wir eine prima Clique ab, aber nein! Einer von beiden machte den anderen immer nieder, und wenn nicht, dann war einer immer still und ignorierte den anderen gekonnt. Ich hielt das nicht mehr aus, hatte keinen Bock mehr auf so ein kindisches Getue, wollte, dass die beiden sich vertrugen. Als sie dann am Ende der Pause wieder zu ihrem Klassenraum gingen, erzählte ich Georg von meinem Plan. Wir hatten zufällig beide gerade eine Freistunde, deshalb setzten wir uns gemeinsam im Forum zusammen und ich erzählte Schorschi von meinem Plan. „Georg, pass auf!“ Ich legte meine Sachen auf den Boden und setzte mich dann an die Wand, machte es mir dort bequem. Georg tat es mir nach. „Dann schieß mal los!“ Ich nickte, räusperte mich noch einmal kurz und legte dann los. „Es geht mir auf die Eier, dass Bill und Tom sich hassen! Weißt du? Ich hätte gerne eine richtige Clique, mit uns vieren! Aber dafür müssen wir irgendwie dafür sorgen, dass sie sich anfreunden. Ich hab auch schon einen Plan, machst du mit?“ Georg nickte. Ich wusste, dass er dasselbe dachte wie ich. „Klar, gute Idee. Dann erzähl mal!“ Und ich erzählte Georg von meinem Plan.

 

 

//Tom

 

Endlich! Nach sechs endlosen Stunden war der heutige Schultag endlich vorüber und ich machte mich auf den Weg nach Hause. Viel hatte ich auch heute nicht mitbekommen, hatte nur das Nötigste, was an der Tafel stand, mitgeschrieben, ansonsten nur mit Pat und Freddy geredet, Zettel geschrieben oder mein Können als Tischdesigner unter Beweis gestellt. Zu Hause angekommen schob ich erstmal meine Spaghetti zum Mittagessen rein, bevor ich mich in meinem Zimmer verdrückte. Ich liebte dieses Essen! Die schmeckten genauso geil wie Pizza Margherita, mein anderes Lieblingsessen. Als nächstes führte mein Weg zum Kühlschrank und ich öffnete mir gierig eine Dose Red Bull. Zeit zum Wachwerden, wenn die Schule schon so einschläfernd war. Dann betrat ich mein Zimmer, pfefferte meine Sachen in die Ecke und zückte mein Handy. „Eine Kurzmitteilung erhalten“ las ich. Ich drückte ein paar Knöpfe und schon konnte ich die Sms lesen. Sie kam von Gustav. „Hey Tom! Hast du heute Zeit? 15:00 Uhr am Marktplatz, Georgs Auto steht da, wir treffen uns dort. Georg kommt auch. Bis nachher, Gussi.“ Ich lächelte. Yeah, eine Beschäftigung für heute! Ich blickte auf die Uhr. Viertel nach zwei. Gut, dann konnte ich mich schon auf den Weg machen, ehe ich mit meiner Hose am Marktplatz angekommen war, war sowieso Weihnachten. Ich machte mich also auf den Weg zu Schorschis Auto. Es stand dort auch, genau in der Mitte des Platzes. Tja, es ist nur von Vorteil einen Kumpel zu haben, der bereits Auto fährt, auch, wenn er dieses mit der Schwester teilen musste. Ich trat näher an den schwarzen Wagen heran, erblickte eine Person, die cool an der Fahrertür lehnte. „Gustav!“ dachte ich, ging hin und stellte mich vor ihn. „Da bin ich, was gibt’s?“ Doch als er mich ansah, bekam ich fast einen Herzinfarkt.

 

 

//Bill

 

Wenn man mal von Toms Anwesenheit absah, war auch der heutige Schultag wieder recht cool. Ich hatte wieder jede Menge Spaß, auch im Unterricht, und irgendwann war der Morgen rum. Ich trat den Heimweg an und war schließlich zu Hause. Meine Mum wartete schon mit dem Mittagessen auf mich. Pizza Margherita, ich liebte diese Art von Nahrungsmittel! Ich nahm Platz und aß gemütlich mit meiner Mum, die mich über die Schule ausquetschte. Als wir fertig waren, blickte ich auf meine Uhr. Halb drei. Ich lächelte und ging in mein Zimmer, wo ich auf meinem Handy las, dass ich eine Sms bekommen hatte. Ich öffnete diese und las folgenden Text: „Hey Bill! Heute 15:00 Uhr an meinem Wagen, der steht am Marktplatz, meine Schwester hat ihn gerade benutzt. Ich hoffe du kommst, Gussi wird auch da sein. Bis nachher, Schorschi.“ Ich musste grinsen. Eine Beschäftigung. Zwischen Hausaufgaben und lernen sollte so ein kleines Treffen wohl drin sein. Aber ich wollte auf keinen Fall zu spät sein und machte mich auf den Weg. Ich kam schon eine Viertelstunde zu früh an dem Auto an und lehnte mich cool an die Fahrertür. Es dauerte, wurde langsam drei, aber keiner der beiden war zu sehen. Langsam machte ich mir Sorgen, blickte immer wieder auf meine Uhr, bis plötzlich jemand vor mir stand und mich anlaberte. „Da bin ich, was gibt’s?“ Ich schaute auf und blickte in SEIN Gesicht. „Was willst du denn hier?“ Da stand doch tatsächlich dieser Wischmoppwichser vor mir! Er verengte die Augen und musterte mich. „Tja, zufällig bin ich hier mit Gussi und Georg verabredet, also verschwinde schnell wieder.“ Ich lachte. „Ganz zufällig bin auch ich mit ihnen hier verabredet.“ Er starrte mich eine Weile an, bis plötzlich sein Handy klingelte.

 

 

//Georg

 

Shit! Den ganzen Monat ist nichts, aber heute! Als zukünftiger Abi-Prüfling musste ich mich heute nach der letzten Stunde im Lehrerzimmer bei meinem Wirtschaftslehrer melden. Da ich aber heute sieben Stunden und somit bis um halb drei Schule hatte, konnte ich nicht rechtzeitig am Treffpunkt sein. Ich traf mich also im Lehrerzimmer mit meinem Pauker, der mir eifrig erzählte, was ich in der Prüfung alles zu wissen hatte. Schnell machte ich mir ein paar Notizen und stopfte meine Sachen nach der Besprechung schnell wieder in den Rucksack. Dann blickte ich auf meine Uhr. Fünf nach drei. Verdammt! Ich zückte mein Handy und rief Tom an, wusste, dass Gustav vor der Schule auf mich wartete. Er meldete sich auch gleich. „Ja?“ Ich räusperte mich. „Tom? Ich bin’s, Georg.“ „Ah, Schorschi. Was gibt’s?“ „Ich komm später, hatte gerade noch eine wichtige Besprechung mit ’nem Lehrer. Gussi ist auch hier, der kommt auch später. Aber ich denke, bis halb vier schaffen wir das wohl. Ihr könnt von mir aus auch schon einsteigen, meine Schwester hat das Auto gerade benutzt, es müsste noch offen sein, zumindest hab ich ihr das gesagt.“ „Alles klar, aber beeilt euch, ich habe hier nämlich beschissene Gesellschaft!“ Ich nickte und legte auf, wusste, dass auch Bill dort war und konnte nur hoffen, dass die beiden sich nicht so sehr hassten, dass einer von ihnen nach Hause ging. Schnell verstaute ich das Handy wieder in meiner Hosentasche und verließ das Schulgebäude. Draußen traf ich auf Gustav und gemeinsam machten wir uns schnell auf den Weg zum Marktplatz.

 

 

//Tom

 

„Was willst du hier?“ Moah, gibt’s das denn? Ständig machte diese dumme Transe mich an! Es war doch wohl meine Sache wo ich war! Aber dass sich Gussi und Georg mit mir treffen wollten und nicht mit dem Penner war ein gutes Zeichen und ich hielt es ihm auch sofort unter die Nase. „Tja, zufällig bin ich hier mit Gussi und Georg verabredet, also verschwinde schnell wieder.“ Ich verschränkte siegessicher die Arme vor der Brust, doch er lachte nur. „Ganz zufällig bin auch ich mit ihnen hier verabredet.“ Das durfte doch jetzt echt nicht wahr sein, oder? Jetzt musste ich dieses Arsch auch noch außerhalb der Schule sehen! Ich schaute ihn an, konnte den Blick nicht von diesem Mädchen abwenden. Doch mein Handy zog mich aus meinen Gedanken und ich ging ran. „Ja?“ „Tom? Ich bin’s, Georg.“, kam es vom anderen Ende. „Ah, Schorschi. Was gibt’s?“ „Ich komm später, hatte gerade noch eine wichtige Besprechung mit ’nem Lehrer. Gussi ist auch hier, der kommt auch später. Aber ich denke bis halb vier schaffen wir das wohl. Ihr könnt von mir aus auch schon einsteigen, meine Schwester hat das Auto gerade benutzt, es müsste noch offen sein, zumindest hab ich ihr das gesagt.“ „Alles klar, aber beeilt euch, ich habe hier nämlich beschissene Gesellschaft!“ Grinsend legte ich auf und blickte in Bills wütendes Gesicht. Dann zuckte ich mit den Schultern. „Ist doch so!“ Er holte aus und schlug mit seiner Faust nach mir, traf mich aber nicht. Typisch Mädchen eben. Ich wollte gerade mit einer Ohrfeige antworten, als ich plötzlich ein tiefes Grollen vernahm. „Shit, ein Unwetter!“, sagte das Girl. Ich lachte. „Bist du aus Zucker? Aber von mir aus können wir uns auch im Auto weiter kloppen, falls du den Mut dazu hast!“ Er wurde wütend und versuchte nach mir zu treten, doch im nächsten Moment brach der komplette Regen aus den Wolken auf uns hernieder und mit einem gekonnten Sprung schmiss ich mich auf den Fahrersitz, knallte Bill die Tür vor der Nase zu. Er lief erst komplett ums Auto umzu und setzte sich dann pitschnass auf den Beifahrersitz. „So“, provozierte er dann, „dann zeig mir mal, wie ein Reinigungsgerät so prügeln kann!“ Das ließ ich nicht auf mir sitzen! Ich stürzte vor und griff ihn an, schlug ihm mit der Faust aufs Gesicht, doch auch er war nicht lahm und traf mich an der Lippe. Dann plötzlich hörte ich einen lauten Knall und mir wurde ganz heiß.

 

 

//Bill

 

„Ja?“ Tz, da hatte der Kerl tatsächlich Freunde, die ihn auf dem Handy anriefen! Angeber! Und ich musste auch noch einige Gesprächsfetzen ertragen! „Ah, Schorschi. Was gibt’s?“ Schorschi? Da telefonierte der tatsächlich mit Georg! Warum hatte dieser mich nicht angerufen? „Alles klar, aber beeilt euch, ich habe hier nämlich beschissene Gesellschaft!“, sagte Tom grinsend und legte auf. Ich war stocksauer und als er mir auch noch ein „Ist doch so!“ an den Kopf knallte, konnte ich mich nicht mehr zurückhalten und schlug nach ihm. Leider traf ich nicht, und als er mich ebenfalls schlagen wollte, hörten wir ein Grummeln. Gewitter, dachte ich, und das wiederum würde wahrscheinlich einen starken Schauer mit sich tragen. „Shit, ein Unwetter!“ brachte ich hervor und der Wischmopppenner lachte. „Bist du aus Zucker? Aber von mir aus können wir uns auch im Auto weiter kloppen, falls du den Mut dazu hast!“ Ich trat nach ihm, doch er war schneller und sprang ins Auto, auf den Fahrersitz. Im selben Moment prasselte der Regen nur so auf mich herab und ich war von einer Sekunde auf die andere pitschnass. Schnell lief ich um das Auto und setzte mich dann auf den Beifahrersitz, während es draußen nur so aus Eimern goss und laut gewitterte. „So“, meinte ich dann, wollte wissen, ob er sich tatsächlich schlagen würde, „dann zeig mir mal, wie ein Reinigungsgerät so prügeln kann!“ Er griff mich an und schlug mich mit der Faust auf die Nase, doch ich schlug zurück, traf ihn am Mund. Doch zu mehr kamen wir nicht, es gab einen lauten Knall und mir wurde plötzlich kochend heiß. Verwirrt hielt ich inne und stieg von Tom runter, meine Lippe schmerzte wie verrückt. Moment mal, meine Lippe? Er hatte mich doch an der Nase erwischt. Langsam wich ich zurück auf den Fahrersitz, musste erstmal verdauen, warum mir gerade so heiß war. Dann schaute ich nach, wie es unserem Feudel ging, dass ihm etwas Schweres zugestoßen war, wollte ich ja auch nicht. Doch als ich ihn sah, verschlug es mir die Sprache. „D... du? Ich? Aber... wie kann das sein?“ Ich sah meinen eigenen Körper auf dem Beifahrersitz liegen!

 

 

//Tom

 

Moah, war mir plötzlich heiß! Bill ließ von mir ab und ich setzte mich erstmal verwirrt auf den Beifahrersitz, schloss die Augen und überlegte, was gerade passiert war. Meine Klamotten waren klitschenass und ich fragte mich, wie das sein konnte, ich war doch noch im Trockenen ins Auto gekommen und so viel Blut hatte ich nun wirklich nicht von dem luschigen Schlag verloren! Ich schaute an mir runter und bekam fast einen Herzinfarkt. Ich trug eine enge Jeans und ein T-Shirt mit einem Totenkopf drauf! Das hatte ich doch heute Morgen nicht angezogen! Das waren Bills Klamotten! Verwirrt strich ich mir meinen Pony aus dem Gesicht. Moment mal, Pony? Meine Dreads wurden hinten von meiner Cap zusammengehalten, ich hatte keinen Pony, schon gar keinen schwarzen! Dann hörte ich Bill. „D... du? Ich? Aber... wie kann das sein?“ Zitternd blickte ich zur Seite und konnte nicht glauben, was ich dort sah: Mein Körper saß dort! Das… das war doch nicht möglich! Wieso steckte ich plötzlich in Bills Körper und er in meinem? Das war schier unmöglich! Ich zeigte vorsichtig auf ihn. „Du… in meinem Körper… du bist… ich? Bill?“ Er war anscheinend genauso verwirrt wie ich und nickte nur. „Dann… dann bist du in meinem Körper?“ Ich nickte, so war es wohl. „Aber… wie kann das sein?“ Er klang ziemlich aufgelöst. Ich wusste nicht warum, aber ich legte meine Hand auf sein Knie – nein, eigentlich auf mein Knie. „Das war der Blitz. Durch sein Einschlagen haben wir unsere Körper getauscht.“ Seine Augen weiteten sich und er stolperte fast schon aus dem Auto heraus, landete auf dem harten Steinboden. Ich stieg meinerseits aus dem Wagen, war voll merkwürdig, meine Hose – beziehungsweise Bills Hose - klemmte voll in meinem oder auch seinem Schritt. Langsam ging ich zu ihm auf die andere Seite und reichte ihm die Hand. Er war vollkommen perplex, zitterte überall. „Komm schon, das wird wieder.“, meinte ich, glaubte meine Worte aber selbst nicht, hoffte nur innerlich, dass es wirklich stimmte.

 

 

//Gustav

 

Endlich kam Georg und wir machten uns auf dem Weg zum Marktplatz zu seinem Auto, als es plötzlich wie aus Eimern anfing zu gießen. „Verdammt!“, rief Georg und wir begannen zu rennen. Als wir dann schließlich völlig durchnässt bei Georgs Auto ankamen, hörte es auch prompt auf zu regnen. Das war so klar. Doch ich traute meinen Augen kaum. Tom lag auf dem Boden vor dem Auto, Bill stand über ihm und reichte ihm die Hand. Was ging hier denn ab? Tom nahm sie zögerlich und ließ sich von Bill auf die Beine ziehen. Schorschi und ich traten näher. „Hey, was ist denn los? Tom? Ist irgendetwas passiert?“ Während Tom sich zitternd seine Klamotten abklopfte, ergriff Bill das Wort. „Nein, nichts Schlimmes, mir geht es gut.“ Ich zog eine Augenbraue hoch. „Ich habe nach Tom gefragt und nicht nach dir, Bill.“ Er starrte mich vollkommen entgeistert an und meinte dann: „Ja. Ich bin doch auch Tom.“ Mir stand der Mund offen. Wieso hielt sich Bill für Tom? Das machte jetzt mal gar keinen Sinn. Georg stellte sich direkt vor ihn. „Bill? Alles in Ordnung?“ Tom schüttelte den Kopf. „Nein, nichts ist in Ordnung! Ich will meinen Körper zurück!“ Georg und ich machten einen Satz rückwärts. „Was?“, brachte Georg schließlich hervor. „Deinen Körper zurück? Was ist denn passiert?“ Bill trat vor. „Der Blitz ist ins Auto eingeschlagen und Bill und ich haben unsere Körper getauscht! Jungs, bitte helft uns! Ich will nicht für den Rest meines Lebens in Weiberklamotten rumlaufen!“ „Hey ja, ich trage keine Weiberklamotten!“, kam es von Tom und er stürzte sich auf Bill. Ich verstand die Welt nicht mehr. Was bitte sollte hier passiert sein?

 

 

//Bill

 

Tom – in meinem Körper – blickte mich an und zeigte auf mich. „Du... in meinem Körper... du bist... ich? Bill?“ Ich nickte, so musste es gewesen sein. Das war alles so verwirrend! „Dann... dann bist du in meinem Körper?“ brachte ich mühsam hervor. Er nickte ebenfalls und ich wurde langsam etwas panisch. „Aber... wie kann das sein?“ Plötzlich legte er seine Hand – nein, eigentlich meine Hand auf mein oder sein Knie. „Das war der Blitz. Durch sein Einschlagen haben wir unsere Körper getauscht.“ Meine Augen weiteten sich, ich stand vollkommen unter Schock. Ich wollte nur raus aus diesem Auto, hoffte, dass es dann vorbei war! Ich war so stark am Zittern dass ich draußen auf den harten Steinboden knallte. Bevor ich irgendetwas wahrnehmen konnte, stand Tom über mir und reichte mir seine Hand. „Komm schon, das wird wieder.“ Ich nickt zitternd, griff seine Hand und ließ mich von ihm auf die Beine ziehen. Dann erblickte ich plötzlich Gustav und Georg vollkommen durchnässt hinter uns stehen. „Hey, was ist denn los? Tom? Ist irgendetwas passiert?“ Immer noch zitternd klopfte ich mir den Schmutz von Toms mega großer Hose und seinem Shirt, während er antwortete. „Nein, nichts Schlimmes, mir geht es gut.“  „Ich habe nach Tom gefragt und nicht nach dir, Bill.“ Gustav klang jetzt echt mal verwirrt. Tom hat ihm doch geantwortet, und auch er war ziemlich verwirrt. „Ja. Ich bin doch auch Tom.“ Gustav stand der Mund offen und Georg trat vor, stellte sich vor Tom. „Bill? Alles in Ordnung?“ Ich schüttelte heftig den Kopf. „Nein, nichts ist in Ordnung! Ich will meinen Körper zurück!“ Georg und Gustav traten verwirrt zurück. „Was?“, brachte Georg schließlich hervor. „Deinen Körper zurück? Was ist denn passiert?“ Tom ging vorsichtig einen Schritt auf sie zu. „Der Blitz ist ins Auto eingeschlagen und Bill und ich haben unsere Körper getauscht! Jungs, bitte helft uns! Ich will nicht für den Rest meines Lebens in Weiberklamotten rumlaufen!“ Was sollte das denn jetzt? „Hey ja, ich trage keine Weiberklamotten!“, sagte ich und stürzte mich auf ihn. Gustav stieß uns auseinander. „Hey, hey, hey, nochmal jetzt. Ihr wart im Auto und der Blitz ist eingeschlagen. Und jetzt seid ihr im Körper des anderen?“ Tom und ich nickten. Georg blickte uns fragend an. „Und was sollen wir jetzt machen?“ Diese Frage brannte mir schon die ganze Zeit auf der Seele.

 

 

//Tom

 

Er ergriff meine Hand und ließ sich von mir auf die Beine ziehen. Plötzlich hörte ich Gustav. „Hey, was ist denn los? Tom? Ist irgendetwas passiert?“ Bill klopfte seine Sachen – meine Sachen – sauber und ich antwortete ihm. „Nein, nichts Schlimmes, mir geht es gut.“  „Ich habe nach Tom gefragt und nicht nach dir, Bill.“ Hä? Gustav klang ziemlich verwirrt.  Ich hatte ihm doch geantwortet und war auch meinerseits verwirrt. „Ja. Ich bin doch auch Tom.“ Gustav stand der Mund offen und Georg trat vor, stellte sich vor mich. „Bill? Alles in Ordnung?“ Dann mischte sich die Transe neben mir ein. „Nein, nichts ist in Ordnung! Ich will meinen Körper zurück!“ Georg und Gustav traten verwirrt zurück. „Was?“, brachte Georg schließlich hervor. „Deinen Körper zurück? Was ist denn passiert?“ Ich ging zu ihnen. „Der Blitz ist ins Auto eingeschlagen und Bill und ich haben unsere Körper getauscht! Jungs, bitte helft uns! Ich will nicht für den Rest meines Lebens in Weiberklamotten rumlaufen!“ Das musste einfach sein. Bill schien sauer zu sein. „Hey ja, ich trage keine Weiberklamotten!“, sagte er und stürzte sich auf mich. Doch Gustav ging dazwischen und zog uns auseinander. „Hey, hey, hey, nochmal jetzt. Ihr wart im Auto und der Blitz ist eingeschlagen. Und jetzt seid ihr im Körper des anderen?“ Wir nickten. Georg blickte uns fragend an. „Und was sollen wir jetzt machen?“ Tja, gute Frage. Bill und ich zuckten die Schultern. „Keine Ahnung.“ Gustav legte mir seine Hand auf die Schulter. „Heute ist Freitag. Ich denke, es ist am Besten, wenn wir jetzt nach Hause gehen und nachdenken. Am Sonntag treffen wir uns wieder, und ich hoffe, bis dahin ist uns eine Lösung eingefallen.“ Ich nickte, doch Bill weigerte sich. „Ich... ich lauf bestimmt nicht ein ganzes Wochenende lang in seinen Sachen rum!“ „Hast du eine bessere Idee?“ meinte Georg, und Bill schwieg. „Gut“, meinte Gussi, „Sonntag um drei wieder hier.“ Ich nickte, Bill auch und während Georg und Gustav in Georgs Auto einstiegen, schlug ich den Heimweg ein – Richtung Bills Haus.

 

 

//Bill

 

Tja, was sollten wir jetzt machen? Ich hatte absolut keine Idee und zuckte die Schultern, Tom tat es mir nach. „Keine Ahnung.“ Gustav legte seine Hand auf Toms beziehungsweise meine Schulter. „Heute ist Freitag. Ich denke, es ist am Besten, wenn wir jetzt nach Hause gehen und nachdenken. Am Sonntag treffen wir uns wieder, und ich hoffe, bis dahin ist uns eine Lösung eingefallen.“ Tom nickte, doch das ließ ich mir nicht gefallen. . „Ich... ich lauf bestimmt nicht ein ganzes Wochenende lang in seinen Sachen rum!“ „Hast du eine bessere Idee?“ meinte Georg. Nein, natürlich nicht, welche auch? „Gut“, meinte Gussi, „Sonntag um drei wieder hier.“ Tom nickte, ich auch, was sollte ich auch anderes tun? Georg und Gustav stiegen in Georgs Auto und fuhren davon, ich ging nach Hause, zu Tom. Bevor sich unsere Wege vor seiner Haustür trennten, blickte ich ihn noch einmal an. „Dann... viel Glück.“ „Ja... dir auch.“ Antwortete er und ging weiter, während ich das Haus betrat. Es war schön hier, hätte ich echt nicht gedacht. Suchend blickte ich mich um. Wo konnte denn Toms Zimmer sein? Oben? Hinter der Treppe? Doch bevor ich irgendwo hingehen konnte, stand plötzlich eine große Frau vor mir. Sie hatte einen Autoschlüssel in der Hand, ihre langen blonden Haare waren zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden. „Da bist du ja! Wo bleibst du denn solange? Wir müssen los!“ Los? Wohin? Verwirrt nickte ich nur und folgte meiner „Mum“ nach draußen ins Auto. Ich nahm, grübelnd, wohin es gehen könnte, auf dem Beifahrersitz Platz. Das Auto fuhr los und schon bald, etwa nach einer halben Stunde, standen wir vor einem großen weißen Haus, das einsam am Straßenrand stand. „Viel Spaß, grüß Dad von mir.“ Dad? Wenn ich das jetzt richtig gedeutet hatte, wohnte hier mein – nein, Toms Vater. Dann waren seine Eltern also geschieden. Damit hatte ich gar nicht gerechnet und plötzlich tat er mir sogar Leid. Ich nickte nur und stieg aus dem Auto. „Mum“ fuhr davon und ich klingelte gespannt an der Haustür. Sie wurde geöffnet und ein großer, dunkler Mann öffnete mir. Er hatte fettige, dunkelblonde Haare, die er zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden hatte, trug eine schwarze Sonnenbrille im Gesicht und hatte starke muskelbepackte Arme. Wenn das Toms Vater war – er wirkte nicht sehr vertrauenserweckend. „Da bist du ja, du kleiner Hurensohn!“ meinte er und zog mich brutal an den Dreadlocks ins Haus. Was war denn hier los?

 

 

//Tom

 

Bill und ich gingen schweigend nebeneinander her, bis er bei mir zu Hause ankam und sich noch einmal umdrehte. „Dann... viel Glück.“, meinte er und ich nickte. „Ja... dir auch.“ Er betrat mein Haus und ich ging weiter zu ihm. Ein hübsches Haus, dachte ich und ging hinein. Dort wurde ich von einer strahlenden Frau begrüßt. Sie hatte kurze braune Haare, trug eine Schürze und hatte eine Schüssel mit Pudding in der Hand, in der sie rührte. „Hey mein Schatz. Da bist du ja wieder. Ich mache Pudding, können wir gleich essen.“ „Okay.“, antwortete ich nur und ging die Treppe hoch. Mein Zimmer war oben, also nahm ich an, dass seins es auch war. Ich hatte zur Abwechslung mal Glück und fand oben ein Badezimmer, ein Schlafzimmer und ein Zimmer mit einem Tourplakat von Nena an der Wand. Von Georg wusste ich, dass Bill Nena hörte und ging in dieses Zimmer. Es war gemütlich eingerichtet, ein Bett, ein Schreibtisch mit PC, ein Fernseher und ein DVD - Player. Auch ein Sofa stand an der Wand. Erschöpft ließ ich mich aufs Bett fallen und schloss die Augen. Wie konnten wir den Tausch nur wieder rückgängig machen? Wir konnten doch nicht unser Leben lang so rumlaufen! Ich erblickte einen Radiowecker. 16:03. Na toll, vier Uhr und ich hatte noch ein komplettes Wochenende vor mir. Ich seufzte, zog mir die nassen und engen Klamotten aus und suchte mir was Weites aus seinem Schrank. Das Weiteste, was er besaß, war ein schwarz weiß karierter Schlafanzug. Ich nahm dieses Kleidungsstück und marschierte ins Bad, was ich eben gefunden hatte. Ich schloss die Tür ab und mein Blick stockte vor dem Spiegel. Ein Strich schwarzen Kajals lief meine rechte Wange hinunter und meine schwarzen Haare waren durcheinander und standen noch mehr ab als sonst. Gequält lächelte ich einmal kurz und sprang unter die Dusche. Das kühle Nass tat mir gut, ich war schon viel erleichterter. Als ich dann mit meinem linken Arm nach Shampoo griff, fiel mein Blick auf das Duschwasser. Es war rot. Was war das denn? Das sah aus wie Blut. Panisch blickte ich an meinem – Bills Körper – herunter und suchte eine Wunde oder ähnliches. Und dann entdeckte ich es. Meine beiden Unterarme zierten mindestens 50 strichähnliche Narben. Einige davon waren recht kurz, vielleicht um die zwei Zentimeter, die größte führte auf dem linken Unterarm entlang einer Ader und brachte es auf bestimmt 11 Zentimeter. Manche waren schon mehr oder weniger verheilt, sie waren dunkel, einige waren älter, vielleicht zwei Wochen alt, ein paar ganz frisch, eventuell zwei bis drei Tage. Fünf Striche auf meinem rechten Arm bluteten stark und färbten das Wasser rot. Ich wurde immer panischer, drehte das Wasser ab und beobachtete das aus meinem Arm strömende Blut. Bill schien sich zu ritzen, nur – warum?

 

 

//Bill

 

Drinnen stieß der Kerl mich zu Boden und lachte teuflisch. „Na, kleiner Pisser, wieder da?“ Ich hatte tierische Angst vor dem Kerl und nickte. Er lachte erneut. „Gut, dann freust du dich bestimmt auch schon so auf unser Wochenende wie ich!“ Er zog mich an meinem Shirt hoch und boxte mich in den Magen. Ich sackte unter Schmerzen zusammen, schon hatte ich seine Faust im Gesicht. Ich schrie, doch das hätte ich lieber nicht tun sollen. Erneut warf er mich zu Boden und versetzte mir einen Tritt in meine männlichen Weichteile. Ich krümmte mich am Boden, stöhnte auf, schloss die Augen. Bis ich plötzlich etwas Kaltes an der Nase spürte. Ich öffnete die Augen und erblickte ein Messer. Ich wagte es nicht, mich zu rühren. Der Kerl kam mit seinem Gesicht ganz nah vor meins. „Falls du es in den letzten zwei Wochen wieder vergessen hast – du sollst die Klappe halten, verstanden, du Dreckskind?“ Ich nickte panisch, wollte nur, das der Typ endlich ging. Er lachte nur wieder. „Gut, und jetzt verpiss dich in dein Zimmer und lass dich nicht blicken, bis ich dich für die nächsten Schläge hole!“ Er packte mein Handgelenk, bohrte seine Fingernägel in mein Fleisch und zog mich zu einem kleinen Raum neben der Kellertür. Er öffnete sie und ich erblickte einen stockdunklen Raum mit einer kleinen kaputten Matratze auf dem Fußboden. Er schubste mich hinein, schloss die Tür und ich hörte, wie draußen ein Schlüssel im Schloss gedreht wurde. Alles tat mir weh, und sehen konnte ich nicht einmal die Hand vor Augen. Zitternd tastete ich mich auf dem kalten schmutzigen Boden vorwärts und spürte schließlich die Matratze. Ich legte mich darauf und schloss die Augen, hoffte, dass meine Schmerzen bald nachließen. Dann spürte ich plötzlich ein leichtes Vibrieren in meiner Hosentasche. Verwirrt griff ich hinein und hielt ein Handy in der Hand. Das Licht des Displays erhellte den Raum und ich konnte eine Nummer lesen. Erst nach ein paar Augenblicken wurde mir klar, dass das meine Nummer war, die da auf dem Bildschirm stand. Warum rief mich jemand auf Toms Handy von meinem aus an? Immer noch zitternd drückte ich auf die Taste mit dem Hörer. „Ha... hallo?“

 

 

//Tom

 

Geschockt stellte ich das Duschwasser ab, griff ein Handtuch und sprang mit einem Satz auf den Badezimmerteppich, so geschockt war ich. Ich rubbelte meine – Bills Haare – trocken, dann langsam die Arme. Die Wunden hatten inzwischen aufgehört zu bluten, trotzdem zitterte ich wie wild und hörte meinen eigenen Herzschlag so laut, als wäre er neben mir, während ich meine Arme anschaute. Ja, eindeutig Ritznarben von einem Messer. Ich schüttelte schockiert den Kopf, dann zog ich mir den Schlafanzug an und versuchte, das Bild von Bills zerschnittenen Armen vor meinen Augen zu ignorieren. Ich schüttelte erneut heftig den Kopf, dann erblickte ich Bills Handy auf dem Schreibtisch. Ich wollte wissen, warum er das tat. Sich so verletzte. Schnell griff ich nach dem Telefon und wählte meine eigene Handynummer, denn ich wusste, dass Bill mein Handy noch bei sich tragen musste, es war in meiner Hosentasche. Nach einer ewigen Zeit hörte ich seine Stimme, schwach, bebend, ängstlich. „Ha... hallo?“ „Warum tust du das, hä?“, polterte ich gleich los, „Warum ritzt du dir die Arme auf? Bist du bescheuert? Nur Psychopathen ritzen sich so heftig!“ Stille, er antwortete mir nicht. Ich wollte ihn gerade wieder richtig anmachen, als er doch begann zu sprechen. „Tom?“ Ich verdrehte die Augen, war der denn völlig bekloppt? „Nee, Frau Holle! Also, was ist los? Was ist in dich gefahren?“ Doch dann hörte ich plötzlich ein Schluchzen von der anderen Seite. „Tom? Tom, bitte hilf mir! Ich will hier weg! Bitte!“ Ich stockte. Was faselte der da? Weg? Von wo? Ich sollte ihm helfen? Ich wusste doch nicht mal, wo er war! Moment. Mein Blick fiel auf einen Wandkalender. Heute war Freitag. Ich blickte auf den Wecker. 16:22 Uhr. Verdammt! Mit einem Mal wurde mir klar, wo Bill war!

16.10.07 22:38

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